Über Monate hinweg - mindestens seit Januar 2013 - verkauft ein Coburger Pärchen große Mengen Haschisch auf dem Lidl-Parkplatz nahe dem Arbeitsamt in Coburg. In der Nacht auf den 9. Juni 2013 verhaftet die Kriminalpolizei zwei Dealer aus Bad Hersfeld, die mit mehr als einem Kilogramm Haschischplatten im Gepäck zu einer erneuten Übergabe nach Coburg reisen. Ein dritter Dealer wird wenig später festgenommen. Dabei geht der Polizei auch das Pärchen ins Netz.

Der 31-jährige Coburger Yilmaz B. war die treibende Kraft des Unternehmens und bezahlte den Dealern laut seiner Aussage pro Kilogramm Haschisch mehr als 5000 Euro. Seine 26 Jahre alte Lebensgefährtin Manuela L., eine gebürtige Lichtenfelserin, gab zu, 30 bis 40 Mal geringe Mengen der Droge an Kunden verkauft zu haben. Dabei habe sie bis zu 700 Euro eingenommen.

Mit zwölf zum ersten Mal Crystal genommen

Beide Angeklagte haben ein massives Drogenproblem. Mit dem Verkauf der Drogen finanzierten sie ihre Sucht. "Mit zwölf habe ich angefangen, Crystal zu konsumieren", erzählte die Angeklagte am Montag in der Verhandlung vor der Großen Strafkammer. Bereits als Kleinkind und später als Jugendliche sei sie missbraucht worden. Infolgedessen trinkt sie Alkohol, ist aggressiv in der Schule, greift zu Drogen.

Erste Schwangerschaft mit 16 Jahren

Mit 16 Jahren wird sie das erste Mal schwanger und bricht die Schule ab. Der Kindsvater schlägt sie, es kommt zum Bruch. Als ihre Mutter stirbt, wird das Haus der Familie zwangsversteigert. Die Angeklagte konsumiert im Wechsel Alkohol, Crystal, später auch Heroin. "Ich war telefonsüchtig, hatte Mietschulden, Stromschulden, Versicherungsschulden, alles." Rund 15 000 Euro Verbindlichkeiten häuft sie an, lebt von einer kleinen Erwerbsminderungsrente, die ihr aufgrund ihrer Drogensucht bewilligt wird.

Krise bis zur Lebensgefahr

Ein zweites Kind, das sie zusammen mit dem Angeklagten hat, kommt in eine Pflegefamilie. Das erste Kind zieht ihr Vater auf. "Nach der zweiten Schwangerschaft bin ich richtig auf die schiefe Bahn gerutscht", erzählte sie dem Gericht. Über ihre Verhaftung war die Angeklagte, die laut ihrem Verteidiger Karsten Schieseck zum Zeitpunkt ihrer Verhaftung wohl bis auf die Knochen abgemagert war, regelrecht dankbar: "Das war das Beste, was mir passieren konnte. Die Verhaftung hat mir mein Leben gerettet."

Heroinpflaster konsumiert

Yilmaz B. beendete die Hauptschule ohne Abschluss, brach seine Lehre ab und lebte von Gelegenheitsjobs. Auch er hat hohe Schulden. Sein erster Sohn kam ebenfalls zu Pflegeeltern. "Als mir die Kinder weggenommen wurden, ging es mit mir bergab", erinnerte er sich. Das Heroin habe er aber nicht gespritzt, nur geschnupft. Genau wie seine Lebensgefährtin konsumierte er zudem Heroinpflaster.

Richter verärgert über laxe Verschreibungspraxis

Während sich Manuela L. die Pflaster über ihre Kasse und von ständig wechselnden Ärzten verschreiben ließ, will ihr Verlobter diese im Tausch gegen Haschisch erhalten haben. Die anscheinend recht laxe Verschreibungspraktik brachte den Vorsitzenden Richter Gerhard Amend auf die Palme: "Das ist ein großes Problem hier in Coburg."

B. ist bei der Justiz kein Unbekannter. Auch Manuela L. hat drei Einträge im Vorstrafenregister. Der von der Großen Strafkammer hinzugezogene Gutachter Klemens Lange empfahl dem Angeklagten eine Therapie. Dieser Empfehlung folgte das Gericht ebenso wie dem Plädoyer des Staatsanwaltes, der für B. eine Freiheitsstrafe von drei Jahren und zehn Monaten gefordert hatte. Sein Verteidiger, Hilmar Lampert aus Bayreuth, plädierte indes für eine Haftstrafe unter drei Jahren, um den Angeklagten vor einer eventuellen Abschiebung in sein Heimatland, die Türkei, zu bewahren. Bei Manuela L. blieb das Gericht knapp unter dem geforderten Strafmaß der Staatsanwaltschaft und verhängte eine Freiheitsstrafe von zwei Jahren und sechs Monaten. Auch sie wird in einer Entziehungsanstalt untergebracht.

Reue und Erleichterung

Beide Angeklagte bereuen ihre Taten. L. zeigte sich angesichts des Urteils erleichtert: "Ich möchte wieder Boden unter meinen Füßen spüren. Ich wünsche mir, ein normales Leben führen zu können. Und dafür kämpfe ich auch."