Davor fürchtet sich ein Regisseur vielleicht in seinen wüstesten Albträumen. Mitten in einer viel versprechenden Premiere geht gar nichts mehr. Dunkel wird's auf offener Bühne. Wer dann Licht ins Dunkel einer schon dramaturgisch verzwickten Handlung bringen will, braucht mehr als nur einen zündenden Regieeinfall. Sondern in diesem Fall - bei der Premiere von Millöckers "Gasparone" auf der Heldritter Waldbühne - am besten einen flinken Elektriker und gute Nerven.

Denn mitten im Finale des 1. Aktes wird es plötzlich dunkel auf der Bühne. Kurze Verwirrung: eine besonders origineller Regieeinfall? Nein, nur eine Hauptsicherung auf der Waldbühne, die zu unpassender Zeit ihren Dienst quittiert hat. Ein Gerücht macht die Runde: Angeblich ist tatsächlich Gasparone schuld. Genauer gesagt: die Pizza, die unter seinem Namen verkauft wird und deren Herstellung mit einem Elektroherd allzu viel Strom gezogen habe. Nach wenigen bangen Minuten ist klar: Die Aufführung muss nicht abgebrochen werden. Lediglich die Pause wird vorgezogen und das fehlende Finale des ersten Aktes einfach nach der Pause nachgereicht - wenn auch schon in der Kulisse des zweiten Aufzugs.

Lösegeld erpressen


Gasparone ist also doch an allem schuld. Der negative Held dieser Operette, der dem Werk den Titel geliehen hat, bleibt den ganzen Abend über unsichtbar, ist aber gleichzeitig in aller Munde: Gasparone, der Räuber, der auf Sizilien sein Unwesen treibt. In seinem Namen werden Menschen entführt, um Lösegeld zu erpressen.
In Carl Millöckers gleichnamiger Operette liefert der unsichtbare Räuber den kleinen Freizeit-Schmugglern den willkommen Vorwand, mit Erzählungen über schauerliche Räuberpistolen von ihren eigenen illegalen Aktivitäten abzulenken.

Schwungvolle Rhythmen


Musikalisch balanciert Millöcker in "Gasparone" oft an der Grenze zur komischen Oper. Die Partitur ist bemerkenswert vielseitig zwischen Wiener Walzer-Charme und schwungvollen italienischen Rhythmen.Besonders in den Ensembleszenen ist sie oftmals kammermusikalisch delikat in der geschickt verwobenen Führung der Stimmen. Unter den besonderen Bedingungen einer Freilicht-Aufführung wird das zur Herausforderung für den Dirigenten.
Ivan Boldog, seit der vergangenen Spielzeit musikalischer Leiter der "Coburger Sommeroperette", ist ein jederzeit souveräner Routinier am Dirigentenpult, der alle musikalischen Fäden sicher in der Hand hält.
Rundum gut besetzt ist dieser "Gasparone" auf der Waldbühne. So ist Markus Gruber vom Stimmtypus wie von seinem gestalterischen Gestus ein klassischer Spieltenor. Seine in allen Lagen technisch sicher geführte Stimme besitzt aber dennoch feines lyrisches Potenzial.

Routinierte Regie


Thomas Mittmann, Leiter der Opernschule und Dekan an der Detmolder Musikhochschule, stellt als Gastregisseur erstmals bei der "Coburger Sommeroperette" vor. Seine Inszenierung verdient sich im besten Sinne das Prädikat routiniert.
Mittmann erzählt diese Geschichte mit dem Gespür des versierten Theatermachers für effektvoll zugespitzte komische Auftritte und intensiv gestaltete lyrische Ruhepunkte.
Frieder Klein lässt sich als Bühnenbildner ganz bewusst ein auf die Gegebenheiten der Heldritter Waldbühne und baut eine recht steile Rampe, die sehen viele wirkungsvolle Auf- und Abtrittsmöglichkeiten bietet und recht flotte Verwandlungen auf offener Bühne gestattet.

Ungetrübter Beifall


Der Chor der Sommeroperette singt in der Einstudierung von Stefan Meier erfreulich präzis, überzeugt aber auch durch sein aufmerksames szenisches Spiel. Das gilt auch für das kleine Ballett, das die choreografischen Ideen von Sylvia Luise Denk schwungvoll auf die offene Naturbühne bringt.
Am Ende spendet das Premierenpublikum ungetrübt freundlichen Beifall für alle Mitwirkenden.

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Aufführungen 18. August, 14 und 19.30 Uhr, 19. August, 18 Uhr, 22., 23., 24. August, 19.30 Uhr, 25. August, 14 und 19.30 Uhr, 26. August, 18 Uhr

Matinee "Blue Bossa" - Nice Ferraira und Band, 26. August, 11 Uhr

Orchesterserenade Platz vor dem Jagdschloss Bad Rodach, 21. August, 20.30 Uhr - "Royal Salon-Ensemble" der Coburger Sommeroperette.
Karten-Vorverkauf Montag, Dienstag, Freitag 10 bis 12 Uhr, Donnerstag 10 bis 12 und 16 bis 19 Uhr (Tel. 0   95   64/40   88); Tourismus Coburg, Herrngasse 4 (Telefon 0   95   61/89-80  43) .