Tageblatt:Wie sieht das Kultusministerium die pauschale Anhebung der Notenpunkte? Das OLG hatte ja darauf hingewiesen, dass es der Grundsatz der Chancengleichheit verbiete, weniger gute Prüfungsleistungen nur deshalb besser zu bewerten, weil an anderen Schulen bessere Notenschnitte erreicht wurden.
Ludwig Unger: Eine pauschale Anhebung von Notenpunkten ohne eigene Sachprüfung kommt in keinem Fall in Betracht. Wie auch das OLG Bamberg dazu ausführt, bedarf es in einem solchen Fall keiner weiteren Erörterung, dass damit zugleich gegen allgemein gültige Bewertungsmaßstäbe verstoßen würde, wonach Vorbedingung jeder Prüfungsentscheidung - insbesondere auch im Falle einer Neubewertung - die eigene vollständige Kenntnisnahme der Prüfungsleistung ist.

Welchen Einfluss nimmt das Kultusministerium im Vorfeld auf Notendurchschnitte? Wird ein bestimmter Schnitt vorgegeben bzw. verlangt? Inwiefern stehen die Gymnasien hinsichtlich der Abschlussnoten in Konkurrenz zueinander?
Die Leistungen werden nach den im Bayerischen Erziehungs- und Unterrichtsgesetz definierten Notenstufen bewertet. Die gesamten Leistungen eines Schülers werden unter Wahrung der Gleichbehandlung aller Schülerinnen und Schüler in pädagogischer Verantwortung der Lehrkraft bewertet. Hierfür sind alle Lehrkräfte ausgebildet. Notendurchschnitte werden nicht vorgegeben.

Der Fall Spachmann war einzigartig in Bayern. Hat sich das Kultusministerium Gedanken gemacht, inwiefern künftig Lehrer und auch Schulleiter besser unterstützt werden können?
Wenn sich Schulleiter an uns mit der Bitte um Unterstützung wenden, unterstützen wir doch jederzeit gern!

Hat man über Schwächen im System nachgedacht?
Schwächen im System sind aus den Vorgängen in Coburg nicht ersichtlich geworden.

Die Fragen stellte Christiane Lehmann.