Jens Beland, dem Kreishandwerksmeister, dauerte der Aufenthalt am Spieletruck entschieden zu lang: "Wenn wir schon 95 Prozent Aussteller aus der Region haben, warum halten wir uns dann bei den fünf Prozent auf?" Folgsam begab sich der Tross der Eröffnungsgäste zum anderen Ende der über 120 Meter langen Halle, wo die Milchwerke Wiesenfeld, der Bauernverband und die Waldbauernvereinigung Coburger Land zu finden sind.

Der Bauernverband ist seit über 60 Jahren ideeller Träger der Messe, die damals noch "Oberfrankenausstellung" hieß. Der Name ist nun genauso Vergangenheit wie das Konzept mit mehreren Messehallen und neun Tagen Dauer. Die Messe Coburg erstreckt sich über vier Tage, und in die eine große Zelthalle am Anger passen alle Aussteller hinein. Gerhard Ehrlicher, Kreisvorsitzender des Bauernverbands, findet das neue Konzept "geglückt". Die kürzere Dauer mache es Ausstellern leichter, Personal abzustellen, meint er. Die Besucherzahlen an nur vier Tagen statt an neun müsse man freilich abwarten. "Wenn es gut läuft, kann ich mir vorstellen, dass nächstes Mal auch wieder mehr Handwerker aus der Region dabei sind", sagt er. Die seien ja da, beteuert Jens Beland. "Aber Coburger Bratwürste müsste es geben!" "Dann müssen auch die Coburger Metzger mitmachen", antwortet Ehrlicher.

Derweil drängt sich das Promi-Publikum um den Stand des Bauernverbands, wo dessen Geschäftsführer Hans Rebelein zum Wettmelken auffordert - selbstverständlich am Plastikeuter und mit Wasser. Doch nur CSU-Stadtrat Jürgen Oehm wagt sich an die Zitzen.

Die Eröffnungsfeier selbst ging schnell vorüber: Das Ehepaar Peter und Birgit Kinold, die Messeveranstalter, begrüßte; Oberbürgermeister Norbert Tessmer (SPD) hielt eine wirklich kurze Rede und lobte Messe und Standort: Am Anger, nahe der Innenstadt, sei so eine Ausstellung bestens verortet. Coburg selbst könne mit seinen Wirtschaftszahlen glänzen: Ein unternehmerisches Wachstum von 55 Prozent in den Jahren 2004 bis 2014, ein Bruttoinlandsprodukt von fast 78 000 Euro pro Einwohner - "ein Spitzenplatz noch vor München".


Leistungsschau und Nachwuchswerbung

Putzmittel, Wellness-Sessel, Wein, Wurst, Käse: Das klassische Messeangebot ist selbstverständlich zu finden. Aber es gibt auch Aussteller, die nichts zu verkaufen haben, sondern nur auf ihre Angebote aufmerksam machen: Seniorenresidenzen, Parteien, der Ballonsportclub Hildburghausen. "Es ist mehr eine Leistungsschau", kommentierte Andreas Engel, IHK-Präsidiumsmitglied, beim Eröffnungsrundgang.

Doch es geht manchen Ausstellern weniger um Kunden- denn um Nachwuchswerbung. Die Regiomed-Kliniken zum Beispiel wollen sich in erster Linie als Ausbildungsunternehmen zwischen Obermain und Thüringer Wald präsentieren, sagt die Coburger Krankenhaus-Direktorin Astrid Wagner. Schließlich bilde der Regiomed-Konzern nicht nur im Bereich Medizin und Pflege aus, sondern auch in kaufmännischen und in IT-Berufen. Dem Regiomed-Konzern gehören die kommunalen Krankenhäuser der Landkreise Coburg, Lichtenfels, Hildburghausen und Sonneberg an; die Standorte erstrecken sich von Schleusingen und Neuhaus am Rennweg bis Lichtenfels.

"Sehr umtriebig und gut besucht" sei die Messe, findet Astrid Wagner, kaum, dass die offizielle Eröffnung vorbei ist. "Mehr als vier Tage muss man nicht haben." Das sieht auch Birgit Schwabe so, die Marketing-Leiterin von Regiomed. Der Klinikverbund war auch bei der Oberfrankenausstellung 2013 vertreten, die damals noch neun Tage dauerte. "Da haben wir alle Fachabteilungen vorgestellt, das hat uns logistisch an unsere Grenzen gebracht", sagt Schwabe.

Die Mitarbeiter am Stand informieren über Herzdruckmassage, messen den Blutzucker und zeigen, wie man eine Spritze aufzieht. Christina Mees versucht es. Die Albertinums-Schülerin hat in der Jazz Combo des Albertinums zur Eröffnung aufgespielt, nun nutzt sie die Gelegenheit für einen kleinen Messebummel. Sie hat ihre Seminar-Arbeit über Regiomed geschrieben, engagiert sich im Roten Kreuz und würde gern Medizin studieren, sagt sie. Natürlich weiß sie bereits, dass Regiomed seit diesem Jahr selbst ein Medizinstudium anbietet, im Verbund mit der Universität Split (Kroatien).


Bühne für den ersten öffentlichen Auftritt als Unternehmen

Christian Gudde hat in diesem Jahr den Schritt in die Selbstständigkeit gewagt. Der junge Schreiner und Großhandelskaufmann handelt mit Schrauben, Beschlägen und anderen Artikeln fürs Handwerk. Dass er an der 78. Oberfrankenausstellung (nun "Messe Coburg") teilnehmen würde, sei für ihn schon im Frühjahr klar gewesen, sagt er. Da befand sich sein Versandhandelsunternehmen gerade in der Gründung. "Wir sehen hier Potenzial für uns, in der Region bekannter zu werden."

Seit Mitte September ist der Online-Shop am Start, wo man auch einzelne Schrauben oder Beschläge bestellen kann, wie Gudde versichert. Dass er sich in einem umkämpften Markt bewegt, ficht ihn nicht an. Er setzt auf die Beratungskompetenz, die er und seine Mitarbeiter den Kunden bieten können, und die leichte Erreichbarkeit per Telefon. Ab Mitte Dezember soll es überdies einen Laden in Lautertal geben. Warum nicht in Coburg? "Zu teuer", sagt Gudde knapp.

Vier Tage Messedauer findet er okay, "fünf oder sechs Tage hätten wir auch mitgemacht, aber neun sind nicht mehr zeitgemäß". Dass es nur eine große Halle gibt, sei kundenfreundlicher. Viele würden zwei- oder dreimal durchlaufen, hat Gudde beobachtet: Einmal für den Überblick, das zweite und dritte Mal für gezielte Besuche.