Letztes Jahr in Tambach, heuer in Tambach, und wenn das altersmäßig durchaus gemischte Publikum im vollen Schlosshof brav ist, will er wiederkommen. Sagt der Musterjunge der beliebten deutschen Casting-Shows gleich zu Anfang des wogenden Konzertes am Freitag.
Das Publikum war sehr brav, ließ sich willig animieren. Und zuquatschen. Denn das macht der Meyle nun mal. Aber dafür gibt es dann Seelenmassage in gängigem Rockpop: Das Schlimmste ist vorbei. Fehler macht doch jeder. Alles über die Liebe. Keine Macht den Pessimisten. In seinen alltagstauglichen Lebensbekenntnissen beschwört der mentalitätsmäßig uns Nahestehende aus dem nördlichen Baden-Württemberg (da wo es noch fränkisch ist) das kleine Glück.
Nachdem die Woche zuvor am Eingang zu seinem Konzert in Ansbach eine Bombe gezündet worden war, hat Meyle auch noch die Aura des Tapferen. Unter großem Zuspruch des Publikums gibt er die Losung des Tages: Wir lassen uns unser normales Leben nicht versauen. Um dann sein schon älteres Flüchtlings-Lied zu singen: "Alles was er braucht, ist ne Chance".
Und mächtig romantisch kann Gregor Meyle auch noch sein, etwa im Duett mit Hintergrundsängerin Laura Bellon (zupackende Jazzstimme): "Heute Nacht". Die Welt dort draußen braucht uns nicht, hält auch nicht, was sie verspricht. - Ist doch so. Wohliger Sound, trostspendend.
Der Sound, der aber isses. Seinen aufmunternden Country mit dem Spritzer Irish im eingängigen Pop-Streaming hat Meyle mittlerweile durch einen fetzigen Bläsersatz aufgestockt, was jetzt eine reizvoll eigenwillige Mischung ergibt. Bombastischer Hintergrund zum fantastischen Alpenpanorama im bunt glühenden Bühnenlicht. Dann aber - ha, wenn die mal da sind, passiert so etwas - ab ins Jazzsolo. Posaune, Trompete, Saxophon - was glaubt Ihr denn, was solch hervorragende Musiker machen, wenn sie in nun neunköpfiger Combo zusammenkommen? Da geht auch der Meisterfiddler ab auf andere Pfade. -
Das gönnt sich der geschickte Gregor Meyle mittlerweile. Wetten, dass er das in Zukunft noch öfter zulassen wird?