In den meisten Studentenbuden heutiger Tage würde man, auf der Suche nach etwas Altem, wahrscheinlich erst einmal im Kühlschrank oder im vollgestellten Spülbecken nachsehen. In der ersten Studentenbude von Franz Freiherr von Fürstenberg in München hätte damals ein Blick unter seinen Schreibtisch genügt.

Der Schlitten in der Grube

Als Sitzgelegenheit in seiner ersten Wohnung diente dem heute 75-Jährigen ein antiker Kinderschlitten, den er 1955 mit seinen Brüdern beim Spielen im heutigen Prinzessinturm am Schlossberg entdeckte. "In einer Grube, die mit Bohlen abgedeckt war, lag der Schlitten", erzählt Fürstenberg und fügt hinzu: "Seit ich ihn gefunden habe, war er immer meiner. Den hab ich nicht mehr hergegeben." Bis Mittwoch.

Gemeinsam mit seiner Frau, Ines Sibylle Freifrau von Fürstenberg, übergab er den Kinderrodel Matthias Müller, dem Vorstand der Schloss- und Gartenverwaltung Coburg. "Als wir den Schlitten jetzt beim Dachbodenentrümeln wieder gefunden haben, da dachte ich: Der muss jetzt weg", sagt Fürstenberg. "Einen so alten, erhaltenen Gebrauchsgegenstand zu bekommen, ist selten", freut sich Müller über das Fundstück. Er könne sich gut vorstellen, dass der Schlitten im Prinzenzimmer des Schlosses seinen neuen Platz finde. Bis es jedoch so weit ist, muss der Schlitten erst einmal nach München zur Bayerischen Schlösserverwaltung zur Restaurierung. Museumsdirektor Peter Krückmann war für die Übergabe des Rodels in die Rosenau gekommen.

Geschichtliche Rätsel

Für Krückmann steht fest, dass der Schlitten aus der Mitte des 19. Jahrhunderts stammt: "Er ist anspruchsvoll gestaltet und ähnelt den Kinderbuchillustrationen zur damaligen Zeit", so Krückmann. Ob der Schlitten, wie der Schriftzug "Victoria" vermuten lässt, auf königlichen Kufen steht, sei zwar gut möglich, lasse sich aber gegenwärtig noch nicht sagen. Denkbar wäre eine Verbindung zu Queen Victoria, die 1845 die Rosenau, den Geburtsort ihres Gatten, Prinz Albert von Sachsen-Coburg und Gotha besuchte und deren erstgeborene Tochter ebenfalls Victoria hieß. Ebenfalls möglich wäre eine Verbindung zu Victoria Melita, deren Vater, Prinz Alfred, der zweitgeborene Sohn Königin Victorias und Prinz Alberts war und länger im Kavaliershaus in der Rosenau lebte. Sicher ist jedoch, dass einiges an dem Schlitten für eine höfische Herkunft spricht, angefangen beim Schriftzug selbst: "Die Schreibweise ist interessant. Sie entspricht nicht der hiesigen, die wäre altmodischer gewesen, das sieht schon englisch aus", sagt Krückmann und fügt hinzu: "Der Stoff der Polsterung zeugt ebenfalls von höfischem Ambiente. Es ist derselbe Stoff, wie am Handlauf der Ehrenburg."

Ein königliches Vergnügen

"Fest steht, er stammt aus diesem Schloss", betont Fürstenberg, dessen Vater nach dem Krieg als Parkverwalter für die Schlossanlage verantwortlich war. Und fest steht wohl ebenfalls, dass Fürstenberg vor fast 60 Jahren dasselbe mit diesem Schlitten machte, wie die vermeintlich königlichen Nutzer 100 Jahre zuvor: "Jeden Winter bin ich damit die Hügel rund um die Rosenau runtergefahren", erinnert sich der 75-Jährige.