Die Aufregung war groß vor zwei Jahren in Coburg: Lebensmittelkontrolleure hatten festgestellt, dass bei der Coburger Bratwurst - über Kiefernzapfen auf offenem Feuer zubereitet - die zulässigen Grenzwerte einiger Giftstoffe überschritten werden. Konkret ging es um polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe (PAK) und Benzo(a)pyren (BaP), die beide als extrem krebserregend und erbgutschädigend gelten.
Eine Zeit lang musste die Coburger Bratwurst daraufhin auf Holzkohle gebraten werden - für Liebhaber der Coburger Spezialität ein Unding! Doch dann stellte sich heraus, dass lediglich eine Ausnahmegenehmigung bei der Europäischen Union (EU) gestellt werden muss, mit der die Coburger Bratwurst - inklusive ihrer ganz besonderen Zubereitung - als "traditionelles Essen" gilt und deshalb sozusagen unter besonderem Schutz zu stehen hat.


Solidarität mit Metzgern

Ein solcher Antrag auf eine Ausnahmegenehmigung ist aber noch gar nicht gestellt, wie jetzt die oberfränkische Europaabgeordnete Monika Hohlmeier (CSU) in Erfahrung gebracht hat. Hohlmeier hatte sich jetzt mit Bundesernährungsminister Christian Schmidt (CSU) und EU-Kommissar Vytenis Andriukaitis zu Gesprächen über die Bratwurst in Brüssel getroffen. Anschließend erklärte sie in einer Pressemitteilung: "Die Europäische Kommission stellt sich auf die Seite der Coburger Metzger. Anlässlich der Sitzung der Landwirtschaftsminister aller Mitgliedstaaten in Brüssel fand ein besonderes Treffen zwischen dem EU-Kommissar Vytenis Andriukaitis, Bundesminister Christian Schmidt und mir statt. Inhalt des Gesprächs: Wie rettet man ein Traditionsgut wie die über Kiefernzapfen am offenen Feuer gebratene Coburger Bratwurst? Wie kann man die Verunsicherung bei den Coburger Metzgern, Bratern und Verbrauchern beenden?"
Hohlmeier schreibt auch gleich die Antwort dazu: "Das ist gar nicht so schwierig. Bereits in 19 anderen Mitgliedstaaten gibt es Fleisch-, Wurst- und Fischwaren, die Ausnahmegenehmigungen von der Grenzwertverordnung der EU erhalten haben, weil sie als traditionelles Essgut gelten." Bisher hätten die nationalen Behörden Zweifel, ob auch gebratenes beziehungsweise wärmebehandeltes Fleisch eine Ausnahmegenehmigung als regional begrenztes Traditionsgut erhalten kann. EU-Kommissar Andriukaitis habe auf Nachfrage dem Bundesernährungsministerium und der bayerischen Staatsregierung bereits 2014 mitgeteilt, dass ein Antrag auf eine Ausnahmeregelung für regional begrenzte Traditionsprodukte jederzeit bei der Kommission gestellt werden könne. Und, so Hohlmeier in ihrer Presseerklärung: "Er wäre gerne bereit, einem solchen Antrag zuzustimmen, wenn die entsprechenden Voraussetzungen vorlägen." Es sei jedoch noch kein Antrag eingereicht worden.


Schreiben an Umweltministerin

Der Coburger Landtagsabgeordnete Jürgen Heike (CSU) und Monika Hohlmeier, die seit nunmehr zwei Jahren mit dem Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft sowie mit der bayerischen Staatsregierung im Gespräch sind, um eine entsprechende Anfrage zu stellen, beabsichtigen nun in einem gemeinsamen Schreiben die bayerische Staatsministerin für Umwelt Ulrike Scharf (CSU) zu bitten, weitere Schritte bezüglich einer Ausnahmegenehmigung einzuleiten.
Die beiden Abgeordneten stellen jedoch auch fest, dass eine entsprechende Ausnahmegenehmigung für ein regionales Traditionsgut keine Generalgenehmigung für schlechtes Lagern und Braten sein könne. Nach wie vor müssten die mit den Coburger Metzgern vereinbarten, möglichst schonenden Grilltechniken angewandt werden, um die PAK- und BaP-Belastung so weit als möglich zu verringern.