Peter Altmaier ist nicht Karl-Theodor zu Guttenberg, und Norbert Tessmer ist nicht Martin Luther - und doch haben diese vier Personen etwas gemeinsam: Sie spielten am Donnerstagabend Hauptrollen im großen Finale des Bundestagswahlkampfs im Wahlkreis Coburg.

Hauptschauplatz war das Schützenhaus Creidlitz. Viele prominente Politiker sind hier schon von der CSU Coburg-Süd begrüßt worden. Im Dezember 2010 etwa Karl-Theodor zu Guttenberg, der damals der Star im Kabinett Merkel war. Was die Beliebtheitswerte betrifft, hat inzwischen Peter Altmaier diese Rolle inne. Entsprechend stolz war gestern auch der CSU-Bundestagsabgeordnete Hans Michelbach, dass Altmaier das besagte Wahlkampf-Finale ausgerechnet in Coburg absolvierte.

Unfall in der Disco

"Das ist der letzte meiner 130 bundesweiten Wahlkampfauftritte", verriet Altmaier gleich zu Beginn seiner Rede. Von Wahlkampfmüdigkeit war bei ihm aber trotzdem nichts zu spüren - mal abgesehen von der heiseren Stimme ("Ja, ich pfeife heute aus dem letzten Loch") und einer Muskelzerrung ("Das ist am Wochenende in einer Disco passiert - beim Versuch, Jungwähler zu überzeugen!").

Im Schützenhaus Creidlitz muss Altmaier eigentlich niemanden mehr überzeugen. Die Union ist unter sich - wenn man mal von Jens-Uwe Peter (FDP) absieht, der sich tapfer mit einem Plakat "Zweitstimme: FDP" am Eingang postiert hat. Aber Altmaier scheint hungrig wie am allerersten Tag des Wahlkampfs: Kämpferisch reißt er die Zuhörer sofort mit und hat auch immer wieder Kalauer auf Lager. "Sie sind Bayern, ich komme aus dem Saarland - wir großen Bundesländer müssen zusammenhalten!"

Operation am offenen Herzen

Thematisch geht's vor allem um die Energiewende. "Das ist eine Operation am offenen Herzen unserer Volkswirtschaft", sagt er, versprüht aber Zuversicht, dass er das hinbekommen werde. Das sieht auch Michelbach so: "Wenn einer die Herkulesaufgabe Energiewende schafft, dann Peter Altmaier!" Michelbach betont ansonsten noch auf die Wichtigkeit der "historischen Richtungswahl am Sonntag". Während die CSU für Verlässlichkeit und Stärkung der Wirtschaft stehe, würde die SPD "nach Links schielen und die Probleme des Landes aus den Augen verlieren".

Ein Käse-Korb vom BBV

Apropos: Damit Peter Altmaier nicht aus den Augen verliert, was er Coburger Landwirten bei einer Besprechung zum "Grünen Band" versprochen hat, nutzte BBV-Kreisobmann Gerhard Ehrlich gestern die Gelegenheit zu einer Erinnerung - in Form eines Diestelstraußes und einem Korb, gefüllt mit Coburger Käse. Schließlich ist bekannt, dass Altmaier gerne isst - doch dazu später noch mehr.

Zunächst muss kurz ein Wahlkampf-Nebenschauplatz von gestern Abend beleuchtet werden. Vor der CSU-Geschäftsstelle in der Hindenburgstraße hatten mehrere Jusos, die sich "Junges Team Tessmer" (JTT) nennen, eine ungewöhnliche Aktion geplant. Und da kommt dann auch endlich Martin Luther ins Spiel: Denn so, wie der Reformator einst 95 Thesen an einer Kirchentür anschlug, so verkündete JTT den "Thesenanschlag von Coburg".

Briefkasten statt Anschlag

In den Thesen geht es um bessere Bildungsmöglichkeiten oder das Verhindern von Altersarmut. Nummer zehn lautet: "Für Wirtschaftslobbyisten ist in meiner Welt kein Platz!" Es blieb aber beim symbolischen "Anschlag": Die Thesen wurden in den Briefkasten gesteckt.

Und damit zurück nach Creidlitz: Altmaier lobte artig zurück ("Ich bewundere Hans Michelbach: Er erdet die Politik in Berlin!"), wollte sich zu einem Kompliment von Michelbach ("Peter Altmaier ist nicht nur ein guter Politiker, sondern auch ein unwahrscheinlich guter Koch") allerdings nicht äußern. Stattdessen stellte er augenzwinkernd fest: "Also auf jeden Fall bin ich ein vorzüglicher Esser!" Und das durfte Altmaier nach dem überstandenen Wahlkampf-Marathon dann auch beweisen. Von Hans Michelbach wurde er in einem Coburger Restaurant noch zu einem Abendessen eingeladen.