Wird es bald eine Markthalle am Albertsplatz geben, in der Produkte aus der Region angeboten werden? Oder wird die ursprünglich für einen Nahversorger konzipierte Fläche an einen Coburger Arzt vermietet, der dort ein Reha-Zentrum betreiben will? Bei dieser Variante bliebe noch ein wenig Platz für Gastronomie.

Christian Meyer, Geschäftsführer der Coburger Wohnbau, hält sich äußerst bedeckt, was das Vorhaben angeht, denn am kommenden Donnerstag soll der Stadtrat in nicht-öffentlicher Sitzung eine Entscheidung treffen. "Ich werde in der Sitzung die drei Konzepte vorstellen", sagt Meyer auf Tageblatt-Nachfrage. Eine Empfehlung werde es seitens der Wohnbau nicht geben. "Ich werde neutral gewichten." Mehr werde er dazu vorab nicht sagen.
In Coburg pfeifen es allerdings die Spatzen von den Dächern, dass die Entscheidung, was sich auf der Fläche in den Gebäuden Albertsplatz 2 und Zinkenwehr 1 ansiedeln wird, wohl zwischen der Markthalle und der Reha-Praxis fallen wird. Ursprünglich war der Plan, auch auf Empfehlung des Integrierten Stadtentwicklungskonzepts (Isek) hin, einen Nahversorger in die Ketschenvorstadt zu holen. Doch von Anfang an war auch klar, dass das vermutlich nicht leicht werden würde. Schließlich gibt es praktisch um die Ecke - in der Bamberger Straße - gleich mehrere Einkaufsmärkte und damit Konkurrenz für einen potenziellen Interessenten am Albertsplatz. Zudem gilt der Albertsplatz laut Gutachten der Cima Beratung + Management GmbH momentan noch als (recht aussichtslose) 1c-Lage. Nach der Sanierung soll er zwar zur 1b-Lage hochgestuft werden, ob das an der schwierigen Verhandlungsposition etwas ändert, ist aber fraglich.

"Tolle Idee mit Potenzial"

Die Überlegung, am Albertsplatz eine Markthalle anzusiedeln, bezeichnete Oberbürgermeister Norbert Tessmer (SPD) dagegen schon kurz vor der Kommunalwahl im vergangenen Jahr in einer Tageblatt-Umfrage als "tolle Idee" mit "reichlich Charme und Potenzial". Der Begriff Markthalle ist allerdings in Coburg seit den 90er Jahren negativ besetzt: Das Fiasko mit der Halle im Steinweg, die nach knapp zwei Jahren schon wieder schließen musste und lange leer stand, ist vielen Coburgern im Gedächtnis geblieben.

Doch der Albertsplatz ist nicht der Steinweg, und die Stadt hat offenbar einen möglichen Betreiber einer Markthalle gefunden: Werner Häfele, Metzger und Unternehmer aus dem schwäbischen Winnenden, hat bereits erfolgreich Markthallen in seiner Heimatstadt und in Esslingen konzipiert und wird von Kommunen gerne als Berater bei ähnlichen Projekten hinzugezogen. Auf der Homepage der Esslinger Markthalle ist die Verbindung von Häfele nach Coburg übrigens schon sehr konkret: "Das Markthallen Konzept hat es bis nach Coburg geschafft! Die Markthallen in Winnenden und Esslingen haben so viel Aufsehen erregt, dass Werner Häfele jetzt auch bei der Erstellung der Markthalle Coburg berät", heißt es dort.

Den Coburger Albertsplatz hat Häfele auch schon mehrfach begutachtet, zuletzt war er am diesjährigen Samba-Festival in Coburg. Sein Urteil: Keine andere der besichtigten Städte habe die Qualität des Coburger Albertsplatzes.
Entscheidet sich der Stadtrat am Donnerstag für die Markthalle, würde das - im Gegensatz zur Variante Arztpraxis - eine Grundversorgung mit Lebensmitteln für die Bewohner der Ketschenvorstadt bedeuten.

Die Entscheidung über die Nutzung der Fläche sollte ursprünglich schon im vergangenen November fallen, wurde aber verschoben, weil der Zeitplan - Eröffnung im Juli/August - wegen diverser Verzögerungen nicht mehr einzuhalten war.