"Die Theaterschmiede", die Theatergruppe der Volkshochschule Coburg, traf mit dem Stück "Die deutschen Kleinstädter" des Dichters August von Kotzebue (1761 bis 1819) den Nerv des Publikums. Das Lustspiel nimmt die Spießigkeit der Bevölkerung in der fiktiven Kleinstadt Krähwinkel, irgendwo in der deutschen Provinz, aufs Korn. Der Ortsname "Krähwinkel" klingt schon richtig nach kleinbürgerlicher Beschränktheit. Kotzebue hat ihn auch nicht selber erfunden, die Urheberschaft steht wohl dem oberfränkischen Dichter Jean Paul (Johann Paul Friedrich Richter) zu. Aber August von Kotzebue hat ihn mit seinem Lustspiel "Die deutschen Kleinstädter" wohl erst so richtig in Literatur und Gesellschaftskritik eingebracht. Nun ja, Jean Paul, der zwischen 1801 und 1803 in Coburg gelebt hat, gefiel es in Coburg nicht. Ausgerechnet eine Geldbuße wegen Wildpinkelei im Stadtgebiet verärgerte Jean Paul so sehr, dass er Coburg den Rücken kehrte. Kann man Coburg mit Krähwinkel vergleichen? Stand Coburg sogar irgendwie Pate für Krähwinkel?


Auf Coburg angespielt

Regisseur und Mitspieler Rolf Schilling nahm in seiner Theaterschmiede-Inszenierung gerne einige Anspielungen auf die Heimatstadt mit auf. Da gibt es den eher misstrauisch beäugten Nachbarort Rödenberg, da schwingt der Stolz auf ein Landestheater und den vermeintlichen Bildungsstand und das angebliche Kulturverständnis der Bevölkerung mit. Ähnlich ist das Landestheater schon vor einigen Jahren mit einer großzügigen Coburg-geneigten Interpretation des fiktiven Krähwinkels umgegangen. Die Krähwinkler sind stolz auf ihre skurrilen Titel. So stört sich die Großmutter der Hauptakteurin Sabine Staar, überzeugend dargestellt von Cordula Kerling, an der Anrede Madame, mit der sie der heimliche Verehrer ihrer Enkelin, eine Großstadtpflanze namens Olmers (Axel Schunk) begrüßt. Eigentlich ist die Großmutter ja eine Frau Untersteuereinnehmerin, durch ihren verstorbenen Mann allerdings. Ist denn eine Frau Untersteuereinnehmerin in der Krähwinkel-Gesellschaft überhaupt etwas Ordentliches? Naja, jedenfalls haben die Frau Oberfloß- und Fischmeisterin Brendel (Julia Krauß) und die Frau Stadtakzisekassaschreiberin Morgenrot (Beatrice Stein) viel über die Untersteuereinnehmerin zu lästern.
Großstadtpflanze Olmers ist da ganz anders. Die Krähwinkler vermuten in dem heimlichen Schwarm Sabines eine wichtige Persönlichkeit. Einen Minister oder gar den König selber, incognito halt.

Dann ergeben sich schwierige Zwangslagen. Sabine und Olmers werden in zwielichtiger Situation erwischt. Der vom Vater und von der Familie erkorene Bräutigam, der Bau-, Berg- und Weginspektorsubstitut Sperling (Andreas Freund), lässt von seiner Wunschbraut ab. Zum Glück stellt sich noch heraus, dass Olmers zumindest ein anständiges Vermögen besitzt, und einen Titel bekommt er auch noch. Und das ganze Ensemble bekam für den unterhaltsamen Premierenabend einen durchaus freundlichen Beifall.


Es gibt noch Aufführungen

Weitere Aufführungen des Stückes "Die Deutschen Kleinstädter" gibt es am Samstag, 22. Oktober, um 20 Uhr und am Sonntag, 23. Oktober, um 14 Uhr, jeweils im Gemeindesaal der St.-Lukas-Kirche am Ketschendorfer Hang. Wer auf Nummer sicher gehen will, kann sich unter der Rufnummer 09561/794689 eine Karte für sieben Euro reservieren.