Der 21. Juni im Jahr 1937 war ein Montag. An diesem Montag wurde Walter Knauer in Thann im Sternzeichen des Zwilling geboren. Seine Eltern waren Landwirte. Und so war eigentlich sein beruflicher Werdegang schon mit in die Wiege gelegt.

Nach dem Abitur am Ernestinum in Coburg übernahm er den elterlichen Hof und bewirtschaftete ihn bis zum Jahr 1978. Es folgten Jahre als Geschäftsführer der Arbeiterwohlfahrt und nach einer Qualifikation die Heimleitung des neuen Alten- und Pflegeheims der Awo in Neustadt. Ab der Legislaturperiode 1986 saß Knauer für die Sozialdemokratische Partei zwölf Jahr im Bayerischen Landtag.

"Eigentlich war ich schon von frühester Jugend an ein politischer Mensch", erklärt Walter Knauer im Gespräch. Schon als Gymnasiast im Ernestinum engagierte er sich "gegen rechts". Er war entsetzt, wenn zum Pfingstfest wieder der Coburger Convent die Stadt belagerte.
Walter Knauer fand schon bald seine Heimat in der Sozialdemokratie, der er bis heute treu geblieben ist, auch wenn er hier oft seinen Mund aufmachte, wenn er der Meinung war, dass innerhalb der Partei am Menschen vorbei gearbeitet wurde, und das einigen Genossen nicht genießbar erschien.
Für sein Engagement wurde Walter Knauer mit zahlreichen Auszeichnungen bedacht. So ist er unter anderem Träger des Bayerischen Verdienstordens und des Kommunalen Verdienst ordens. Er erhielt die Willy-Brandt-Medaille und die Hans-Weinberger-Urkunde.

Walter Knauer ist ein leidenschaftlicher Klavierspieler, der bereits mit fünf Jahren Klavierunterricht bekam. Heute noch spielt er jeden Tag auf seinem Flügel im Musikzimmer. Da erklingt durchs offene Fenster dem Besucher schon der Beat les-Titel "Let it be" entgegen oder Klassiker von Mozart bis Beethoven. Einer seiner Lieblingstitel, der auch ein bisschen sein eigenes Leben widerspiegelt ist Frank Sinatras "I dit it my way".
Und noch etwas ist sehr bezeichnend für Walter Knauer. Er ist Sternzeichen Zwilling, und liest man über die Eigenschaften des Zwilling, hat man, wenn man ihn kennt, sofort Walter Knauer vor Augen. So steht unter anderem, er ist andauernd unterwegs, von einem Ort zum andern, von einem Menschen zum andern, von einer Tätigkeit zur andern. Ruhelos, nervös, begnügt er sich nicht damit, jeweils einen Tag zu erleben, sondern sucht eine Woche oder einen Monat in einen Tag zu pressen und auf verschiedenen Ebenen zugleich zu leben. Er erträgt keinen Stundenplan.

Man darf von ihm nicht verlangen, die Mahlzeiten einzuhalten oder zu einer festgesetzten Stunde zu schlafen oder wach zu sein. Er mag kein Gefangener der Uhr sein. Er ist außergewöhnlich intelligent und hat ein gutes Mundwerk. Und wie gern redet er. Er jongliert mit mehreren Themen und lässt sie alle gleichzeitig in der Luft schweben. Man versuche ja nicht, ihn im Wortkampf zu besiegen. Er ist höchst beredsam, und Wörter sind für ihn Waffen, die er wirkungsvoll anzuwenden weiß. Als ehrenamtlicher Funktionär der Arbeiterwohlfahrt wirkte Walter Knauer 1989 und 1990 maßgeblich beim Wiederaufbau der Arbeiterwohlfahrt in Thüringen mit und gründete gemeinsam mit Renate Greiner und Edmund Fröhlich am 18. Februar 1990 in Sonneberg die Awo, die es in der DDR nicht gab, wurde sie doch 57 Jahre zuvor durch die Nationalsozialisten verboten.
Heute lebt der Streitbare zurückgezogen auf seinem elterlichen Grund im Ortsteil Thann. Aber der Geist ist noch hellwach und die Augen beginnen zu blitzen, wenn man ihn auf die Politik draußen in der Region, im Land anspricht. Und schon ist der Kritiker in ihm geweckt, der es bedauert, dass er sich nicht mehr aktiv in die Diskussionen einmischen kann.

Bitte nicht gratulieren


Am morgigen Donnerstag wird Walter Knauer 75 Jahre alt. Da ihn schon seit einiger Zeit eine schwere Krankheit plagt und er viel Ruhe braucht, möchten Walter und Ehefrau Eva Knauer darum bitten, dass auf persönliche Gratulationen verzichtet wird. "Wenn die Ärzte mir helfen können, werden wir vielleicht die Geburtstagsfete nachholen", schmunzelt Walter Knauer verschmitzt.