30 Besucher hatte Marktleiter Klaus Köhler der Polizei gegenüber angemeldet, 60 standen auf dem Wunschzettel von Bürgermeister Jürgen Wittmann (GfG), 120 sind es am Ende geworden. Die Beteiligung am gestrigen "Markt der besonderen Art" hat gezeigt: Das Ende des Wochenmarktes ist derzeit das Thema schlechthin in der Gemeinde. Und so schnell wird der Streitfall auch nicht von der Tagesordnung genommen, denn der Bürgermeister teilte auf Tageblatt-Nachfrage mit, dass er den Gemeinderatsbeschluss zum Ende des Wochenmarktes rechtsaufsichtlich prüfen lassen will!
Wittmann zeigte sich überzeugt davon, dass beim "erzwungenen Beschluss" vom 13. März nicht die erforderliche Dringlichkeit gegeben gewesen sei. Sehe das die Rechtsaufsicht auch so, werde die Entscheidung des Gemeinderates "gekippt", sagte der Bürgermeister. Dann werde er eine erneute Diskussion über den Markt anstoßen.


Gespräch mit der Feuerwehr?

Während Wittmann den Besuchern der "Demonstration" seine Sicht der Dinge erläuterte, stand Michael Gröner mit leicht staunendem Blick in der Menge. Gröner ist mit dem Gartenbaubetrieb Pressel einer der Beschicker des Marktes und war überrascht von der Beteiligung an der gestrigen Aktion: "Wahnsinn. Ich finde es rührend, wie die Menschen für ihren Markt kämpfen." Denn auch die Firma Pressel hat das überraschend schnelle Aus des Marktes ein bisschen auf dem falschen Fuß erwischt, berichtete Michael Gröner. Er habe mit seinem Betrieb schließlich seinen Jahresplan auch auf Grub am Forst abgestimmt und stehe nun vor einem Problem: "Der Frühling ist da, die Pflanzen sind da, aber der Markt ist nicht mehr da." Verstehen, bedauerte der Standbetreiber, könne der die Entscheidung jedenfalls nicht.
Marktleiter Klaus Köhler will jedenfalls nicht aufgeben und weiter für den Standort am Rathaus werben. Warum? Da muss er keine Sekunde überlegen: "Weil es der beste Standort ist." Gemeinsam mit dem Bürgermeister habe er auch zahlreiche Ideen entwickelt, wie der Feuerwehr auch an Markttagen die volle Einsatzbereitschaft garantiert werden könne. Nun hoffe er darauf, dass sich ein Gesprächstermin finden werde. Er jedenfalls, das stellte Köhler klar, werde um den Markt am Rathaus kämpfen: "Zur Not auch mit einem Bürgerentscheid."
Inmitten der Demonstranten stand auch Altbürgermeister Günther Kolb. Nein, in die politische Diskussion über den Markt werde er sich gewiss nicht einmischen, sagte der Ehrenbürger. Aber einen Satz zum Umgang miteinander, den musste Günther Kolb dann doch noch loswerden: "Es ist Wahnsinn, wie so ein Streit eine ganze Gemeinde entzweien kann."


Die Geschichte des Grüber Wochenmarktes

April 2015: Die Premiere gelingt: Beim ersten Wochenmarkt passt das Wetter, die Grüber kommen in Scharen - von nun an geht es im Zwei-Wochen-Rhythmus weiter.

Februar 2016: Die Freien Wähler (FW) bremsen die Euphorie. Der Wochenmarkt komme zwar gut bei der Bevölkerung an, sei aber keine echte Verbesserung der schlechten Einkaufssituation im Ort, heißt es bei der Hauptversammlung.

Juli 2016: Der Grüber Gemeinderat diskutiert vor vielen Zuhörern über die Zukunft sowie den Standort des Wochenmarktes. Am Ende fällt mit klarer Mehrheit die Entscheidung, dass sich der Hauptausschuss der Sache annehmen und nach einem neuen Standort für den Wochenmarkt suchen solle.

12. Dezember 2016: Der Gemeinderat beschließt, den Wochenmarkt an die Schule zu verlegen. Inzwischen ist aber klar: Das Staatliche Schulamt ist mit einem Markt vor der Schule nicht einverstanden.

4. März: Bei der Hauptversammlung der Feuerwehr erklärt der Vorsitzende, Stefan Wunder, seinen Rücktritt. Begründung: Der nicht enden wollende Streit um den Standort des Wochenmarkts. Vor dem Feuerwehrhaus, das betont Wunder zum Abschied ausdrücklich, sei der Markt auf jeden Fall "unakzeptabel".

13. März: Auf Antrag von Volker Gahn (CSU) beschließt der Gemeinderat gegen fünf Stimmen, den Markt mit sofortiger Wirkung auszusetzen.

21. März 2017: Andreas Oetter, der Vorsitzende des CSU-Ortsverbands bringt einen neuen Standort für den Markt ins Gespräch: den Bereich rund ums Kelterhaus und den Wertstoffhof,