Die Eddings sausen übers Papier. "Schreibt einfach mal auf, was eure größte Angst ist, was eurem Hund zustoßen könnte, so dass ihr ihm helfen müsst", hatte Daniel Lorz gebeten. Es ist der Einstieg in den Kurs "Erste Hilfe am Hund", den das Rote Kreuz erstmals in Coburg anbietet.

Während alle 20 Teilnehmer überlegen und dann Worte wie Vergiftung, Hitzschlag oder Wasserunfall auf die ausgeteilten Blätter schreiben, erklärt Lorz wie es zu dem Kurs gekommen ist. "Wir Hundeführer in der Rettungshundestaffel müssen das ja auch lernen", sagt er. Warum also nicht zumindest die Grundlagen auch einmal in einem Kurs an interessierte Herrchen und Frauchen weitergeben? Den Kurs auszuschreiben war ein Versuch, ein Test, ob es überhaupt Interesse gibt. "Wir waren in kürzester Zeit ausgebucht", sagt Lorz. Wegen der großen Nachfrage wird der Kurs im Herbst wiederholt.

Inzwischen sammelt er die "Angstblätter" ein. Offene Wunden, Wasserunfall oder Stiche von Wespen und Bienen sind als Themen dazu gekommen - und ein besonders brisantes: Wurstköder mit Rasierklingen und Nägeln. Bedauerlicher Weise gibt es dafür einen aktuellen Anlass, wie Fälle aus Bayreuth zeigen.

Elke Kunz beginnt mit der wichtigsten Regel für die Erste Hilfe: "Ruhe bewahren!" Das gilt für die Hilfe bei Menschen und Tieren gleichermaßen. Doch bei Hunden kommt ein neues Problem hinzu. "Hunde die Schmerzen haben, haben auch Angst. Werden sie in die Enge getrieben, können sie aggressiv werden", erklärt die erfahrene Hundetrainerin. Trotzdem muss der Bewegungsradius eingeschränkt werden, wenn der Helfer das Tier untersuchen will. Die Tipps sind einleuchtend. Kommt eine Verletzung aus einer Beißerei mit einem anderen Hund, ist dafür zu sorgen, dass sich die Streithähne nicht mehr sehen. Sonst wird es schwierig mit der Ruhe. Zittert ein Hund, sollte er zugedeckt werden. Hechelt er stark, ist Kühlung angesagt.

Um sich vor Bissen zu schützen, lernen die Teilnehmer, aus einer Binde eine Art Behelfsbeißschutz zu machen. Geübt wird erst am Plüschtier. Dann stellen die Ausbilder ihre Rettungshunde zur Verfügung, die sich die Bandage brav gefallen lassen - ebenso wie das Pulsfühlen (von 80 bis 120 Schläge pro Minute sind je nach Größe des Tieres normal), das später gelehrt wird. Um das zu üben, gibt es einen Dummy mit künstlichem Puls. Nur an ihm kann auch Reanimation geübt werden. Auf keinen Fall an einem gesunden Hund ausprobieren, mahnen die Ausbilder.

Hilfreich für den Fall der Fälle ist Üben. Hunde sollten es gewohnt sein, dass sie an allen möglichen Körperstellen angefasst werden, dass sie sich ins Maul fassen lassen und auch einmal einen Maulkorb tragen müssen. "Die sind in öffentlichen Verkehrsmitteln und in vielen Städten in Urlaubsländern eh Pflicht", sagt Elke Kunz. Aufmerksam lauschen die Teilnehmer immer neuen Themen und üben fleißig, was sie gelernt haben. Sie wollen schließlich gewappnet sein, wenn ihr Hund wirklich einmal Hilfe braucht.
Der Wiederholungskurs findet am 16. Oktober, von 17 bis 21 Uhr, im Rotkreuzhaus in der Sally-Ehrlich-Straße in Coburg statt.