Nao erobert die Herzen seiner Zuhörer im Nu. Artig begrüßt er die "Coburg liest"-Gäste, die den Weg gefunden haben in die Aula des Coburger Gymnasiums Ernestinum zum Vortragsabend mit Ulrich Eberl. Nao ist noch recht klein und seine Bewegungen wirken noch ein wenig ungelenk. Aber er kann sogar schon ein bisschen Fußball spielen, wie er oben auf dem Podium vorführt.


Kindlicher Charme

Seinem kindlichen Charme kann sich an diesem Abend niemand entziehen - auch nicht sein Ziehvater Ulrich Eberl, obwohl der durchaus Mühe hat, Nao zum Schlafen zu schicken. "Manchmal ist Nao ein wenig eigensinnig", sagt Eberl. Doch verärgert klingt das nicht - eher fast etwas amüsiert.


Nao ist ein Roboter. Ein niedlicher Roboter, der eigentlich aus Frankreich stammt, aber japanische Technik in sich trägt. "Befehle befolgt er auf Englisch besser als auf Deutsch", sagt Ulrich Eberl über seinen kleinen Roboter: "Eine gut programmierte Maschine - aber noch keine smarte Maschine."


Smarte Maschinen

Um smarte Maschinen aber geht es in Eberls jüngstem Buch, das er bei seinem Coburg-Gastspiel im Gepäck hat - smarte Maschinen, die sehen und hören können, die Gesichter erkennen und Emotionen aus diesen Gesichtern ablesen können.


Smarte Maschinen, die schon heute manches besser können als Menschen und die noch längst nicht am Ende ihrer rasanten Entwicklung sind. Lernen durch Belohnung - das funktioniert bei diesen Maschinen schon jetzt verblüffend gut. So gut, dass sich mancher Zuhörer bei Eberls Vortrag fragt: Wohin soll das noch führen?
Haben düstere Science fiction-Thriller im Stil von "Terminator" vielleicht doch Recht?

Droht den Menschen irgendwann in nicht allzu ferner Zukunft die Unterdrückung durch Maschinen, die sie selbst geschaffen haben? Ulrich Eberls ebenso interessante wie spannende Entdeckungsreise durch seinen gut 400 Seiten dicken Erfolgsband "Smarte Maschinen" wirft viele Fragen auf, ohne jedoch Zukunftsängste schüren zu wollen. Werden Roboter zu Jobkillern?


Auch bei dieser Frage gibt sich Eberl verhalten optimistisch. Denn der promivierte Wissenschafts- und Technikjournalist geht eher davon aus, dass smarte Maschinen viele Jobs gründlich verändern werden, statt sie komplett zu vernichten.


Ganz abgesehen von den Jobs, die deshalb entstehen, weil Menschen immer wieder zum Thema Robotik forschen und Fertigungsanlagen für Roboter entwerfen.


Robotik-AG des Ernestinums

Die nächste Generation Roboter-Forscher steht jedenfalls schon in den Starlöchern - in Gestalt der Robotik-AG des Gymnasiums Ernestinums. Die sieben Jungs im Alter von 15 bis 17 Jahren haben immerhin mit ihren selbst gebauten Robotern schon allerlei Preise eingeheimst bei diversen Wettstreiten und stellen diese Roboter dem Publikum vor.


Derweil schläft Nao droben auf dem Podium - bis ihn sein Ziehvater wieder aufweckt.






Zu Gast beim Festival "Coburg liest"

Buchtipp Ulrich Eberl Smarte Maschinen - Wie künstliche Intelligenz unser Leben verändert, 24 Euro, 408 Seiten, gebunden,

Ulrich Eberl ist Wissenschafts- und Technikjournalist. Er promovierte an der TU München in Biophysik, arbeitete bei Daimler und leitete 20 Jahre lang bei Siemens die Innovationskommunikation. Zudem war er Gründer und Chefredakteur des international mehrfach ausgezeichneten Zukunftsmagazins "Pictures of the Future". 2011 veröffentlichte er das Jugend-Sachbuch "Zukunft 2050". Er lebt in der Nähe von München.