Vanessa Kümmerer und Janine Kensche haben Lampenfieber. Und das dürfen sie auch haben: Schließlich laufen sie nicht alle Tage als Models über den "Catwalk". Normalerweise entwerfen die 21 und 22 Jahre alten Studentinnen lieber Mode, anstatt sie vorzuführen. Am Donnerstag war das anders, da schritten die jungen Frauen über den Laufsteg, vor den Augen vieler Zuschauer. "Wir sind aufgeregt, vor allem, seitdem wir erfahren haben, wie lange der Laufsteg ist." Dieser schlängelt sich tatsächlich 52 Meter quer durch die ehemalige Pakethalle am stillgelegten Güterbahnhof. Da heißt es freilich, vorsichtig und konzentriert gehen, um nicht zu stolpern, und das will gekonnt sein. "Wir haben vorher das Gehen geübt", lacht Janine, die noch schnell in die Maske muss. Die Haare sind bereits kunstvoll toupiert, aufgetürmt und gestylt.

Dunkle Stellwände trennen einen Bereich vor neugierigen Blicken im hinteren Teil der Halle ab. Dort bereiten sich etwa elf Studentinnen auf den Auftritt vor. Die Modeschau feiert bei den Designtagen Premiere, erstmal werden Kollektionen der aktuellen Studierenden und Absolventen des Studiengangs Textil-Design vorgeführt. Martina Ziegenthaler, Professorin Textildesign, nimmt einige Teile vom Kleiderständer. Der Stoffpulli, erklärt sie, sehe zwar aus, als ob die Teile gekauft und zusammengenäht seien, die Herstellung sei aber viel aufwendiger. "Alle Teile sind handgestrickt, gefärbt und bedruckt." Die Mode ist ungewöhnlich, mit schönen Details, zum Beispiel ist ein durchsichtiges, helles Kleidchen ist fein bestickt und ändert bei Lichteinfall die Farbe von Cremefarben zu Blauschimmernd. Maximilian Sendner studiert Textil-Design im vierten Semester und stellt sein Label "9t3" am Donnerstag vor. Seine junge Sportlinie ist zu 100 Prozent Natur, recyclebar und sieht gut aus - sicher nicht nur an den hübschen Models. Wenn Maximilian nicht gerade Kleidung entwirft, verbringt er die Zeit im Salon "Hairlife Ola" und hilft seiner Freundin und Inhaberin Alexandra Bednarek die Kunden zu stylen.

Am Donnerstag frisieren Maximilian und Alexandra professionell die Models, stecken die Haare kunstvoll hoch, glätten, locken, flechten oder kreppen das Haar und schminken die Mädels. Während die jungen Frauen die passenden Schuhe und Accessoires aussuchen, ruft Max: "Meine Modells gehen barfuß." Klar, dies passt auch perfekt zur der sportlichen Linie. Die Mädchen, die sich hinter den Kulissen für die Präsentation vorbereiten, kommen aus allen Fakultäten der Hochschule. Pünktlich um 14 Uhr geht es los, vor dem Laufsteg haben die Besucher Platz genommen, freilich auf Designerstühlen, die mit gemusterten Stoffen bezogen, aus stabilen Pappkarton gefaltet und aus bunten Kunststoff zusammengesteckt sind. Einige Besucher haben die Kamera griffbereit, um die Mädchen abzulichten. Noch ein paar An-und Einweisungen und die Mädels schreiten souverän und unter dem Applaus der Zuschauer über den meterlangen Steg.

Perfekter Rahmen

Die Halle mit den Backsteinwänden und Fachwerkbalken an den Decken bietet den perfekten Rahmen und Kontrast für den modischen Auftritt. Die Zuschauer sind begeistert, zu sehen gibt es ein breites Sortiment an superschöner Kleidung von sportlich bis extravagant, von edlem schwarzen Abendkleid bis hin zum Strandoutfit, von kurzen Hosen oder langen Strickkleidern bis hin zu Maximilians trendigen Sportklamotten. "Die Kleidung ist individuell und trotzdem tragbar", sagt eine junge Zuschauerin. Dies beweist zum Beispiel Janine Kensche, die nun über den Laufsteg schreitet, zunächst in eng anliegender, blauer Hose mit gestreifter Bluse und hohen Sandaletten, später trägt sie ein dünnes Kleidchen und geht barfuß.

Reibungslos und stolperfrei

Wie auf den großen Bühnen dieser Welt passen die Accessoires und Kopfbedeckungen perfekt zum Auftritt der Akteure. Viel Applaus gibt es am Ende für die Designer ebenso wie für die Models. Die sind am Ende erleichtert, dass alles reibungslos und stolperfrei über die Bühne gegangen ist. "Es ein bisschen stressig war der lange Steg, aber es hat Spaß gemacht", sagt Janine.