Staatsminister Helmut Brunner hatte wohl nicht erwartet, dass er durch die Hölle gehen muss, um herauszufinden, welche Bedeutung Schwarzspechte für den Wald haben. Doch das Waldstück, in das ihn Volker Zahner führte, heißt nun einmal so. Zahner, promovierter Zoologe und Tierökologe, ist Dekan der Hochschule Weihenstephan-Triesdorf. Im rund 530 Hektar großen Stadtwald von Bad Rodach führte er ein umfangreiches Forschungsprojekt zum Schwarzspecht und seiner Bedeutung durch.

Im Waldstück Hölle fanden Zahner und seine Mitarbeiter geradezu ideale Arbeitsbedingungen. Hier gibt es riesige Buchen, in die der Schwarzspecht gern einzieht. Hoch am glatten Stamm, an dem der Baummarder schwer hinauf kommt, baut er seine Höhle. Er findet zielsicher eine Stelle hinter der die Fäule, die ihm die Arbeit erleichtert, nah unter der Oberfläche liegt. Wenn die bis zu 50 Zentimeter tiefe Wohnung fertig ist, profitiert nicht nur der Bauherr. Mehrere andere Arten wie Hohltaube, Raufußkauz, Meisen und Fledermäuse nutzen die Höhle oft gemeinsam mit dem Specht. "Man könnte schon fast von sozialem Wohnungsbau sprechen", sagte Helmut Brunner.

Wie es zugeht, in der Spechthöhle, offenbarten Kamerafallen, die über Monate im Stadtwald an den Spechtbäumen montiert waren. Im Laufe des "Höhlenlebens" wechselt die Artengemeinschaft. Die Bedeutung aber bleibt, wie Volker Zahner feststellte. Er ist überzeugt: "Erhält man diese Höhlenzentren im Wald, sind dies langfristige Trittsteine der biologischen Vielfalt.

Naturschutz gehört immer dazu

Das Jahr 2015 wurde von Helmut Brunner zum Jahr des Waldnaturschutzes erklärt. Naturschutz spielt aber nicht erst seit diesem Jahr eine große Rolle in der Arbeit der Förster des Amtes für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten (AELF). Norbert Wimmer (Natura 2000 Beauftragter des AELF) und Anke Schäfer als betreuende Försterin betonen, dass sie bei den Waldbesitzern mit Anliegen wie dem Schutz solcher Höhlenbäume meist offene Türen einrennen. Dass es diesen dabei nicht um das Geld aus dem Förderprogramm geht, zeigen Zahlen. Wer zustimmt, einen Höhlenbaum zwölf Jahre nicht anzurühren, erhält eine Zahlung von 95 Euro - einmalig für den gesamten Zeitraum.

Wenn es darum geht, geeignete Bäume auszusuchen, die sich für ein Programm des vertraglichen Naturschutzes eignen, arbeiten die Forstbeamten mit den Waldbesitzern zusammen. Im Falle des Stadtwaldes von Bad Rodach ist Manfred Herter, der Geschäftsführer der Waldbauernvereinigung, Betriebsleiter und -ausführender. Er sorgt dafür, dass der Wald der Stadt nachhaltig bewirtschaftet und in einem guten Zustand gehalten wird.
"Eine intakte Natur hat eine hohe Bedeutung für uns als Badstadt", sagte Bad Rodachs Zweite Bürgermeisterin Christina Butterer (BV/UWR) mit Blick auf die Gäste ihrer Stadt.Auch die Bad Rodacher selbst seien eng mit ihrem Wald verbunden, der übrigens der größte Kommunalwald Nordbayerns ist.

Dass die Stadt gut mit ihrem Wald umgeht, wurde ihr schon 2005 bescheinigt. Da nämlich erhielt Bad Rodach den Staatspreis für vorbildliche Waldbewirtschaftung. Das gilt natürlich nicht nur für das Waldgebiet, in dem jetzt der Schwarzspecht so gründlich erforscht wurde. Durch die Hölle führt aber eben der Weg hinauf zum Aussichtsturm auf dem "Georgenberg". Der Wald soll daher nicht nur dem Schwarzspecht gefallen.

Auf die Bäume kommt es an

Wanderer und Spaziergänger werden sich keine großen Gedanken darüber machen, dass Großhöhlenbäume der begrenzende Faktor für die seltenen Arten Raufußkauz und andere Nutzer sind. Und doch ist das so, wie die Forschungsergebnisse von Volker Zahner deutlich machten. Nur, wenn diese Bäume erhalten bleiben, kann erreicht werden, dass sich die Lebensbedingungen dieser Tiere nicht verschlechtern.

Waldnaturschutz geht allerdings weit über diese spektakulären Vertreter hinaus, die Höhlenbäume tatsächlich darstellen. Das Fazit der Forstbeamten und des Zoologen ist jedoch klar. Großhöhlenbäume sind wegen ihrer attraktiven Nutzer sowie der leichten Erkennbarkeit ein sehr guter Einstieg, um den Gedanken des Waldnaturschutzes zu verbreiten. Langfristig ergeben sich aus dem Erhalt auch andere wichtige und sehr seltene Strukturen wie Mulmhöhlen oder starkes stehendes Totholz.