"Gab es denn damals, bei den Rittern, auch schon Spaghetti mit Tomatensoße?", fragt Peter Gutzeit vom Führungsdienst, die Kinder im Rittersaal der Veste. Hier, bei der ersten Station der Familienführung, setzt sich Gutzeit, gemeinsam mit den Kindern auf den Boden und schafft dadurch eine angenehm lockere Atmosphäre.
Mit zwei besonderen Requisiten hat er die Kleinen schnell auf seiner Seite: "Wer von euch will mal in einen echten Ritterhelm und einen echten Ritterhandschuh schlüpfen?" Anfangs sind die Kinder noch schüchtern, aber Gutzeit weiß sie zu animieren. Der vierjährige Benedikt traut sich. Zuerst soll er den riesigen Helm aufprobieren und dann in den schwere Metallhandschuh schlüpfen. Beides ganz schön groß, für den kleinen Mann. "Jetzt machen wir aus dir einen Ritter", sagt Gutzeit. Gespannt blickt Benedikt ihn an und lässt sich auf die Verwandlung ein. Sogar den Helm zuzuklappen, traut er sich. "War gut", stellt er im Anschluss fest und setzt sich wieder zu seinem Papa. Doch bei der Familienführung geht es nicht allein um die Kinder. "Es ist eine kindgerechte Erwachsenenführung", erläutert Gutzeit. Deshalb dürfen auch neugierige Eltern mal in die Rüstung schlüpfen. Familienvater Michael Lindner freut sich: "Der Handschuh hat sich richtig angenehm angefühlt, am liebsten hätte ich ihn mitgenommen."

Keine Zeit für Langeweile

Als nächstes geht es ins Jagdzimmer, dann in die Rüstungskammer und zu den Scherzgläsern. Peter Gutzeit informiert die Kinder ausschließlich über die lustigsten und spannendsten Themen. Das Programm wechselt schnell, damit die Kinder interessiert bleiben.
Manche Erwachsene wollen allerdings zu bestimmten Themen mehr erfahren. "Da bitte ich die Besucher um Verständnis, Fragen erst nach der Führung zu stellen", sagt Gutzeit. "Wenn ich bei jeder Station einzelnen Personen etwas erkläre, würden die Kinder warten und sich langweilen. Die Gäste haben aber die Möglichkeit, im Anschluss Näheres zu erfahren. Dann gehen wir auch mal zurück in die entsprechenden Räume."

Flexible Themengestaltung

Je nach Altersdurchschnitt des Publikums variierten Führung und Stationen. "Es ist sehr wichtig, die Tour altersgemäß zu gestalten, denn jede Altersgruppe interessiert sich für etwas anderes. Wenn mal nur Erwachsene dabei sind, beleuchten wir zum Beispiel Themen wie Luther. Für Kinder sind Dinge wie die Scherzgläser der Ritter viel unterhaltsamer." Geeignet sei die Führung für Kinder ab vier oder fünf Jahren. "Ab diesem Alter verstehen sie viel."
Die kleinen Gäste hören aufmerksam zu und bringen sich ein. Heute sind Kinder von 1 bis 14 Jahren dabei. Gutzeit achtet darauf, dass auch die Jüngeren zu Wort kommen. "Die trauen sich meistens am Anfang nicht, aber wenn man sie ein wenig animiert, dann bringen sie sich auch gerne ein."
Nach der Führung sehen die Kinder alles andere als gelangweilt aus: "Die Kutschen fand ich am schönsten", sagt die achtjährige Anna nach der letzten Station. Sebastian, 14, aus Dörfles sagt: "Das Waffenzimmer ist mein Favorit, aber auch das Rüstungszimmer hat mich fasziniert. Die Führung war insgesamt echt cool."

Auch Erwachsene begeistert

Nicht nur den Kindern, auch den Eltern und anderen Erwachsenen hat die Führung gefallen. Das Rentnerehepaar Regina und Fritz Jenzer aus der Schweiz ist auf der Durchreise, und hat die Veste Coburg zum ersten Mal besucht. "Wir waren nicht gezielt auf eine Familienführung aus, aber sie ist sehr detailliert und einfühlsam gestaltet", findet Regina Jenzer. Da stimmt auch Verena Keller, die mit ihrer Familie hier ist, zu: "Das ist genau das Richtige für Kinder und macht dazu auch den Eltern Spaß."
"Eine Museumsführung muss nicht langweilig sein. Besonders nicht für Kinder. Die kann lustig, spannend und aufregend sein. Man muss sich nur anstrengen, dann haben die Kinder auch Spaß", sagt Gutzeit. Die Familienführung findet während der Sommerferien immer samstags und sonntags ab 11 Uhr statt. Weitere Informationen gibt es unter 09561/ 87933.
Übrigens: Spaghetti mit Tomatensoße kannten die Ritter noch nicht. Tomaten gab es zu dieser Zeit nämlich in Europa noch gar nicht - die stammen aus Amerika.