Die Befürworter eines neuen Verkehrslandeplatzes sehen sich bestätigt: Ohne ordentliche Infrastruktur wird die Wirtschaft im Coburger Raum auf Dauer nicht konkurrenzfähig bleiben können. Bei der Eröffnung des neuen Brose-Verwaltungsgebäudes in Bamberg hatte Geschäftsführer Jürgen Otto auf die seiner Meinung nach sehr unbefriedigende Situation in der Vestestadt hingewiesen. Zum einen würde Coburg keinen ICE-Systemhalt bekommen, zum anderen sei nach wie vor unklar, ob bei Neida ein neuer Verkehrslandeplatzes gebaut werden kann oder nicht.

Mögliche Konsequenz für Brose, laut Jürgen Otto: eine weitere Verlagerung von Arbeitsplätzen von Coburg nach Bamberg. Denn in der Domstadt habe man nicht nur deutlich bessere Verkehrsanbindungen, sondern auch noch reichlich Expansionsflächen.


"Schuld der Planer"

Dagmar Escher, die seit Jahren gegen einen neuen Verkehrslandeplatz kämpft, kann die Aufregung nicht verstehen. "Die strategische Entscheidung, dass sich die Firma Brose mehr nach Bamberg ausrichten wird, ist doch längst getroffen und hat nichts mit einem neuen Flugplatz zu tun." Außerdem ist Dagmar Escher der Meinung, dass sich die Flugplatz-Befürworter mal "an die eigene Nase" fassen sollten. Denn: "Wenn es mit dem Verkehrslandeplatz bei Neida nicht klappt, sind nicht wir Gegner daran schuld, sondern die schlechten Planer." Sie spielt damit darauf an, dass selbst die Deutsche Flugsicherung die topographische Lage des Geländes bemängelt hat. Konkret: die Erhebungen des benachbarten Callenberger Forst würden sich zu nahe an der Start- und Landebahn befinden. "Und ich habe den Callenberg nicht erschaffen", so Escher.

Friedrich Herdan, Präsident der Industrie- und Handelskammer zu Coburg (IHK), stellt grundsätzlich fest, dass er "unternehmerische Standortentscheidungen" nicht kommentieren wolle. Denn diese würden "allein den Gesetzmäßigkeiten im Bereich der unternehmerischen Freiheiten" unterliegen.


"Das wäre sehr tragisch"

Mit Blick auf die Äußerungen von Jürgen Otto sagt der IHK-Präsident auf Tageblatt-Anfrage allerdings auch: "Für die Stadt Coburg wären Entscheidungen, wie sie im Tageblatt-Artikel von Freitag dargestellt werden, als wirtschaftlich sehr tragisch zu bezeichnen."

Zum Thema Flugplatz merkt Friedrich Herdan an, dass sich die IHK seit Jahren "mit Verve" für einen richtlinienkonformen Verkehrslandeplatz in Neida einsetze, "nicht zuletzt deshalb, weil wir wissen, dass davon Standortentscheidungen unserer Unternehmen und damit Arbeitsplätze essenziell abhängen." Das gelte genauso für den ICE. Herdan kündigt an, sich auch weiter dafür einzusetzen. "Und wir hoffen, dass trotz teilweise gegenteiliger Meinung in der Öffentlichkeit dieses Projekt Verkehrslandeplatz Coburg zeitnah vor dem 31. Dezember 2019 realisiert wird, weil ab diesem Zeitpunkt die Sondergenehmigung für die Brandensteinsebene ausläuft. Daran arbeiten wir."