Auch für den Laien war rasch klar, dass es hier nicht um eine künstliche Verlängerung der Fastnacht über Aschermittwoch hinaus ging: Bei den 25. Süddeutschen Meisterschaften im karnevalistischen Tanzsport, die der Veitshöchheimer Carneval-Club (VC) und die Tanzsportgarde aus Veitshöchheim in der Würzburger s.Oliver Arena ausrichteten, bekamen die etwa 10 000 Zuschauer am Wochenende Hochleistungstanzsport erster Güte zu sehen - unter den strengen Blicken der sieben schwarz gekleideten Juroren, die nach jedem Auftritt - ähnlich wie beim Eiskunstlauf - die Tafeln mit ihren Ergebnissen in die Höhe recken.
Coburg ist hier gleich mit zwei Teilnehmern vertreten: der Tanzsportgarde Coburger Mohr und den Effect's. Die beiden Mohren-Garden, Junioren- und Königsgarde, ertanzen sich jeweils den dritten Platz unter 19 beziehungsweise 20 teilnehmenden Garden.
Die Effect's treten mit ihren beiden Schautänzen an und platzieren sich jeweils unter den Top Ten. Mit "Shaolin - Hinter den Tempelmauern" holen sie am Sonntag den 6. Platz, mit "Der Schatz der Mumie" am Samstag den 8. Platz. Sophia Meißner ertanzt sich im starken Feld der Tanzmariechen den 10. Platz, die Juniorengarde den 12. Platz.
Alle Teilnehmer und Gruppen haben sich in einem von 15 Turnieren qualifiziert, die der Bund Deutscher Karneval (BDK) veranstaltet. Allerdings ist die Leistungsdichte ungleich verteilt: "Im Norden ist deutlich weniger los als hier bei uns im Süden", erzählt Turnleiter Ludwig Wohlfart. So gibt es die Möglichkeit, ein klein wenig zu tricksen: Da es egal ist, bei welchem Turnier sich eine Gruppe qualifiziert, reisen manche nach Norden, wo sie dann das Geschehen mitunter dominieren.


Exzellent besetzt

Nicht zuletzt auch deswegen ist die Starterliste der Süddeutschen nicht nur umfangreich, sondern auch exzellent besetzt: Insgesamt waren an beiden Wochenenden über 2000 Tänzer zu sehen. Auch im Süden selber gibt es nochmals eine Konzentration der Leistungsdichte. "Auf gut die Hälfte", schätzt Wohlfart die Vereine aus Franken. Bayern aus dem Münchner Raum etwa sucht man dagegen vergebens.
Viele Gruppen könnten bei erstklassigen Tanzturnieren auftreten, sieht man von den für den Karneval typischen Schrittfolgen ab, die an die Revuetänze der 1920er Jahre erinnern: Das Marschieren, die Kreuz-Schritte, Drehungen und Pirouetten, das Radschlagen oder der unverzichtbare Spagat. Dabei komme es auf die Exaktheit der Ausführung, die Synchronizität der Bewegungen und natürlich auch die Choreografie und Raumaufteilung an. "Für den Laien ist kaum noch ein Unterschied zu erkennen", erklärt Wohlfart.
Dem Zuschauer fällt es schwer, sich dem Reiz der Darbietungen zu entziehen. Wenn etwa die Königsgarde des Coburger Mohr einmarschiert und bis auf die hundertstel Sekunde genau die Schrittfolge der 45 Tänzerinnen übereinstimmt, ist das nichts anderes als spektakulär. Auch bei der bunten Vielfalt der Schautänze, bei denen auf ein mit tänzerischen Mitteln erzähltes Drama um einen aus der Gruppe Ausgeschlossenen die Bremer Stadtmusikanten und eine Bergsteigergeschichte folgen, haften die Blicke der Zuschauer fest auf der Bühne.
Zeitweise geht es an diesem zweiten Meisterschaftswochenende zu wie bei den Heimspielen der Würzburger Erstliga-Basketballer, die hier in der Halle sonst das Hausrecht haben: Besonders bei den Tänzern der Altersklasse Ü15 wird getrötet, getrommelt, gerasselt, gejubelt, geklatscht und am Ende auch gefeiert.