Leo (4) tritt und tritt in die Pedale, aber die Modellbahn will einfach nicht losfahren. Erst, als Papa Stefan Blümig auf den Ergometer klettert und zügig losstrampelt, setzt sich die Dampflok mit ihren drei Waggons in Bewegung. Mit dem umgebauten Ergometer zeigte die Stabsstelle Umwelt- und Klimaschutz der Stadt Coburg, wie viel Aufwand nötig ist, um elektrischen Strom im Alltag verfügbar zu haben.

Diese Station zum Ausprobieren war nur eine beim ersten Klimamarkt der Stadt, der am Sonntag auf dem Marktplatz abgehalten wurde. Ins Leben gerufen hatte den Markt der städtische Klimaschutzbeauftragte Wolfgang Weiß (Grüne), organisiert hatte ihn federführend Johanna Brodowski, Praktikantin in der Stabstelle Umwelt der Stadt. Vor allem Umweltorganisationen hatten sich beteiligt: Greenpeace war ebenso vertreten wie der Bund Naturschutz, der Fahrgastverband "Pro Bahn" und der Verkehrsclub Deutschland. Letztere warben dafür, auch aus Klimaschutzgründen mehr öffentliche Verkehrsmittel zu nutzen und die Netze auszubauen. Ein Thema war auch der von den Verbänden geforderte "Lückenschluss" der früheren Werrabahn zwischen Eisfeld und Coburg. Aufgrund der deutschen Teilung nach dem Zweiten Weltkrieg wurde die Bahnstrecke Eisenach-Lichtenfels an dieser Stelle unterbrochen und nicht wieder neu zusammengefügt. Die Idee des Lückenschlusses nahe der alten Trasse ist umstritten und sorgte auch auf dem Marktplatz für Diskussionen.

Ladestationen fehlen

Peter Ehrl setzt dagegen auf umweltfreundlicheren Individualverkehr in Elektromobilen. "Wir brauchen endlich eine Ladeinfrastruktur in Coburg", sagte er und kritisierte die Bundesregierung: Die habe zwar viel Geld für den Ausbau des Ladenetzes bereitgestellt, doch die Antragsfrist (bis Ende August) betrage gerade einmal zwei Monate. In dieser Zeit sei es nahezu unmöglich, tragfähige Konzepte zu entwickeln. Außerdem sei es nötig und sinnvoll, eine einheitlich aufgebaute Ladeinfrastruktur zu schaffen, sage Ehrl, der selbst einen E-Kangoo fährt.