Der ICE soll 2017 in Coburg halten und zwar nicht nur morgens und abends. Deshalb haben die Industrie- und Handelskammer (IHK) zu Coburg gemeinsam mit Stadt und Landkreis Coburg sowie weiteren Kommunen und Gremien aus ganz Oberfranken und Südthüringen eine Potenzialanalyse in Auftrag gegeben, die errechnen soll, wie viele Fahrgäste einen ICE-Systemhalt (alle zwei Stunden) in Coburg nutzen würden. IHK-Präsident Friedrich Herdan stellte das vorläufige Ergebnis der Analyse am Donnerstag vor. Der CSU-Bundestagsabgeordnete für Coburg und Kronach, Hans Michelbach, sprach indes - auch angesichts der neuen Zahlen - Klartext und sagte dem "Lobbyismus der Bahn" ganz entschieden den Kampf an.

Für Coburg seien bisher im Verkehrsprojekt Deutsche Einheit (VDE 8) auf der Neubaustrecke Ebensfeld-Erfurt nur zwei ICE-Paare in den Tagesrandlagen geplant. Das heißt, jeweils zwei Züge in beiden Richtungen halten morgens und abends am Bahnhof, erläuterte Herdan. Durch den gleichzeitigen Wegfall des ICE-Haltes in Lichtenfels würden die Regionen Westoberfranken und Südthüringen mit insgesamt mehr als 650.000 Einwohnern deutlich schlechter gestellt als heute.

Zu kurz gegriffen

Die Bahn sei bisher immer von 60 "Einsteigern" pro ICE-Halt in Coburg ausgegangen, sprich, bei vier Zügen würden täglich maximal 240 Fahrgäste in Coburg zusteigen. Das ist den hiesigen Beteiligten aber viel zu kurz gegriffen, denn Fahrgäste, die - auf welchem Weg auch immer - von weiter her nach Coburg kommen, um hier in den ICE zu steigen, seien nicht ausreichend berücksichtigt worden.

In der Potenzialanalyse (gut 11.000 der knapp 83.000 Euro Kosten hat Herdan aus eigener Tasche gezahlt) wurden nun vier Planfälle untersucht. Dem Wunschmodell der Bahn, die Tagesrandlage mit vier Zügen, ist der Systemhalt im Zwei-Stunden-Takt gegenüber gestellt. Und der führe zu einer starken Zunahme der in Coburg ein- und umsteigenden ICE-Fahrgäste, wie Herdan erläuterte. In Zahlen ausgedrückt spreche man von bis zu 1210 Fahrgästen, wenn zwischen Eisfeld und Coburg ein Schnellbus eingesetzt werde, beziehungsweise von bis zu 1240 Fahrgästen bei einem wie auch immer gearteten permanenten Lückenschluss.

Auch wenn diese Zahlen "nur" vorläufig seien (das Endergebnis der Analyse soll kommende Woche vorliegen), so entwickelten sie sich doch im Sinne Coburgs, so Herdan. Gleichzeitig betonte der IHK-Präsident, dass ihm in keiner Weise an einer Konfrontation mit der Bahn gelegen sei. Er setze auf konstruktive Gespräche, deren Grundlage aber in jedem Fall der zweistündliche Systemhalt sein müsse. Dazu brauche es unbedingt die starke Unterstützung der Politik, denn "die Politik hat Wege und Mittel, mit Argumenten zur Bahn durchzudringen".

Michelbach jedenfalls steht fest auf Seiten der Coburger und der ganzen Region - und er richtete am Donnerstag sehr deutliche Worte an die Adresse der Bahn. Ihm gehe es um das grundsätzliche Verhältnis zwischen Politik und Bahn, betonte Michelbach. "Eigentlich wäre es doch Aufgabe der Bahn selbst gewesen, das eigene Geschäftspotenzial eingehend und unabhängig beleuchten zu lassen." Schließlich sei die Bahn zu 100 Prozent Eigentum der Bundesrepublik, erinnerte Michelbach. Und das Geld, mit dem die Bahn arbeite, stamme wiederum ausschließlich aus dem "Säckel der Steuerzahler".

Jetzt Konsequenzen ziehen

Zur Erinnerung: Runde 9,7 Milliarden Euro kostet das gesamte Projekt. Die ICE-Neubaustrecke Nürnberg-Coburg-Erfurt ist dabei mit mehr als 5,6 Milliarden veranschlagt, die Einschleifung nach Coburg mit über 30 Millionen Euro. "Doch die Politik wird seit mehreren Jahren in dieser Sache vorgeführt. Das Management der Bahn hat bisher aus Sicht unserer Region in unverantwortlicher Weise auf stur gestellt." Es sei an der Zeit, Konsequenzen zu ziehen, kündigte Michelbach an.

Oberbürgermeister Norbert Tessmer (SPD) begrüßte die Initiative von Hans Michelbach und der IHK. Auch er selbst habe in Sachen ICE-Halt schon unzählige Briefe geschrieben. "Die Antworten waren nicht berauschend." Weil auch Michelbach ähnliche Erfahrungen gemacht hat ("Ich will keine Textbausteine mehr als Antwort lesen!"), wird er nun gemeinsam mit Friedrich Herdan, OB Tessmer und dem Coburger Landrat am 30. Januar persönlich mit Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt sprechen. Bei dieser Gelegenheit wollen die Beteiligten Dobrindt auch eine Resolution übergeben, in der sie offiziell ihre Position darlegen.