"Jugendfeuerwehr: Wir sind dabei - wann kommst Du?" steht auf den großen Transparenten am Stadteingang von Seßlach. Am vergangenen Samstag kamen viele Feuerwehranwärter, über 200 Jungen und Mädchen aus dem gesamten Landkreis Coburg, um sich beim 28. Jugendleistungsmarsch und 20. Kreisjugendfeuerwehrtag im Wettstreit zu messen.
Kreisbrandrat Manfred Lorenz freute sich sichtlich über den Aufmarsch der insgesamt 69 teilnehmenden Jugendgruppen, plus ihrer Betreuer und zahlreicher Funktionsträger der Feuerwehren, auf der Wiese zwischen Stadtmauer und der Seßlacher Grund- und Mittelschule. "Das Bild zeigt, dass unsere Feuerwehren wirklich gut aufgestellt sind", meinte Landrat Micheal Busch und forderte die Jugendlichen zwischen 12 und 18 Jahren auf: "Ich weiß, dass Ihr fit seid. Nun zeigt, was Ihr könnt!" Seßlachs Bürgermeister Martin Mittag gefiel es, dass Seßlach zum dritten Mal hintereinander Gastgeber für die Jugendwehren sein durfte, nachdem sich Dietersdorf 2012 sowie Seßlach/Hattersdorf 2013 jeweils als Sieger das Recht zur Ausrichtung des Jugendleistungsmarsches im Folgejahr erkämpft hatten. "Ihr seid die Zukunft für unsere Sicherheit", rief Mittag allen Teilnehmern zu.

Vier Sugschläuche galt es zu verkuppeln

Dann hieß es für die Teams endlich "Zur Übung! Fertig!" Als Erste mussten Jakob Buchmann, Valentin Hopf, Jonas Hütter und Mike Morgenroth von der Freiwilligen Feuerwehr Elsa auf den Parcours, anfangs begleitet und beobachtet von Busch, Lorenz und Mittag. Geschickt hieß es vor dem Rathaus einen Mastwurf anzulegen und am Unteren Zwinger die Feuerwehrleine weit und geradeaus zu werfen. Vor jeder Übung meldet der Sprecher die Jugendgruppe an, danach wieder ab. Auf Zeit mussten in der Rodachaue dann vier Saugschläuche verkuppelt werden. "Sind Euch irgendwelche Fehler aufgefallen?" wollte Kreisbrandmeister Karl Ludwig Schmidt wissen. Später sollte er seine Frage oft mit "Mir auch nicht" beantworten, doch nun hatte der Schiedsrichter etwas zu bemängeln. Besser lief es bei der nächsten Station, beim Binden von vier verschiedenen Knoten, die zugelost wurden. "Habt Ihr etwas dagegen, wenn ich sage: Es ist in Ordnung?", fragte Kreisbrandmeister Manfred Brückner. Niemand protestierte.

Vier Kilometer im Marschtempo mit vielen Aufgaben

Nachdem die Strecke mit gut sechs Kilometern 2013 als etwas zu lang beurteilt wurde, hatten die Organisatoren sie verkürzt. Gut vier Kilometer waren für die 14- bis 18-Jährigen ab der Seßlacher Schule, vorbei an Rathaus, Sportplatz bis nach Hattersdorf und zurück zu bewältigen. An elf Stationen galt es für die Viererteams anspruchsvolle Aufgaben zu lösen: Neben Mastwurf, Knotengestell, Saugschlauchkuppeln und Zielwerfen demonstrierten die Jungen und Mädchen das Kuppeln einer 60m langen C-Leitung, den Brustbund, das Aufziehen von Geräten, das Zielspritzen mit der Kübelspritze und das Auswerfen eines doppelt gerollten C-Schlauches. Außerdem mussten Ausrüstungsgegenstände zugeordnet und Testfragen beantwortet werden. Schon das An- und Auftreten der Gruppe wurde bewertet. Im A-Teil ließen sich unterdessen 12- und 13-Jährige auf dem Hartplatz der Seßlacher Grund - und Mittelschule spielerisch in leichtere Aufgaben und Kenntnisse von Feuerwehrlauten einführen. Hattersdorfs Kommandant Jürgen Köhler hofft, dass das gesetzliche Eintrittsalter von 12 Jahren bald gesenkt wird, damit angesichts der Konkurrenz zu anderen Vereinen bereits Jüngere frühzeitig für die Feuerwehr begeistert werden können.
Bei der Siegerehrung für den B-Teil tauschte das Team Großwalbur 1, im Vorjahr zweiplatziert, mit dem Titelverteidiger Seßlach/Hattersdorf/Merlach die Plätze. Den dritten und vierten Platz belegten die Mannschaften Bad Rodach 1 und Gemünda/Autenhausen. Im A-Teil siegte das Team Niederfüllbach, vor Scherneck und Bad Rodach.

Die Sieger kommen aus Großwalbur

Die stolzen Sieger Lukas und Hannes Riedelbauch, André Steiner und Alexander Zeus freuten sich, dass sie im dritten bzw. vierten Anlauf endlich im B-Teil vorne lagen. Alle vier Großwalburer schätzen die Feuerwehr, wegen des Teamgeists, der Freundschaften und der sportlichen Betätigung, die sie dort finden. Neben der guten Ausbildung scheint der Spaß nicht zu kurz zu kommen: "Auch außerhalb der Feuerwehr unternehmen wir viel gemeinsam, gehen schwimmen oder ins Kino", verriet Lukas. Bei den 12- bis 13-Jährigen hatten mit Patrizia Rudolph und Lena Hackel aus Niederfüllbach zwei Mädchen die Nase vorn. Familiär "vorbelastet" sind viele der Feuerwehranwärter, so dass für sie die Feuerwehr "einfach dazu gehört", wie Max Bösel (Merlach) sagte. Andere wollen, wie Isabelle Weber (Scherneck), in erster Linie "Menschen helfen".
Weit über 100 Helfer waren laut Seßlachs Kommandant Robert Cervenka an den Stationen und für die Verpflegung aller Teilnehmer im Einsatz. Die ausrichtenden Feuerwehren von Seßlach und Hattersdorf hatten den Jugendleistungsmarsch seit Wochen vorbereitet. Kein Wunder, dass die Organisatoren - bei allem Sportsgeist - den Großwalburern den Sieg nicht neideten, ist er doch mit Ausrichtung 2015 verbunden. "Ich bin auch stolz auf den zweiten Platz", sagte Mittag. Er hoffe darauf, dass die Jugendarbeit der Seßlacher Feuerwehren auch weiterhin von Erfolg gekrönt sei, so der Bürgermeister weiter. Auch das Team Gemünda/Autenhausen qualifizierte sich als viertplatziertes noch für den Bezirksjugendleistungsmarsch.

"Wir haben Nachwuchs bitter nötig"

Eine Werbung für den abwechslungsreichen und verantwortungsvollen Feuerwehrdienst sei die Veranstaltung gewesen, darin waren sich alle Verantwortlichen einig. "Ich bin sehr zufrieden, vor allem mit der Arbeit der ausrichtenden Feuerwehren Seßlach und Hattersdorf", strahlte Kreisjugendwart Stefan Wunder, "das muss Werbung sein!". Gerade indem die Organisatoren die Altstadt und die Siedlung miteinbezogen hätten, sei es gelungen die Bevölkerung aufmerksam zu machen. "Vielleicht hat es ja einen Ruck getan", meinte auch Lorenz, "wir haben den Nachwuchs bitter nötig." Man plane weitere Werbemaßnahmen. Zusätzlich zu dem Imagefilm, der bereits in Arbeit sei, werde demnächst der WDR bei den Kinder-Feuerwehren des Landkreises drehen.