"Ich habe am Montag die Genehmigung des Infostandes der NPD unterschreiben müssen. Da war mir klar: Die werden nicht alleine in unserem schönen Weitramsdorf stehen", sagte Bürgermeister Christian Gunsenheimer (FW) am Samstag. Er habe sofort Kontakt mit allen in der Gemeinde vertretenen Parteien aufgenommen. "Da gab es keine Diskussion. Nur die Frage: Wann sollen wir wo sein?" Dann habe sich so was wie ein Familientreffen der Demokraten daraus entwickelt, was die Solidarität über Gemeindegrenzen hinaus widerspiegele.

Spontane Solidarität

Sein Kollege aus Bad Rodach, Tobias Ehrlicher (SPD), war einer derjenigen, die spontan diese Solidarität bewiesen: "Wir wollen Flagge zeigen, Farbe bekennen und sichtbar machen, dass die hier nichts zu suchen haben. Und man sieht ja schon daran, wie einsam die an ihrem Stand bleiben, dass so etwas zum Glück in Deutschland nicht mehr geht." Vor allem mache es ihm aber Spaß zu sehen, dass die Demokraten zusammenhalten, ergänzte Ehrlicher. Mit dem Ortsvorsitzenden Henning Kupfer und Gemeinderat Rudolf Litzen war auch die CSU mit einem Informationstand vertreten. "Wir wollen aus demokratischer Sicht ein Gleichgewicht der Stände herstellen. Es darf nicht sein, dass polarisierend in eine Richtung Meinung gemacht wird", betonte Kupfer und Litzen ergänzte: "Wir sehen es als Gegenpol zu den Linken und zur NPD."
René Hähnlein, Bundestagskandidat und Kreisvorsitzender der Linken, stellte klar: "Wir haben zur Kundgebung eingeladen, weil sich die NPD hier aufgestellt hat. Wir wollen Weitramsdorf und das Coburger Land nicht den Nazis überlassen." Die NPD richte genug Schaden an und "deshalb wollen wir zeigen, dass sie hier nicht erwünscht ist."
Die Jusos hatten Steffi Gröger aus Kronach, die stellvertretende Landesvorsitzende, nach Weitramsdorf entsandt. "Wir wollen auch in Coburg Widerstand zeigen, zeigen, dass die NPD unerwünscht ist." Als Vertreter der Grünen war Stadtvorstandsmitglied Thomas Götz dabei - allerdings ohne Stand. "Ich hätte ja gerne mehr mitgebracht", entschuldigte er sich, "aber wir haben aktuell einen Infostand in Coburg. Doch ich bin hier, weil es mir wichtig ist, Flagge gegen die NPD zu zeigen." Es sei notwendig zu zeigen, "dass wir die NPD im Coburger Land nicht haben wollen."
Und warum hatte die NPD Weitramsdorf für ihren Wahlkampfstand ausgesucht? Das erklärte deren Bundestagskandidat und Kreisvorsitzender, Dietmar Döhring: "Wir machen im ganzen Kreis Infostände. Wir waren schon in Seßlach, Ebersdorf und Neustadt." Man wolle in Kontakt zu den Bürgern kommen, "weil wir in den Medien nicht erwähnt werden oder wenn, dann nur negativ." mgi