Die ersten Trainspotter (Bahngucker) hatten sich mit Kameras bewaffnet am Donnerstag entlang der ICE-Neubaustrecke aufgestellt. Sie warteten auf den ICE-S aus Erfurt, der gestern die erste Testfahrt auf der Neubaustrecke Erfurt-Ebensfeld machen sollte.

Der Zug vom Bahn-Tochterunternehmen DB Systemtechnik war am Mittwoch in Erfurt eingetroffen. Dort fuhr er am Donnerstag um 9 Uhr los. "Das ist ein ICE 2, der kann 400 fahren, wenn man es braucht", sagt Frank Kniestedt, Pressesprecher für das Verkehrsprojekt Deutsche Einheit 8, kurz VDE 8. So wird die teils neugebaute Bahnstrecke von Nürnberg bis Erfurt bezeichnet.

Es wird nicht die letzte Fahrt des Testzugs gewesen sein. Zum einen muss er heute, Freitag, wieder zurück nach Erfurt. "Mit Baugleisgeschwindigkeit", also Tempo 20, wie Kniestedt ausführt. Wann der Zug durchs Obermaintal beziehungsweise das Coburger Land kommt, lasse sich daher schwer sagen. Es müssten noch "verschiedene Parameter des Fahrweges, also des Gleises, und das Zusammenwirken zwischen Oberleitung und Stromabnehmer" geprüft werden. Diese Messreihen sind erforderlich, um die Neubaustrecke freizugeben.

Aber ab nächster Woche dürften die Bahngucker und Trainspotter auf ihre Kosten kommen, verspricht Kniestedt. Denn am Montag, 17. Oktober, um 13 Uhr beginnt eine ganze Reihe von Testfahrten, die bis November durchgeführt werden. Dann sind schon 160 Stundenkilometer drin - "nach etwa einer Dreiviertelstunde ist der Zug dann bei Coburg." Der Zug fährt dann bis zu sechs mal täglich hin und her und wendet jeweils in Unterleiterbach. "Von den Brücken kann man gut gucken, ein schöner Aussichtspunkt ist auf dem Höhnberg am Füllbachtal", empfiehlt Kniestedt. Mitte der Woche sind bereits Fahrten mit 330 Stundenkilometer vorgesehen. Die Strecke soll für 300 Stundenkilometer zugelassen werden. Getestet werden muss sie aber mit zehn Prozent mehr.