Die Anwohner im Wohngebiet rund um die Kreisstraße Richtung Wiesenfeld haben in den vergangenen Wochen gute Nerven gebraucht. Denn seit die Kreisstraße - eigentlich deutlich sichtbar - für den Verkehr gesperrt ist, versuchen Autofahrer immer wieder, auf Schleichwegen die dortige Baustelle zu umfahren. "Die Belastung der Bürger durch die Baustelle ist erheblich. Sie wird allerdings durch Verkehrsteilnehmer potenziert, die meinen, sie könnten sich über die bereits bei Wiesenfeld angekündigte Sperrung hinwegsetzen", schrieb dem Tageblatt ein Anlieger.


Die Probleme in den Griff bekommen


Timo Sommerluksch von der Straßenverkehrsbehörde am Landratsamt nickt beim Besuch an der Baustelle angesichts dieser schriftlichen Beschwerde zustimmend und versichert: "Uns ist die Situation bekannt. Deshalb haben wir nichts unversucht gelassen, die Probleme in den Griff zu bekommen." Inzwischen hat sich die Lage entspannt - insbesondere deshalb, weil der Tannenweg durch die Baustelle versperrt ist und damit keine örtliche Umleitung mehr darstellt.


Die Polizei kontrolliert


Für Ulrich Bosecker von der Coburger Verkehrspolizei sind Beschwerden wie die aus Weidach zum Alltag geworden. "Unmittelbar nach dem Beginn von Bauarbeiten ist der Ärger immer groß", weiß der Polizeihauptkommissar. Die Erfahrung aber zeigt auch: Wenn es sich dann herumspricht, dass die Polizei in gesperrten Abschnitten steht und kontrolliert, relativiert sich das Verkehrsaufkommen meist. So war es auch in Weidach, erklärt Bosecker: "Bei unseren Kontrollen hier haben wir festgestellt, dass viele Auswärtige die Sperrung ignoriert haben."


Endstation Sackgasse


Die Ursache dafür ist die moderne Technik. Nachdem inzwischen fast jedes Auto ein Navigationsgerät an Bord hat, achten Verkehrsteilnehmer nicht mehr groß auf Umleitungsbeschilderung, sondern versuchen es auf eigene Faust. Und enden dann, zumindest jetzt in Weidach, in einer Sackgasse.


"Die Anwohner müssen das erdulden"


Ulrich Bosecker kann den Ärger der Anwohner zwar verstehen, verweist aber auch auf die Rechtslage. Solange es sich um eine öffentliche Straße handelt, darf diese auch vom öffentlichen Verkehr genutzt werden. Freilich: Wer bisher idyllisch in einer 30-Tempo-Zone eines Wohngebietes lebt und dann plötzlich jede Menge "Schleichwegfahrer" erdulden muss, ist genervt. "Das ist nicht schön, aber die Anwohner müssen das erdulden", ergänzt Sommerluksch.


Anders wird die rechtliche Situation dann schon, wenn - auch das ist in Weidach geschehen - Autofahrer aussteigen und Absperrbaken einfach zur Seite rücken. Auf die Frage nach den rechtlichen Folgen solcher Aktionen zieht Ulrich Bosecker die Nase hoch und warnt: "Wer ein Schild einfach so auf die Seite dreht, dass man es nicht mehr lesen kann, gerät rechtlich in die Nähe eines gefährlichen Eingriffes in den Straßenverkehr." Und ein solcher, da kennen Bosecker und Kollegen keine Nachsicht, fällt schon in den Bereich der Straftaten.


Eigentlich sollte es aber gar nicht so weit kommen. Timo Sommerluksch verweist auf die klare Vorschrift, dass Baustellen-Umleitungen "qualifiziert" ausgewiesen werden müssen. Das heißt: Wenn eine Kreisstraße mit ihrem entsprechenden Verkehrsaufkommen gesperrt ist, dürfen die Verkehrsteilnehmer gar nicht über kleine Wohnstraßen umgeleitet werden. Deshalb verläuft die offizielle Umleitung für die CO 4 (von Weidach aus gesehen) über Scheuerfeld, den Kürengrund, die Rodacher Straße und Beiersdorf nach Wiesenfeld.


Wer mindestens genauso genervt ist, wie die Anwohner, sind die Arbeiter auf der Baustelle. Timo Sommerluksch hat oft mit denen zu tun und weiß aus dutzendfachen Erzählungen: "Was die sich oft anhören müssen, ist unglaublich." Natürlich rät er den Männern auf der Baustelle, dreiste Verkehrsteilnehmer auch mal bei der Polizei anzuzeigen, aber der Leiter der Verkehrsbehörde weiß: "Wenn die das immer machen würden, kämen manche Baustellen gar nicht mehr voran."


Der Zeitdruck ist da

Ein bisschen werden sich die Anwohner im Birkenweg, Tannenweg und der Mährenhäuser Straße noch ein bisschen gedulden müssen. Die Tiefbauabteilung im Landratsamt geht, trotz einiger Schwierigkeiten mit dem Untergrund in der Baustelle, davon aus, bis Ende des Jahres die Kreisstraße wieder befahrbar zu bekommen. Alles andere wäre auch schlecht, schließlich hat das Staatliche Bauamt in Bamberg fest im Plan, dass ab Anfang 2018 die Staatsstraße zwischen Beiersdorf und Wiesenfeld saniert wird. Die Umleitung dann: über Weidach und die Mährenhäuser Straße.