- "Wir haben gelernt zu subtrahieren - jetzt ziehen wir ab!" So kündigte die neunte Jahrgangsstufe der Seßlacher Mittelschule ihren Abschied an. Die Entlassfeier in der Pausenhalle markierte für die meisten Neuntklässler den letzten Schultag nach neun Jahren.

Insgesamt bestand mit 19 von 35 Schülern nur etwas über die Hälfte der Absolventen den qualifizierenden Hauptschulabschluss. Den besten "Quali" schaffte Jasmin Höfner (Seßlach) mit 1,8. Anton Bogdan (Weitramsdorf) erzielte 2,0 und den dritten Platz teilen sich mit 2,1 Laura-Maria Gerbig (Itzgrund) und Jannik Lenich (Weitramsdorf).


Trotz aller Schwierigkeiten nicht aufgegeben

"Die Schule ist uns lieb, aber meistens auch teuer", betonte Werner Thomas, Bürgermeister der Gemeinde Itzgrund (SPD), stellvertretend für die Rathauschefs aller beteiligten Gemeinden die Bedeutung einer guten Ausbildung. Hatte schon Thomas vom "pädagogischen Geschick" gesprochen, das von den Lehrern verlangt werde, so bedankte sich Elvira Weigand für den Elternbeirat bei den Lehrkräften der "Rabaukenklassen" dafür, dass sie trotz aller Schwierigkeiten nicht aufgaben und "die pubertierenden Teenager aufs Leben vorbereiteten". Dass die "süßen Engel und drolligen Bengel" sich zu Schülern entwickelten, die ihre Lehrer immer wieder auf die Palme brachten, gaben auch die Absolventen freimütig zu. Wie schwer sie ihnen das Leben machten, dafür fand Klassenleiter Gunther Keller (9a) deutliche Worte. Eine fehlende Grunddisziplin sowie "WhatsApp- und Facebook-Gezicke" hätten vieles erschwert, eigenständiges Handeln und komplexeres Denken hätten sich oft schwierig gestaltet.

Der Pädagoge verglich die Ausbildung mit einem Bauvorhaben, bei dem mal Freude über die Fortschritte, mal Verdruss über die Bausünden, ja sogar "gewaltigen Pfusch am Bau" herrschten. Als "Capo" wies Keller die Absolventen daraufhin, dass sie nun lediglich Richtfest feiern könnten. Beim Decken des Daches müssten sie selber mit anpacken, der Feinausbau schließlich erfolge erst im Berufsalltag. Kellers Fazit: "Schlüsselfertiges Bauen gibt es auf der Baustelle Ausbildung nicht." Auch Caroline Platsch, Klassenleiterin der 9b, forderte die Scheidenden zum Handeln auf: "Steckt Euch ein Ziel, verfolgt es und bleibt am Ball!" Jeder Absolvent nehme mehr mit, als er jetzt denke, so Platsch. "Die Schulzeit ist auch gut, um zu wissen, was man machen will und was einen ausmacht."

Schulleiter Wolfgang Hoydem verwies auf das "eCn"-Projekt ("extra Chance nutzen"), mit dem der Quali noch erreicht werden könne. Der Knackpunkt: "Ihr müsst was machen wollen", stellte er fest. "Nur wenn Ihr alles aus Euch herausholt, könnt Ihr alles im Leben erreichen", gab der 44-Jährige den 35 Schülern mit auf den Weg.