"Die Musik drückt das aus, was nicht gesagt werden kann und worüber es unmöglich ist, zu schweigen", sagte einst Victor Hugo. Wo aber beginnt die Sprache des Tanzes? Vielleicht dort, wo Worte und Töne versagen? Wie beredt Körper sprechen können, beweist das Ballett des Landestheaters mit einem experimentellen Tanztheaterabend in der Reithalle. "Tanzzeit" steht lapidar auf den Programmzetteln. Und als Thema: "Emotionen".



In elf Choreografien von und mit Mitgliedern des Balletts Coburg erlebt das Publikum eine regelrechte Achterbahnfahrt der Gefühle - vom stummen Schrei bis zur tanzenden Freude. Die einzelnen Stücke verzichten auf blumige Titel, sind einfach nur mit Nummern versehen. Und die Dramaturgie des Abends nach einer Idee von Takashi Yamamoto setzt geschickt auf den Wechsel von schroffen Kontrasten und fließenden Übergängen.



Fast unerschöpflich vielfältig erscheinen die Möglichkeiten, die Körper zum Sprechen zu bringen. Und ebenso vielfältig ist die Musik, die begleitend ausgewählt ist: von Max Richters Remix der Vivaldi-Jahreszeiten bis zu Björk und dem "Danse Macabre" von Camille Saint-Saens. Die eröffnende Choreografie, gemeinsam von der gesamten Ballett-Compagnie entwickelt, ist ebenso schlicht wie poetisch.

Ausdauernder Applaus

Als Körper-Knäuel liegt die Tänzerschar am Anfang auf dem Boden. Zu den ruhig fließenden Klängen eine Fuge von Johann Sebastian Bach erweckt Po-Sheng Yeh einen Körper nach dem anderen zu individuellem Leben.
Dann beginnt der Reigen der Tanzstücke, der quer durch viele Tonarten der Gefühle führt. Bemerkenswert eindringlich gleich das zweite Stück. In ihrer eigenen Choreografie tanzt Eun Kyung Chung den bewegend intensiven Versuch eines gefesselten Körpers, sich zu befreien, sich zu lösen aus seinen Banden.



Mit großer Entdeckerfreude erkunden die Tänzer des Coburger Balletts dann den Kosmos der Emotionen - von der puren Freude an der Leichtigkeit der Bewegung bis zum Ausbruch der abgrundtiefen Verzweiflung.


Pathos und Ironie, zarte Poesie und große Geste - die Mitglieder des Coburger Balletts beherrschen als Choreografen bemerkenswert viele Tonarten. Dafür gibt es am Ende ausdauernd jubelnden Applaus. Ein Tanztheaterabend, der dringend nach Wiederholung ruft.