Helmut Völk erinnert sich gut an die Schul- und Sonntagsausflüge, die in seiner Kindheit zur Alexandrinenhütte auf die Sennigshöhe führten. Von klein auf, sagt der Zweite Vorsitzende des Thüringerwald-Vereins, fühlte er sich mit diesem Ort stark verbunden. "Es ist hier oben meine zweite Heimat", sagt der Coburger.

Am kommenden Sonntag feiert der Thüringerwald-Verein Coburg das 80-jährige Bestehen der beliebten Hütte, die sich in der Gemeinde Meeder auf dem höchsten Punkt im Landkreis befindet. Momentan bereiten Völk und der Erste Vorsitzende Dieter Schubert das Fest vor und führen durch das Haus und den angrenzenden Biergarten.

Ein paar Wölkchen sind am Himmel, ein Lüftchen weht hier oben um die Nase, und nicht nur Schuberts Hund Atze fühlt sich auf dem Gelände wohl. Für die beiden Vorsitzenden steht fest: "Dies ist der schönste Biergarten im Coburger Land weit und breit." Der Mittelpunkt ist die urige Hütte aus Stein, die seit jeher ein beliebtes Ausflugsziel ist. Sobald die Saison im Frühjahr beginnt, erzählen Völk und Schubert, schätzten Wanderer, Radfahrer und Schulklassen diesen Ort.


Baumaterial vom Turm

Zum Bau der Hütte, erklärt Schubert, seien Steine des ehemaligen Aussichtsturm verwendet worden. Dieser stand seit Jahren laut der Chronik da, wo jetzt das kleine Steinhaus auf 523 Metern Höhe die Gäste beherbergt. Der steinerne Aussichtsturm wurde demnach im Jahr 1906 zu Ehren der Herzogin Alexandrine gebaut. Im Laufe der Jahre wurde das Bauwerk baufällig und musste deshalb im Jahr 1935 komplett abgerissen werden. An gleicher Stelle wurde aus den Resten die Alexandrinenhütte errichtet.

Den Namen verdanken Turm und Haus den Wohltaten der Herzogin Alexandrine von Sachsen-Coburg und Gotha. "Die Herzogin war ja sehr spendabel, ihr zu Ehren wurde 1906 der Turm an den höchsten und schönsten Punkt gebaut", erzählt Völk. Im Sommer 1936 sei die Hütte mit vielen Ehrengästen, darunter Herzog Carl Eduard von Sachsen-Coburg und Gotha mit seinem Sohn Prinz Hubertus, feierlich eingeweiht worden. Die Bewirtung oblag von Beginn an dem Thüringerwald-Verein, damals unter dem Vorsitz von Carl Escher, nachdem auch ein 62 Kilometer langer Wanderweg benannt ist, der natürlich auch zur Hütte führt.


Ein Geschenk mit Bedingung

Im Jahr 1952 bekam der Thüringerwald-Verein die Hütte geschenkt, mit der Auflage, diese als Wanderheim weiter zu führen. Und das üben die Mitglieder des Thüringerwald-Vereins bis heute aus, mit einer festen Gruppe von Ehrenamtlichen und viel Leidenschaft. "Wir sind 14 Gruppen mit vier bis zehn Leuten, die die Gäste bewirten", berichten die Vorsitzenden.

In den Wintermonaten ruht der Betrieb, die Hüttensaison beginnt immer an Ostern und geht bis Ende Oktober, jedes Wochenende und an Feiertagen öffnen die Mitglieder das Haus. "Wir haben Stammgäste und Wanderer, die aus den umliegenden Orten kommen", sagt Dieter Schubert.


Natur pur

Wer oben auf der Höhe steht, spürt sofort den Reiz dieses Ortes: Felder, Wiesen, ein Wäldchen grenzen an; dreieinhalb Hektar Wald hat der Verein gekauft und hält diesen als Naturschutzmaßnahme instand. "Es ist grandios, hier wachsen seltene Orchideen und Wacholderbüsche," schwärmt Völk. Schubert und Völk lassen den Blick ins Land schweifen: "Dort ist die Veste Coburg, da der fränkische Jura, Vierzehnheiligen, der Staffelberg, der Frankenwald und sogar das Fichtelgebirge sind zu sehen", erklären die Vorsitzenden. Im Biergarten spenden alte Bäume Schatten, und sollten die Plätze nicht ausreichen, kommen Biertische hinzu.
In der gemütlichen Hütte ist vieles unverändert, der Kachelofen, die Täfelungen an der Wand, das Mobiliar. "Nur das elektrische Licht kam neu hinzu, früher war es Kerzenlicht", sagt Völk. An den Wänden zeugt eine Bildergalerie von der Geschichte dieses historischen Ortes, auch Fotos der Vorsitzenden Carl-Escher, Wolfgang Süße, der letztes Jahr plötzlich starb, und ein Bild der Herzogin Alexandrine hängen an der Wand. Die Küche und die sanitären Anlagen sind der Zeit angepasst und modernisiert.

"Wenn es zu Beginn der Saison noch kalt ist, wird der Ofen angeschürt, da ist es richtig gemütlich", sagt Völk. Sollten in der Wirtsstube die Gäste nicht genug Platz finden, dann kann auch in eine Blockhütte, die später hinzukam, ausgewichen werden.