Diese Freiheit des Wortes und der Meinung aber ist in vielen Staaten längst keine Selbstverständlichkeit - auch nicht in der Türkei, jenem Land, aus dem die diesjährige Rückert-Preisträgerin Sema Kaygusuz kommt.
Mutig und unerschrocken spricht sie die Defizite in der Türkei an, auch die Unterdrückung der freien Meinungsäußerung (siehe Bericht oben).


Dennoch lässt sie sich nicht festlegen auf das Etikett politische Autorin. Ihre Macht ist vielmehr die Kraft des poetischen Wortes - ganz in Rückerts Sinn "Weltpoesie ist Weltversöhnung".


Der Coburger Rückert-Preis ist damit heute wichtiger denn je - gerade für eine Stadt, die manches dunkle Kapitel in der eigenen Historie zu verzeichnen hat.


Friedrich Rückert aber, der mehr als vier Jahrzehnte hier lebte, ist ein Name, auf den Coburg in jeder Hinsicht stolz sein kann. Dass Rückert weit mehr war als ein überaus fleißig produzierender Dichter, bei dem Quantität bisweilen Qualität in den Schatten stellte - diese Erkenntnis scheint sich endlich langsam, dafür aber umso sicherer durchzusetzen.


Gar manche seiner Gedichte sind durch die Vertonungen namhafter Komponisten längst unsterblich geworden. Allen voran: Gustav Mahler. Mehr noch: Friedrich Rückerts Überzeugung, dass die Macht der Poesie sehr wohl ein wichtiges Mittel der Völkerverständigung sein kann, will aus heutiger Sicht geradezu prophetisch anmuten.
Mit seiner vierten Auflage scheint der Coburger Rückert-Preis endgültig im Begriff zu sein, die verdiente überregionale Aufmerksamkeit zu finden. Damit aber wird dieser Preis zur allerbesten und zudem ebenso günstigen wie nachhaltigen Werbung für die Kulturstadt Coburg.


Allen Spar-Kommissaren, die derzeit den Coburger Haushalt nach verzichtbaren Ausgaben durchstöbern, sei daher vorsorglich und unmissverständlich zugerufen: "Hände weg vom Rückert- Preis!"