Wer am Mittwoch einen Modebummel zu "Kaspar am Markt" unternehmen wollte, hat Pech: Das Geschäft ist an diesem Tag geschlossen, weil am Donnerstag der Ausverkauf beginnt. Der letzte. Die Inhaber Manfred und Katrin Ptok werden das Geschäft zum Jahresende schließen. Das haben sie in einem Brief an ihre Stammkunden angekündigt, der am Dienstag die ersten Adressaten erreichte. "Wir konnten den Mietpreisforderungen des Immobilienbesitzers nicht entsprechen", steht dort als Grund.

Rund 600 Quadratmeter umfassen die Ladenräume mit der Adresse Marktplatz 12-13. Für ein Modegeschäft ist das viel. Seit Monaten habe man mit dem Eigentümer über die künftige Miete verhandelt, da der bestehende Vertrag zum Jahresende ausläuft, berichten Katrin und Manfred Ptok. "Wir sind wirtschaftlich gesund!", betont sie. "Glauben Sie mir, ich hätte das Geschäft sehr gerne weitergeführt", sagt er. Seit 1998 leitet das Ehepaar das Modehaus am Marktplatz.


Mieterhöhung ist schuld

Die Entscheidung, nicht weiterzumachen, sei im August gefallen, berichten beide. Leicht fiel ihnen der Schritt nicht. "Das Schwerste war, es den Mitarbeitern zu sagen." Dann wurden brieflich die Stammkunden informiert. "Es haben schon etliche angerufen oder kommen vorbei", sagt Katrin Ptok. Die meisten seien traurig oder entsetzt. Ptoks und ihre sieben Mitarbeiter setzen auf Service und Beratung. Für Katrin Ptok ein Rezept, mit dem der inhabergeführte Einzelhandel auch in Zeiten des zunehmenden Online-Handels noch eine Zukunft haben kann: "Wenn man sein Geschäft richtig betreibt, hat man noch Chancen."

Eine Mieterhöhung wäre aber trotz guter Geschäftslage nicht verkraftbar gewesen, sagt das Inhaberehepaar. Eine Begründung für die höheren Preisvorstellungen habe der Eigentümer nicht gegeben. Die Mieten in Coburg gelten als hoch, zumindest in den 1a-Lagen wie der Spitalgasse. Da sei durchaus von 35 bis 40 Euro pro Quadratmeter die Rede, bestätigt Citymanager Jörg Hormann. Das gelte zumindest für die Läden um die 100 Quadratmeter, "die typische Boutique." Je größer der Laden, desto niedriger die Quadratmeterpreise, erläutert Hormann. Aber auch an der Ostseite des Marktplatzes seien Preise "über 20 Euro drin".

Welche Mieten wo verlangt werden, wird nicht veröffentlicht. "Die Coburger sind da sehr verschlossen", hat Hormann feststellen müssen. Die Stadt hat über die Wirtschaftsförderungsgesellschaft einige Läden günstiger vermietet als üblich, um bestimmte Sortimente in Coburg zu halten. Ansonsten stünden er und die Wifög-Mitarbeiter gern mit Rat und Tat zur Seite, versichert der Citymanager.

Ptoks haben nicht um Hilfe gebeten. Wie ihre Zukunft aussehen wird? "Ruhestand kann ich mir für mich nicht vorstellen", sagt Manfred Ptok (67). Doch konkreter wollen beide nicht werden. "Wir haben nicht gesagt, dass wir nichts mehr machen!", sagt Katrin Ptok nur. Doch erst einmal steht ab Donnerstag der Räumungsverkauf an und allem, was damit zusammenhängt. Da bleibe wenig Zeit für andere Überlegungen, sagt die Geschäftsinhaberin.