Martin Luther und die Musik machen es möglich. Für einen besonderen Abend gibt sich der Bühnenraum in der Reithalle den Anschein, ein sakraler Raum zu sein. Denn wenn sich Coburg jeden Tag ein Stückchen mehr in Reformations-Jubiläums-Stimmung versetzt, will auch das Landestheater nicht abseits stehen.


Mit einem sorgfältig komponierten Konzertprogramm beweisen Mitglieder des Theaterchors gemeinsam mit ihrem Chordirektor Lorenzo Da Rio (Continuo-Orgel) und dem Cellisten Johannes Keltsch (Barock-Cello), dass sich auch Theatermusiker auf das Feld sakraler Klänge wagen können. Treffsicher ausgewählte Texte von und über Luther (Rezitation: Bernd Frittrang) liefern den Kontrapunkt zu anspruchsvoller Vokalmusik aus der Zeit nach Luther.


Von Schütz bis Distler

Die Sopranistin Luise Hecht, die Mezzosopranistin Stefanie Ernst, die Altistin Tomoka Yasumura, der Tenor Sascha Mai und der Bassist Martin Trepl beweisen in wechselnder Besetzung vom Terzett bis zum Quintett ihr stilistisches Einfühlungsvermögen in die Musik von Heinrich Schütz, Adam Gumpelshaimer und Johann Hermann Schein. Sie bewegen sich dabei zwischen stimmlicher Individualität und klanglicher Homogenität und überzeugen durch textbezogene Gestaltungsakzente - auch bei Hugo Distlers "Aus tiefer Not schrei ich zu dir".


Reichlich Beifall

Das gilt auch für Georg Philipp Telemanns Choralmotette "Ein feste Burg ist unser Gott", die sich als Beitrag zum Telemann-Jubiläum (250. Todestag) verstehen lässt. Den fraglos anspruchsvollsten Teil des Abends bildet Johann Sebastian Bachs umfangreiche Motette "Jesu, meine Freude", die mit ihrem Wechsel zwischen homophonen und polyphonen Abschnitten klanglich ausgewogen gelingt. Ein bisschen Inszenierung darf freilich auch noch dabei sein, wenn sich ein Theaterraum zeitweilig in einen sakralen Raum verwandelt.


Dafür sorgt der überdimensionale Playmobil-Luther, der in diesem Jahr in Coburg noch ausgiebig Karriere machen dürfte. Am Ende gibt es verdientermaßen reichlich Beifall für alle Beteiligten dieses Reformationskonzertes.