"Ich finde es sehr beeindruckend, wie eine so kleine Gemeinde wie Gemünda so eine tolle Aufführung auf die Beine stellt." Anton Hepple, Leiter des Amts für Ländliche Entwicklung Oberfranken, fasste stellvertretend die einhellige Meinung der Premierenbesucher der dritten Passionsspiele in dem Seßlacher Stadtteil zusammen.
Selbst aus Nürnberg, Forchheim oder aus der Rhön waren einige der rund 350 Zuschauer am Freitagabend angereist, um die erste Fortsetzung der Leidensgeschichte Jesu im idyllischen Ambiente hinter der historischen Zehntscheune zu erleben. Alle sparten nicht mit Lob für die Neuinszenierung.


Anspruchsvolles Stück


Nach fünf Jahren Pause hat Regisseurin Helga Heubner, dieses Mal unterstützt von Josef Starkl, zum dritten Mal Passionsspiele auf die temporäre Freilichtbühne gebracht. Das anspruchsvolle Stück "Ich bin der Weg", das, wie das 2008 und 2010 aufgeführte Stück "Ein Jünger Jesu", wieder von Martin Bernard stammt, konzentriert sich auf das Geschehen nach Jesu Tod.


Biblische Geschichten miteinander verwoben


Es verwebt mehrere bekannte biblische Geschichten miteinander: Nach der Kreuzabnahme Jesu (Herbert Zapf) trauern die Jünger. Selbst als sie die Kunde von seiner Auferstehung erreicht, ringen sie noch ängstlich um den rechten Weg. Erst als ihnen der Auferstandene erscheint ("Habt keine Furcht, ich werde immer unter Euch sein!"), fassen die Männer, angeführt von Petrus (Alexander Müller), den Mut, sein Werk fortzuführen. Durch Wunder, wie die Heilung des gelähmten Levi (Michael Estenfelder), gewinnen die Jünger immer mehr Anhänger. Die Unruhe in Jerusalem wächst.



Von der ersten Szene an verfolgen die Zuschauer gebannt das intensive Geschehen auf der Bühne, auf der über 50 Mitwirkende Platz finden. Während die Hohen Priester Kaiphas (Leo Tusche), Amon (Günther Dünisch) und Amiel (Rainer Scheidmantel) im Palast mit zunehmender Härte diskutieren, wie mit den Anhängern des Gekreuzigten umzugehen ist, beratschlagen die Jünger im Haus des Jakobus (Lothar Spielmann) auf der rechten Bühnenseite das weitere Vorgehen. Schließlich werden Petrus, Thomas (Martin Kilian) und Johannes (Christian Kaul) gegeißelt und ins Gefängnis geworfen, aus dem sie mit Gottes Hilfe entkommen können.


Als der wohlhabende Hananias (Uwe Pflaum) und seine Frau Saphira (Katja Werner) Thaddäus, den "Säckelmeister" der Jünger (Klaus Dötschel), um die versprochene Unterstützung bringen wollen, bezahlen sie ihren Betrug mit dem Leben. Stephanus (Marcus Werner), der die Lehren der Jünger in Jerusalem verbreitet, wird auf Geheiß des Hohen Rates zu Tode gesteinigt. Nach dem Tode des ersten Märtyrers strömen Petrus und seine Getreuen aus, um die Lehren ihres Meisters in aller Welt zu verbreiten.


Herausragend ist das Spiel des Alexander Müller als Petrus. Bei Martin Kilian spürt der Zuschauer das Zaudern des Thomas nach. Und die Hohen Priester dominieren nicht nur durch ihre prächtigen Kostüme im Hintergrund der Bühne.


Die Wirkung der Spielhandlung wird verstärkt durch die beeindruckende Präsenz des Projektchores unter der Leitung von Julia Günter, der auch das Volk verkörperte. Lieder wie "Jesus lebt" oder "Wer glaubt, ist nie allein", musikalisch untermalt vom kleinen Ensemble aus Beatrix Seidlitz (Geige), Christian Reissinger (Klavier) sowie Fiete Menzel (Cello), transportieren die Botschaft. Als Solisten überzeugen Andrea Pachsteffl, Steffen Gropp und Michael Estenfelder.
Selbst das Wetter spielte mit und trug zusammen mit dem imposanten Bühnenbild (Leitung: Willi Franz und Horst Heubner) und den stimmigen Kostümen (Hannelore Wagner) mit tropischen Temperaturen zur gelungenen Illusion des "Judäa in Gemünda" bei.
Die präsentierte Suche nach dem (richtigen) Glauben und Weg soll die Zuschauer inspirieren. Nachdenklich möchten die gezeigten Verhaltensmuster wie Neid und Missgunst, Habgier und Betrug, aber auch gelebte Nächstenliebe stimmen. Die evangelisch-lutherische Regionalbischöfin Dorothea Greiner, die zusammen mit dem katholischen Regionaldekan Thomas Teuchgräber erneut die Schirmherrschaft der ökumenischen Veranstaltung übernommen hatte, forderte in ihrer Begrüßung dem heutigen "Mangel an Glaubenswissen" zu begegnen, und fügte hinzu: "Sie tun das in ihrer Dorfgemeinschaft in beeindruckender Weise und dienen der Verkündigung des Evangeliums."
Ortspfarrerin Kathrin Neeb dankte allen, die auf und hinter der Bühne "ihr Talent dazu nützen, um in die Welt hinaus zu tragen, was unseren christlichen Glauben ausmacht." Für Kreisrat Hendrik Dressel, den Vorsitzenden der veranstaltenden Stiftung "1150 Jahre Dorfgemeinschaft Gemünda", ist das aktuelle Passionsspiel "gut geeignet in der heutigen Zeit den rechten Weg zu finden und den eigenen Glauben zu stärken".

Überzeugende Darstellung

"Das ist so echt" kommentierte Gerd Kanz (Untermerzbach) in der Pause begeistert die Leistung der Laienschauspieler. Auch die Schirmherrin zeigte sich beeindruckt, gerade weil "normale Bürger" aus Gemünda oder Umgebung ihren Glauben bekennen: "Wenn ein junger Mann aus ihrer Mitte, wie soeben der junge Levi, sein Lied vom Glauben singt, dann ist das etwas völlig anderes als wenn das Schauspieler tun", sagte Dr. Greiner. Eine "überzeugende Hingabe" stellte Landtagsabgeordneter Jürgen W. Heike fest. Faszinierend fand er "viele bekannte Gesichter einmal in einer völlig anderen Situation zu sehen".
Christiane Schilling (ALE, Bamberg) lobte "das gute Bühnenbild und die tollen Kostüme". Das Schlusslied ging nicht nur ihrem Chef Anton Hepple "unter die Haut". Weil er die Aufführung so "ergreifend" fand, hoffte Großheiraths Bürgermeister Udo Siegel, "dass es nicht wieder fünf Jahre dauert" bis zu den nächsten Passionsspielen in Gemünda. Für Kurzentschlossene gibt es am kommenden Wochenende, am 19., 20. und 21. Juni, noch drei Gelegenheiten. Beginn ist jeweils um 20 Uhr.
Nur zum Ende irritierten die rede- und spielgewandten Akteure ihr Publikum. War nach dem Glaubens-Lied nun tatsächlich der Zeitpunkt für den verdienten Applaus gekommen? Wie zuvor in der Spielhandlung ergriff Petrus die Initiative und ermunterte dieses Mal zu Zuschauer zu agieren. "Wir haben alles geprobt, nur den Abgang nicht", gestand der Hauptdarsteller augenzwinkernd. Und so konnte das Publikum endlich auch hörbar seiner Begeisterung Ausdruck verleihen.