Was sich da abspielt, ist ein hinterhältiger Krieg. Auf den globalisierten Finanzmärkten dieser Welt, in "Kow Loon", dem Debütstück des jungen Autors Jan Geiger. Weil die Handelnden bei weitem nicht so cool sind, wie sie sich selbst einbilden, führt der Kampf um Millionen und Milliarden, vor allem aber auch um persönliche Macht und Bestätigung des eigenen Egos bei Jan Geiger in der thea tralen Zuspitzung zwangsläufig in körperliche Gewalt. Es geht ganz schön zu bei der Uraufführung von "Kow Loon" durch Gastregisseurin Alice Asper im Coburger Theater in der Reithalle. Bejubelte Premiere am Freitag in Anwesenheit des erfreuten 27-jährigen Autors.

Eine Uraufführung zeichnet ein Theater (meistens) aus. Mit "Kow Loon" schickt das Landestheater eine kritische Reflexion unserer schönen neuen Wirtschafts(wunder)welt in die Theater der Republik. Alice Asper hat die als Groteske bezeichneten Ereignisse um die angebliche Pleite eines Unternehmens, an der sich die führenden Köpfe der Firma schamlos bereichern wollen, wirkungs-, stimmungs- und humorvoll in knapp anderthalb Stunden Aufführungsdauer in Szene gesetzt.

Der skrupellose Hitzkopf Johannes (Thorsten Köhler), der gerissene, alternde Geschäftsführer Edwin (Niklaus Scheibli) und der sozial scheinbar unterbelichtete Analyst/Buchhalter Henry (Benjamin Hübner) gehen in unübersichtlichen Konstellationen aufeinander los. Wer gehört zu wem? Wer verfolgt welche Interessen?

Autor Jan Geiger und die Darsteller zeichnen in der gerafften Skizzierung der herrschenden Marktgesetze und deren Auswirkungen auf die ihnen Dienenden spannende Charaktere, trotz durchaus schablonen- und bisweilen klischeehafter Darstellung. Außer der Optimierung der eigenen Gerissenheit gibt es keinerlei verbindliche Verhaltenskrite rien mehr, geschweige denn moralische Gesetze . "Wo willst du die Grenzen ziehen?", fragt Edwin am Schluss. Rein rhetorisch.

Ein packender Kommentar

Die ihrerseits heftig verstrickte Putzfrau Christina (Anne Rieckhof) soll die Opferseite repräsentieren. Diese Figur wirkt in der Anlage Jan Geigers allerdings nicht stimmig zwischen ebenfalls ausgeprägtem Intrigantentum und weiblich sorgender/sehnender Motivation.

Jan Geigers "Kow Loon" ist ein durchaus packender Kommentar zum entgleisenden Kapitalismus der Gegenwart und liefert dem zeitgenössischen Theater jetzt eine praktikable Vorlage, um seiner kritischen Funktion nachzukommen. Wirklich unter die Haut geht dieser nächtliche Fight im kühlen Konferenzraum, durch den die Banker jagen, in dem sie sich aber nirgends - womöglich nachdenklich werdend - niederlassen könnten, nicht. (Auch im übertragenen Sinne treffende Ausstattung durch Karlheinz Beer). Ob von dem in Coburg inszenierten unterhaltsamen Theaterabend abgesehen mehr (psychologisches) Potenzial für ein dauerhafteres Theaterleben in dem Stück steckt, wird sich noch zeigen müssen.

Landestheater Coburg "Kow Loon". Schauspiel von Jan Geiger. Inszenierung Alice Asper, Ausstattung Karlheinz Beer, Dramaturgie Dirk Olaf Hanke.

Darsteller Anne Rieckhof, Thorsten Köhler, Niklaus Scheibli, Benjamin Hübner.

Weitere Termine 27. Mai, 2., 3., 4. Juni, 20 Uhr, Reithalle.