Wer in der Coburger Innenstadt einen Kaffee trinken möchte, kommt an Café Schubart kaum vorbei. Nicht weniger als acht Cafés der unterschiedlichsten Prägung gehören zum Familienbetrieb, der 1891 von Carl Schubart gegründet wurde. Heute führt Carls Urenkel Wolfgang Schubart die Firma, die für feinste Torten, leckere Kuchen, "Coburger Busserl" oder auch selbstgerösteten Kaffee steht.

Aus Anlass des 125. Firmengeburtstags haben wir mit dem 57-jährigen Wolfgang Schubart gesprochen. Mit dabei: Sohn Maximilian (29), der ebenso wie Sohn Christian (32) voll ins Geschäft eingebunden ist. Und während Christian in der Backstube unabkömmlich war, ging es mit Wolfgang und Maximilian um die Leidenschaft für die Gastronomie, gutes Personal und die Schlossplatz-Tiefgarage.

In der Coburger Innenstadt gibt es - nicht nur von Ihnen - sehr viele Cafés. Und die meisten sind auch immer gut besucht. Haben es Cafés denn so viel leichter als zum Beispiel Bekleidungsgeschäfte, von denen in jüngster Zeit immer mehr schließen?
Wolfgang Schubart: Leicht ist es nicht. Aber ich sage immer: So lange man über das Internet keinen heißen Espresso verschicken kann, so lange werden Cafés noch funktionieren.

Wenn Sie sagen, es sei "nicht leicht": Was ist denn das Schwierige in Ihrer Branche?
Maximilian Schubart: Vor allem die Arbeitszeiten. Im Grunde genommen sind wir ja an 365 Tagen im Jahr 24 Stunden für unsere Kundschaft da. In unserer Backstube beginnt die erste Schicht abends um 21 Uhr - die Nacht hindurch. Wer in einem unserer Cafés beschäftigt ist, muss bereit sein, auch am Wochenende zu arbeiten.

Dadurch, dass Sie gleich mehrere Cafés haben, können Sie bei Engpässen auch mal Mitarbeiter zwischen einzelnen Standorten hin- und herschieben. Das erleichtert bestimmt vieles. Oder, andersherum gefragt: Wie schwer ist es für jemanden, der nur ein Café hat?
Wolfgang Schubart: Es hilft schon sehr, dass wir breit aufgestellt sind. Ich schaue auch immer, ob und wo sich interessante Standorte auftun. Denn ein Motto von mir lautet: Wer nicht mit der Zeit geht, der geht mit der Zeit.

Sie scheinen ja einen ganz guten Riecher für interessante Standorte zu haben und sind auch an allen wichtigen Plätzen der Stadt - Marktplatz, Theaterplatz, Albertsplatz - vertreten. Sind Sie auch schon mal irgendwo nicht zum Zug gekommen?
Wolfgang Schubart: Vor einigen Jahren hätte ich gerne etwas auf der Lauterer Höhe gemacht. Ich wollte von einem freien Grundstück rund 1000 Quadratmeter kaufen. Doch das Grundstück gab's nur im Ganzen, deshalb hat es nicht geklappt.

Aber in der Innenstadt ist es doch sowieso schöner!
Maximilian Schubart: Ja, und die Außengastronomie an den besagten Plätzen ist für uns das Hauptgeschäft im Sommer.

Und im Winter?
Maximilian Schubart: Da sind vor allem unsere Konditoreierzeugnisse sehr gefragt.
Wolfgang Schubart: Wir haben in unserer Konditorei, die von meinem Sohn Christian geleitet wird, 16 Konditoren und Bäcker. Und wir bilden auch aus - insgesamt hatten wir schon mehrere hundert Lehrlinge. Die Ausbildungsberufe sind Fachverkäuferin im Konditorenhandwerk und Konditor.

Café Schubart gibt es seit 125 Jahren, und Sie, Herr Wolfgang Schubart, sind auch schon seit 30 Jahren dabei. Was hat sich so im Laufe der Zeit verändert?
Maximilian Schubart: Früher wurden Kaffee und Kuchen nur in den Cafés verzehrt - so etwas wie "coffee to go" gab es nicht.
Wolfgang Schubart: Die Konkurrenzsituation hat sich enorm verändert. Schauen Sie sich doch nur mal die Mohrenstraße an. Da gab es früher uns, das Café Schilling und das Stadtcafé - heute gibt es zwar Schilling leider nicht mehr, aber dafür drei Döner-Läden, zwei Bäcker, einen Chinesen und einen Hot-Dog-Stand. Das macht es schon schwierig, sich zu behaupten.

Aber Ihnen gelingt es ja ganz gut. Was ist Ihr Erfolgsgeheimnis?
Wolfgang Schubart: Zu allererst die Qualität. Genauso wichtig ist aber gutes, motiviertes Personal.

Wie motivieren Sie Ihr Personal?
Wolfgang Schubart: Vor allem dadurch, dass wir mit Herzblut dabei sind und den richtigen Einsatz vorleben. Auch am Wochenende. Dann ist das Personal ebenfalls mit Herzblut dabei. Wir können uns auf unser Personal verlassen, fast alle sind hier im Betrieb ausgebildet worden.

Was treibt Sie selbst an, immer wieder motiviert zu sein?
Wolfgang Schubart: Ich bin einfach stolz, dass es unsere Firma schon so lange gibt.
Maximilian Schubart: Das bin ich auch! Ich bin stolz auf unsere Firmen- und Familiengeschichte, und ich möchte, dass es weitergeht. Als junger Mensch ist es aber nicht immer leicht, sich zu motivieren. Während viele meiner Freunde studiert haben und in der Welt unterwegs waren, stand ich immer im Café.

Das Theater-Café in der Theatergasse ist derzeit geschlossen. Wie wird es dort weitergehen?
Wolfgang Schubart: Das wissen wir noch nicht genau. Wir müssten viel investieren - aber an diesem Standort wird sich das nicht lohnen. Man muss ja auch immer bedenken: Unsere Umsätze sind geringer als in der übrigen Gastronomie. Wenn zwei Personen Abendessen gehen, bezahlen sie 50 Euro - wenn sie bei uns einen Kaffee trinken und Kuchen essen, bezahlen sie 10 Euro.

Was ist denn am Standort Theatergasse so schlecht?
Wolfgang Schubart: Es ist keine Außengastronomie möglich. Außerdem fehlt es an Parkplätzen. Mit einer Schlossplatz-Tiefgarage wäre das anders.

Welches Ihrer Cafés ist Ihr Lieblingscafé?
Wolfgang Schubart: Das in der Mohrenstraße! Es ist noch ein richtig klassisches Café und außerdem unser Stammsitz.
Maximilian Schubart: Das Queens am Albertsplatz! Vor allem, weil ich es mitaufgebaut habe und deshalb viel Herzblut von mir drinsteckt. Das Konzept - Vintage-Look und rustikale Speisen - gefällt mir sehr.

Und welche Kaffeespezialität trinken Sie am liebsten?
Maximilian Schubart: Espresso.
Wolfgang Schubart: Filterkaffee - mit Milch, ohne Zucker. Und ein Stück Kuchen dazu.

Ganz normalen Filterkaffee?
Wolfgang Schubart (ein bekennender Oldtimer-Fan): Ja. Ich fahre auch lieber mit alten Autos als mit neuen! Latte macchiato lässt mich kalt.

Ein Blick in die Zukunft: Wann werden Sie, Herr Schubart, sich aus dem Geschäft rausziehen und es Ihren Söhnen übertragen?
Wolfgang Schubart (schmunzelt): Ich mache ja schon heute nur noch das, was mir Spaß macht - für alle ungemütlichen Sachen sind Christian und Maximilian zuständig. Dienstzeiterfassungen und solche Dinge. Aber im Ernst: Es ist toll, dass meine Söhne mit so viel Leidenschaft dabei sind und das fortführen werden, was vorherige Generationen aufgebaut haben.


AUS DER GESCHICHTE

Köpfe Das Café Schubart wurde von 1891 von Carl Schubart gegründet. Er kaufte das Eckgrundstück Mohrenstraße/Seifartshofstraße und eröffnete dort zusammen mit seiner Urgroßmutter Ottilie eine Konditorei mit "braver Kaffeestube", wie es in der Firmenchronik heißt. 1904 erfolgte die Ernennung zum Hoflieferanten. 1920 trat Carl Schubart junior zusammen mit Ehefrau Martha ins Geschäft ein, 1923 kam noch Carls weiterer Sohn Ernst mit Ehefrau Marie dazu. 1958 übernahm mit Franz Schubart und Ehefrau Gerda die dritte Generation. Der heutige Chef Wolfgang Schubart legte 1982 seine Meisterprüfung im Konditorenhandwerk ab; zudem ist er Bäckermeister. Und die fünfte Generation steht schon bereit: Sohn Christian ist Konditormeister, Koch und Betriebswirt, Sohn Maximilian ist Bäckermeister, Konditor und Betriebswirt.

Cafés Der Schubart-Stammsitz befindet sich - wie vor 125 Jahren - in der Mohrenstraße. Weitere Cafés sind: Prinz Albert am Albertsplatz (1998 übernommen), Theatercafé (2001 übernommen, derzeit geschlossen), Cappuccino am Markt (eröffnet 2004), Milchbar am Markt (2005), Kaffeebohne am Theaterplatz (2008), Stadtcafé Rödental (2009), Queens am Albertsplatz (2012), Kaffeewerkstatt am Markt (2013).