So lange er Fotograf beim Tageblatt war, gehörte Pfingsten zu den Pflichtterminen von Klaus Wöhner. Mag sein, dass er manchmal von "Affentheater" sprach. Aber das war eher der typischen Art des Coburgers geschuldet, nur ja nicht zu viel Sympathie zu zeigen. Denn die Vestestadt ohne Pfingstkongress - das ist für einen Coburger eigentlich undenkbar.


Wie viele Fotos da im Lauf der Jahre zusammengekommen sind, kann nicht mal Klaus Wöhner selber sagen. "15 000 bis 20 000" schätzt er: Bildmaterial in Form von Schwarzweißnegativen, Farbdias, Datensätzen und Abzügen. Denn Klaus Wöhner, der 1979 seine Leidenschaft Fotografie zum Beruf machte, war natürlich einer der ersten, die auch digital fotografierten, sobald es dafür Kameras gab, die seinen Ansprüchen entsprachen.


Neben der Fotografie als solcher hatte es ihm die Technik angetan. "Ich bin zum Fotografieren gekommen über Franz Hoech. Mit dem bin ich schon als Kind durch die Gegend gezogen und habe Bilder entwickelt." Franz Hoech hielt das Coburger Land im Bild fest und gab auch Bücher heraus. Klaus Wöhner wuchs heran, machte eine Lehre und wurde Elektromeister, gründete eine Familie. Zum Fotografieren kam er da nicht mehr viel.


Fasziniert von der Technik

Erst in seiner Zeit als Servicetechniker bei der AEG stieg er ein, schloss sich mit zwei Kollegen dem Fotoclub an und entdeckte das Hobby neu. "Wir haben nächtelang Farbbilder entwickelt!" An den Wochenenden begaben sich die Freunde auf Fotoexkursionen. Vor allem die Türkei hat es ihm angetan, die er von West nach Ost und Nord nach Süd bereist hat. Fast alle Ausgrabungsstätten hat er besucht. "Gegen mein Türkei-Archiv ist das vom Coburger Convent Spielzeug", sagt er.


Die Fotografie brachte ihn zum Tageblatt, erst als freien Mitarbeiter, dann - ab 1979 - als Bildredakteur. Wöhner hatte lange gezögert, bis er das Angebot annahm. Ab dann gehörte der Pfingstkongress zu seinen festen Terminen im Jahr, und er dokumentierte alles. Auch die Schlägereien am Rande der Feierstunde am Pfingstmontagabend, bei dem der CC stets die Einheit Deutschlands forderte.


Inzwischen, sagt Wöhner, sei es ruhiger geworden um den Kongress. Nicht nur am Pfingstmontagabend - auch beim Marktfest am Dienstag danach. Seine Fotos zeigen den Unterschied: In den 80er Jahren war kaum ein Platz auf den Bänken zu bekommen, die fast die gesamte Marktplatzfläche in Anspruch nahmen.


Inzwischen müssen viele der Studierenden schon in der Nacht zum Dienstag abreisen. Auch für die Coburger selbst ist das Marktfest kein Pflichttermin mehr. "Früher war hier ja nichts los außer Pfingstkongress und Schützenfest", sagt Wöhner. Seine Bilder zeigen auch, was sich geändert hat: Welche Geschäfte einst die "Spit" säumten "und wie die Leute älter werden". Seine ältesten Fotos reichen bis ins Jahr 1970 zurück, als er wieder begann, sich mit der Fotografie zu beschäftigen.


CC reicht Archiv weiter

Wöhner, der mit seinen Fotos bis 2013 auch die Verbandszeitschrift "CC-Blätter" belieferte, wollte seine Bilder dem Coburger Convent und der Stadt Coburg erhalten."Es ist Coburg, und es sollte in Coburg bleiben." Formell erhält die Fotos nun der Coburger Convent, der sie wiederum dem Coburger Stadtarchiv übergibt.

Für Hans-G. Schollmeyer, seit 44 Jahren Kongressbeauftragter des Coburger Convents, eine Selbstverständlichkeit: "Coburg und der Kongress gehören zusammen." Seine übrigen Archivalien hat der CC in Würzburg verwahrt, beim Institut für Hochschulkunde. Das CC-Bildarchiv werde wie alle anderen Dokumente im Stadtarchiv allgemein zugänglich sein, versichert Ali-Ottmar Mahdi, Vorsitzender des Alte-Herren-Verbands. Aber auch die Verbindungen können sich dort bedienen, wenn sie Material für Festschriften und ähnliches brauchen.
Klaus Wöhner wird beim Pfingstkongress nur noch zum Spaß fotografieren. Überhaupt will er kürzer treten und erwägt, weitere Teile seines Fotoarchivs abzugeben. Wer all die Aufnahmen aus der Türkei erhalten soll, von Ausgrabungsstätten, Landschaften und Menschen, hat er aber noch nicht entschieden.
Den Landesvorsitz im Deutschen Verband für Fotografie (DVF), den er jahrelang innhatte, hat Klaus Wöhner niedergelegt. Auch als Bezirksleiter Oberfranken möchte er aufgeben. Im Fotoclub Coburg ist er nach wie vor aktiv - nun wieder als Vorsitzender. In die Türkei würde er gern noch einmal reisen, sagt der 70-Jährige. "Wenn's gesundheitlich geht, will ich noch einmal auf den Nemrut Dagi, den Götterberg", sagt er. Zu Fuß, mit der Fotoausrüstung auf dem Rücken. Schnappschüsse mit dem Handy kommen für ihn nicht in Frage. "Wenn, möchte ich anständig fotografieren."