Wo ist denn nun das Feuer? Wolfgang Tschödrich blickt suchend über die Schnauze der Propellermaschine. Auch Pilot Hanno Stock reckt den Hals. Er weiß immerhin, wo er das Feuer suchen muss - für ihn ist es bereits der dritte Übungsflug an diesem Tag.

Wolfgang Tschödrich, hauptberuflich Mitarbeiter der Forstverwaltung, ist einer von zwölf ausgebildeten Luftbeobachtern am Stützpunkt Oberfranken-West in Bamberg. Er soll nicht nur das Feuer finden, sondern anhand der Karte auch die Koordinaten durchgeben, wo es brennt. Dafür haben er und seine ehrenamtlichen Kollegen am Vormittag die Theorie gehört, nun ist die fliegerische Praxis dran. Und zur Praxis gehören heutzutage nicht mehr Karten, sondern die satellitengestützte Ortung mittels GPS.

Doch mit den Geräten sei das so eine Sache, meint Adolf Nüßlein, der Vizepräsident der Luftrettungsstaffel Bayern und Flugbeobachtungsleiter in Oberfranken. Beide Posten erledigt er ehrenamtlich - bei der Luftrettungsstaffel handelt es sich, grob gesagt, um einen Zusammenschluss ehrenamtlicher Piloten, die zum großen Teil auf Flugzeuge von Vereinen zurückgreifen. Sie gewährleisten, was es in keinem anderen deutschen Bundesland mehr gibt: den vorbeugenden Katastrophenschutz aus der Luft. GPS-Geräte, Handys oder Tablets mit GPS-Ortungsprogramm seien natürlich hilfreich, sagt Nüßlein. Aber wenn so ein Gerät den Geist aufgibt, bleibt nur die altbewährte Landkarte. Die Luftbeobachter üben nicht nur den Umgang damit, sondern auch das korrekte Funken. Ihre Durchsagen erreichen die zuständige Leitstelle in Bayreuth. Dort befindet sich der zweite Stützpunkt der Luftrettungsstaffel in Oberfranken neben Bamberg.


Piloten halten die Augen auf

Vor allem in Zeiten erhöhter Waldbrandgefahr wird die Luftrettungsstaffel angefordert. "Unter der Woche fliegen wir ab Gefahrenstufe 4, am Wochenende bei Gefahrenstufe 3", sagt Jürgen Damm, Luftbeobachter und beim Landkreis Coburg in der Wasserwirtschaft beschäftigt. Bei den Luftbeobachtern handelt es sich meist um Mitarbeiter von Behörden oder Feuerwehrleute: Dominik Luther von der Coburger Feuerwehr ist einer von vieren im Raum Coburg, neben Jürgen Damm, dem Förster und Grünen-Stadtrat Wolfgang Weiß und Frank Goldammer. Sie alle gehören zum Stützpunkt Bamberg, denn der Stützpunkt Coburg wurde schon vor Jahren aufgelöst. Die Ausbildung der Luftbeobachter findet abwechselnd in Coburg und Bamberg statt.

Zwei Übungsflüge galt es am Donnerstag zu absolvieren: Zwischen den Wendepunkten Mitwitz, Neustadt, Bad Rodach und Lichtenfels sollte ein Brandherd ausfindig gemacht werden. Auf der zweiten Übungsstrecke zwischen Pfaffendorf, Ebern und Lichtenfels sollten die Luftbeobachter ein vermisstes Fahrzeug finden.

Die Überwachung der Forste bei hoher Waldbrandgefahr ist nur eine der Aufgaben der Luftbeobachter, erläutert Adolf Nüßlein. Die Suche nach Vermissten oder die Dokumentation von Brandstellen gehört ebenfalls dazu. Rund 25 bis 30 Einsatzstunden hätten die Luftbeobachter im Jahr 2016 geleistet, sagt er. Hinzu kamen aber noch einmal rund 700 Stunden, in denen die 20 oberfränkischen Piloten allein unterwegs waren, aber ebenfalls die Augen offen hielten. Während aber die offiziellen Beobachtungsflüge stets Funkkontakt zur Leitstelle halten, alarmieren die Piloten alleine wie jeder andere auch die Feuerwehr per Telefon.

Aus einem Waldstück zwischen Froschgrund und Lautertal steigt nun Rauch auf. Die Feuerwehr hat ein Übungsfeuer angezündet. Hanno Stock lässt die DR 400 einmal um die Rauchsäule kreisen, dann nimmt er, wie vorgegeben, Kurs auf Bad Rodach. Wolfgang Tschödrich greift zum Funkgerät und gibt die Koordinaten durch, abgelesen von Landkarte und GPS-Gerät. Aufgabe gelöst.