Ausgezeichnet vorbereitet ist halb gewonnen: So zumindest die Hoffnung. Denn derzeit trainieren im Coburger Land insgesamt 15 vierköpfige Teams für den oberfränkischen Erwachsenen-Leistungsmarsch. Am Samstag, 7. Mai, werden sich ab 8.45 Uhr anlässlich des 150-jährigen Bestehens der Feuerwehr Großheirath im Itzgrund die Vertreter des Kreisfeuerwehrverbands Coburg auf einer 6,4 Kilometer langen Strecke in zwölf Disziplinen mit 90 Mannschaften aus dem ganzen Bezirk messen.

Aus Breitenau/Sülzfeld, Elsa, Fechheim/Aicha, Gestungshausen (2), Großheirath, Grub am Forst, Haarbrücken, Merlach, Niederfüllbach, Seßlach/Dietersdorf, Sülzfeld und Untersiemau kommen die Landkreisteams, zwei Mannschaften schickt die Stadt Coburg ins Rennen.

Am Donnerstagabend trafen sich viele Teilnehmer zur letzten großen Übungseinheit am Seßlacher Feuerwehrhaus. Saugleitung kuppeln, genaues Zielen mit der Kübelspritze, Zielwurf mit der Feuerwehrleine sowie "Löschangriff in spannungsführender Anlage" lauten nur vier der Aufgaben, die zu bewältigen sein werden.

Auch theoretisches Wissen, wie das Zuordnen von Ausrüstungsgegenständen und die Farbkennzeichnung von Gasflaschen, wird abgefragt. Sind das nicht Kenntnisse, über die freiwillige Feuerwehrleute verfügen sollten? Kreisbrandinspektor Reinhard Hartung, als Fachbereichsleiter für Wettbewerbe zuständig, antwortet mit einem "Ja, aber...": Zwar seien die Prüfungen ein Spiegelbild des Feuerwehralltags. Wer beim Bezirkswettstreit bestehen allerdings möchte, sollte unter Zeitdruck Fingerfertigkeit und das gesamte Wissen abrufen können.

"Besonders beim Ausrollen des B-Schlauches und dem Zielwurf mit der Feuerwehrleine trennt sich die Spreu vom Weizen", weiß der Untersiemauer aus Erfahrung. Stress bereiten Reinhard Paschold vor allem die Knoten: "20 Sekunden inklusive fünf Meter hin und zurück sind wenig Zeit", meint er. Auch vor seiner sechsten Teilnahme verspürt Paschold noch Lampenfieber. Schließlich zähle jeder Fehler für die ganze Gruppe. "Und Fehler kann man viele machen", fügt er hinzu. Auch deshalb gefalle der Wettstreit nicht jedem.


Premiere für Stadt-Teams

Die "Unrealitäten" der Wettkampfbedingungen bereiten Ingold Stökl Kopfzerbrechen. Zum Beispiel dürfe beim Leistungsmarsch nicht geredet werden. Der Coburger Kommandant schickt erstmals Gruppen zum Leistungsmarsch und möchte selbst als Teilnehmer mit gutem Beispiel vorangehen.
Bei der Premiere werden die beiden Coburger Stadt-Teams "gewichtig auftreten", verspricht der Stadtbrandmeister, auch wenn neben vieler anderer Aufgaben kaum Zeit zum Üben blieb. "Wir sind ziemlich am Limit", berichtet Stökl.

Erst zum zweiten Mal findet nach Ebersdorf 2009 der Leistungsmarsch im Coburger Land statt. Als Ausrichter möchte der Kreisfeuerwehrverband nicht nur viele Gruppen stellen, sondern vor allem mit Ergebnissen glänzen. Ihrem 23. Platz vom Oktober 2015 möchten Kommandant Robert Cervenka, Fabian Obermüller sowie Sebastian Häfner und Oliver Zeidler in Großheirath mit einem Platz unter den ersten zehn toppen.

Obwohl Nachwuchs aus Seßlacher Stadtteilen regelmäßig beim Jugendleistungsmarsch im Coburger Land vordere Plätze belege, seien die vier als bisher einziges Erwachsenen-Team in Bamberg erstmals auf Bezirksebene angetreten. Gerade haben sie die Übung "Saugleitung kuppeln in 85 Sekunden" geschafft. "Das geht noch besser", spornt Cervenka an. Mit einem jungen Team wollen es Marie Fischer, Andreas und Jens Köhler sowie Juliane Spindler aus Merlach packen. Gerade kämpfen sie noch mit dem Leinenbeutel, der immer wieder das Ziel verfehlt. Schon seit sieben Jahren ist die 19-jährige Marie dabei. "Feuerwehr macht einfach Spaß", sagt sie.


Unverzichtbare Uhr

Der Bezirks-Leistungsmarsch soll den Höhepunkt der Großheirather Jubiläumsfeierlichkeiten rund um die Halle der Familie Angermüller am Sandweg markieren und Besucher anlocken.

Rund 200 Helfer, davon 120 Schiedsrichter, werden entlang der Strecke benötigt. Uwe Gemeinhardt aus Gleismuthhausen ist einer von ihnen. "Mein wichtigstes Utensil ist die Uhr", lacht der Polizist. Jede Sekunde über der Sollzeit, jeder Fehler in einer Übung bedeutet einen Fehlerpunkt. Bei Überschreiten der Höchstzeit schlägt die volle Fehlerzahl zu Buche. "Auch die Optik spielt eine Rolle", erläutert der zweite Kommandant, Start- und Zielkontrolle würden ebenfalls bewertet. Beim Vorbereiten eines B-Rohres zeigt Gemeinhardt den Merlachern, wie sie auf Nummer sicher gehen. Nach 33 Jahren Feuerwehrdienst weiß er: "Auch Schönheitsfehler können sich verheerend auswirken, wenn sich nur ein Parameter ändert."
104 Teams haben sich für den 16. Bezirks-Leistungsmarsch angemeldet. Darunter finden sich auch Bewerber um den Franken-Cup: Wer diese alle zwei Jahre stattfindende Tournee-Wertung gewinnen möchte, muss in Großheirath ebenso an den Start gehen wie bei den Leistungsmärschen in Hersbruck (Mittelfranken) am 11. Juni und Waigoldshausen (Unterfranken) am 15. Oktober. Die Verantwortlichen sind überzeugt, dass sie die Herausforderung des Heimspiels nicht nur organisatorisch, sondern auch im Wettkampf meistern werden: "Ich rechne mit mehreren Gruppen unter den ersten zehn", zeigte sich Kreisbrandrat Manfred Lorenz zuversichtlich.