Vor nicht all zu langer Zeit drückten Aleksandr Kotov und Tobias Beier noch die Schulbank. Bei der Lehrstellenbörse der Mittelschule Rödental-Oeslau schlossen die Jungs erste Kontakte zu den Unternehmen, sie informierten sich aus erster Hand über die Ausbildungsfelder, absolvierten in der Folge Praktika und unterschrieben schließlich einen Ausbildungsvertrag. Am Dienstagvormittag standen die beiden jungen Männer wieder in der Turnhalle ihrer ehemaligen Schule und informieren jetzt ihrerseits Schüler über ihre Ausbildung zum Werkzeugmechaniker.
Seit neun Jahren gibt es die Lehrstellenbörse in Rödental, mit wachsendem Erfolg. Anfangs, erinnert sich die Initiatorin Gisela Böhnel, waren es fünf Unternehmen, die sich im Rathaus präsentierten. Heute sind es um die 20 Betriebe, die meist aus Rödental kommen, aber auch aus der Umgebung. Außerdem werben weiterführende Schulen beispielsweise die Hauswirtschaftsschule oder die Medauschule um Nachwuchs.
Dies sei nicht immer so gewesen, sagt Böhnel. "Vor neun Jahren hatten Hauptschüler selbst mit guten Noten kaum eine Chance auf einen Ausbildungsplatz." Dies sei die ursprüngliche Intention gewesen, eine Messe speziell für diese Schülerklientel ins Leben zu rufen. Mittlerweile hat sich das Blatt gewandelt, Unternehmen suchen händeringend geeignete Bewerber.
So haben Tobias Beier und Aleksandr Kotov über die kleine Rödentaler Messe den Weg zu ihren Wunschberuf gefunden. Die beiden jungen Männer sind 19 und 17 Jahre alt und wollten nach eigenem Bekunden einen Beruf erlernen, der mit Metall zu tun hat; erste Kontakte lieferten die Börse und Gespräche mit Auszubildenden und dem Ausbildungsleiter. Tobias bewarb sich in der Folge um ein Praktikum, überzeugte und erhielt einen Vertrag.
Wie Rainer Bosecker, Leiter des Personalabteilung der Firma Martin Metallverarbeitung bestätigt, werden die ersten Kontakte bei der Messe geknüpft. Im Moment werden neun Werkzeugmechaniker, zwei Maschinenanlagenführer und eine Fachkraft zur Logistik ausgebildet. Die Voraussetzung sei ein guter "Quali", sagt Bosecker. Aber nicht nur das: Überzeugt der zukünftige Lehrling beim Praktikum, dann steigen die Chancen auf eine Vertragsunterzeichnung: "Noten kann man verändern, entscheidend ist, dass der Wille, technisches Verständnis und Interesse vorhanden sind", erklärt Bosecker.
Der Bürgermeister der Stadt Rödental, Marco Steiner (FW), berichtete von durchweg positiven Rückmeldungen von Seiten der Unternehmen und der Schüler der Mittelschule Rödental-Oeslau.
Mandy Franke, Michelle Schiller und Lamia Yaykogul besuchen die achte Klasse des M-Zweigs und streiften mit Block und Stift ausgerüstet von Stand zu Stand. Lamia möchte zwar nach der Mittleren Reife unbedingt weiter machen bis zum "Abi", findet die Messe aber grundsätzlich sehr gut. "Man bekommt einen Überblick, was es hier so alles gibt."
Organisiert hat die Messe die Sozialarbeiterin der Schule Justine Ernst, die von der tollen Motivation der Schüler schwärmte. "Die Schüler werden im Unterricht vorbereitet, sind begeistert dabei und wollen wirklich was erfahren."
Am Stand der Firma Martin informieren sich überwiegend Jungs über die Ausbildung. "Im ersten Lehrjahr feilen und bohren wir und schneiden Gewinde," erzählte Aleksandr Kotov. Und das Wichtigste: "Es macht Spaß" ergänzte Tobias Beier.