Standorte stehen heute in starker Konkurrenz, wenn es um die Ansiedlung von Gewerbebetrieben geht. Mit Unternehmen kommen Arbeitsplätze und mit diesen die Menschen, die in der Region zurzeit immer weniger werden. Für Neustadts Oberbürgermeister Frank Rebhan (SPD) steht daher fest, dass die Region einen Flugplatz braucht. Denn der ist ein wichtiger Teil der Infrastruktur. Rebhan ist Vorsitzender der SPD-Fraktion im Kreistag, gemeinsam mit seinem Kollegen Rainer Mattern (CSU) und Weidhausens Bürgermeister Markus Mönch (parteilos) wirbt Rebhan im Gespräch mit unserer Zeitung um Stimmen für das Ratsbegehren, wenn am Sonntag im Landkreis zu den Urnen gerufen wird.

"Die Politik schafft keine Arbeitsplätze", sagt Rebhan mit Blick auf die Fragestellung zum Ratsbegehren, wo die Entscheidung für einen Verbleib des Landkreises in der Projektgesellschaft Verkehrslandeplatz Meeder-Neida mit dem Erhalt und der Schaffung von Arbeitsplätzen begründet wird. Suggestiv, wie die Gegner finden. "Was sollten wir denn sonst für Gründe haben?", wehrt sich Rebhan.

Für ihn steht fest: "Arbeitsplätze werden dort angesiedelt, wo ein Unternehmen die besten Voraussetzungen findet." Eine dieser Voraussetzungen ist seiner Ansicht nach ein Verkehrslandeplatz, der auch zu Instrumentenflugbedingungen genutzt werden kann. Ebenso sicher ist für ihn, dass die Brandensteinsebene nicht so ausgebaut werden kann, dass sie als Flugplatz mit dieser Anforderung eine Zukunft hat. "Das ist gründlich untersucht worden. Es geht nicht. Wir hätten uns doch gern den ganzen Ärger erspart, wenn es möglich wäre", sagt er.

Wenn gerade Frank Rebhan so glühend für den Neubau des Verkehrslandeplatzes kämpft, dann hat das noch einen anderen Grund: "Ich habe erlebt, was es heißt, wenn Arbeitsplätze in großer Zahl wegbrechen." Als Siemens seinen Standort in Neustadt aufgab, standen viele Neustadter ohne Arbeit da. Die Stadt musste enorme Verluste bei den Einnahmen aus der Gewerbesteuer verkraften. Für Frank Rebhan steht daher fest: "Meine Aufgabe ist an ganz vorderster Stelle, Voraussetzungen zu schaffen, dass Menschen hier wohnen und arbeiten können." Er appelliert an die Landkreisbürger, am Sonntag ihre Stimme abzugeben: "Bitte unbedingt hingehen und abstimmen! Später beschweren, wenn die Zeiten schlechter werden, das geht nicht."

Stellvertretender Landrat Rainer Mattern nimmt für sich und seine Kreistagskollegen in Anspruch, die Entscheidung für einen Flugplatz nicht leichtfertig getroffen zu haben. "Wir haben uns doch Gedanken gemacht", bekräftigt er. Nur wenn prosperierende Unternehmen in der Region bleiben und möglichst weitere kommen, haben die Einwohner auch gute Einkommen. Diese wiederum führen zu guten Steuereinnahmen aus den Anteilen der Kommunen an der Einkommensteuer.

Die Betroffenheit der Bürger sieht Mattern. Er hat vor allem Verständnis für die Landwirtschaft, der erneut erhebliche Flächen aus der Nutzung verloren gehen. Er erkennt aber an, dass nach planungsrechtlichen Erhebungen im Einzugsgebiet des Flugplatzes Brandensteinsebene mehr als 5000 Menschen von Auswirkungen des Flugbetriebs betroffen sind. Nach den gleichen Bemessungsgrundlagen seien es am neuen Standort Meeder-Neida "Null" Betroffene, gibt er zu bedenken.

Die finanzielle Beteiligung des Landkreises, ist nach Matterns Einschätzung eher gering. Die 1,5 Millionen Euro, die der Landkreis in Teilzahlungen zu je 500.000 Euro beisteuert, seien kein gewaltiger Anteil. Er erinnert daran, dass der Landkreis allein für die Grundsanierung der Realschule Coburg II mehr als 26 Millionen Euro aufwendet. Die Hauptlast der Kosten für den neuen Flugplatz trage die Wirtschaft zusammen mit der Stadt Coburg.

Blick auf die Steuereinnahmen

Auch für Mattern gilt: "Es geht uns nicht nur um Menschen, die hier sind. Es geht auch um Menschen, die wir hierherholen wollen." Dafür seien Einrichtungen wie Schulen, Kitas, eine intakte Infrastruktur und dergleichen wichtig. Das alles könne aber nur finanziert werden, wenn es Wirtschaftsunternehmen und Beschäftigte gibt, die mit ihren Steuern das Geld dafür aufbringen. "Wir sind in der Mitte eines Wirtschaftsraumes, der heute Nordbayern und Südthüringen erfasst", so Mattern. Dass ein leistungsfähiger Verkehrslandeplatz in diesem Raum als wichtiger Standortfaktor anerkannt werde, zeige schon die Mitgliedschaft etwa der IHK-Südthüringen in der Projektgesellschaft. Wenn Coburg Zentrum dieses wichtigen Raums sein möchte, dann gehört für ihn ein neuer Flugplatz dazu.
Eine Lanze für die Wirtschaft bricht auch Markus Mönch. Selbst in seiner eher überschaubaren Gemeinde Weidhausen gebe es Betriebe, die klar betonen, dass sie einen Flugplatz brauchen. Was die Finanzierung angeht, sagt Mönch: "Es ist doch einmalig in der Region, wie hier die Wirtschaft der Politik die Hand reicht." Es sei wichtig, sich über die Strukturen der regionalen Wirtschaft zu informieren. Dann werde klar, dass der Flugplatz gebraucht wird.
Mönch denkt dabei gerade an kleine Unternehmen in der Region, die sich kein eigenes Flugzeug leisten können. Sie konnten früher einen Flugdienst nutzen, der von der Brandensteinsebene aus startete. Gewerblicher Flugbetrieb könne dort nicht mehr stattfinden. Mit dem neuen Flugplatz wäre so ein Angebot wieder möglich. Alle drei Politiker sind sich einig, dass gerade diese Form des Flugbetriebs in Zukunft immer stärker nachgefragt werden wird.