"Vielleicht haben die Landwirte bei dem Wetter alle noch draußen zu tun", suchte Markus Lieberknecht nach einer Erklärung für den geringen Andrang zur Informationsveranstaltung. Der Sprecher des Unternehmens Tennet, das die 380-kV-Leitung durch das Stadtgebiet von Rödental plant, hatte mit mehr Nachfrage gerechnet.
Ein ganzer Stab von Ansprechpartnern stand im Saal der Gastwirtschaft Sauerteig bereit, um die Fragen der Besucher zu beantworten. Aktenordner mit Planungsunterlagen, Landkarten und eine Computersimulation des Trassenverlaufs in der kritischen Gegend um Weißenbrunn waren neben Bauteilen der Leitung aufgebaut.

Von allen Seiten konnten die Besucher des "Infomarktes", wie Tennet diese Veranstaltungen nennt, anschauen, wie die Leitung am Froschgrundsee verlaufen soll. Per Mausklick lag die Trasse mal auf der Seeseite der ICE-Brücke mal auf der Dorfseite, nahe zu Weißenbrunn. "Die eigentlich vorgesehene Trasse ist die über den See", erklärt Lao Tu von Tennet. Die am Dorf sei eine Alternative. Denn am See wird eine Reiherkolonie überspannt.
Tennet will dort entlang, betont auch Mark Sprung, der Projektleiter, wissend, dass die letzte Entscheidung dazu am Ende die Regierung von Oberfranken treffen wird.

"Den Reihern bieten wir andere Nistmöglichkeiten an", erklärt er. Ein Stück von den jetzt existierenden Horsten sollen künstliche Nistmöglichkeiten geschaffen werden. In einem Waldstück oberhalb des Sees weitere. Überhaupt sei vorgesehen, Ausgleich für die Belastung der Natur zu schaffen, betont auch Reinhard Stöckel. "Dabei werden Flächen vor allem aufgewertet, etwa indem wir Nadelwald durch wertvolleren Laubwald ersetzen", erklärt er.

Diese Maßnahmen im Einzelfall zu beleuchten ist, im Interesse seiner Mitglieder, Aufgabe des Bauernverbands. BBV-Geschäftsführer Hans Rebelein sieht zwar, dass die Belastung für die Landwirtschaft niedriger ist als bei anderen Großprojekten wie Autobahn oder ICE. Trotzdem muss jede Maßnahme eben mit dem Bewirtschafter betroffener Flächen abgestimmt werden. "Manchmal ist der Grundeigentümer schon informiert, aber der Bewirtschafter weiß noch nichts von einer Einschränkung", stellt er fest.

Dabei geht es etwa um Nutzungseinschränkungen für Waldstücke - wie bei Unterwohlsbach. Dort wehrt sich ein Grundeigentümer gegen einen Wildschutzzaun, der eine Reiherkolonie vor Unruhe schützen soll. "Die Reiher sind ohne Zaun gekommen. Warum soll der nötig sein, weil jetzt die Leitung kommt?", fragt er. Mit anderen Landwirten soll eine Vereinbarung getroffen werden, dass sie auf ihren Äckern "Feldlerchenfenster" einrichten. Kleine Flächen, die nicht bestellt werden, damit dort die kleinen Vögel brüten können.


Solange das vor kurzem gestartete Planfeststellungsverfahren läuft, können Bürger noch Einwände gegen das Projekt vorbringen. Diese müssen bearbeitet werden und fließen gegebenenfalls in eine Änderungsplanung ein, die erneut ausgelegt wird. Erst dann kann das Verfahren abgeschlossen werden. Allerdings lautet die Vorgabe der Bundespolitik, dass die Trasse Ende 2015 in Betrieb gehen muss, wenn das Kernkraftwerk in Grafenrheinfeld vom Netz geht. "Der Zeitplan ist sportlich, aber machbar", sagt dazu Reinhard Stöckel. Die Infoveranstaltung von Tennet wird heute von 14 bis 20 Uhr in Weidhausen im Gasthaus "Braunes Ross" noch einmal angeboten.