Für die geschädigten Frauen war es ein Riesenschreck, für die Beschuldigen offenbar der besondere Kick: Wegen exhibitionistischer Handlungen beziehungsweise der Beihilfe musste sich am Mittwoch ein Paar aus Ebern vor dem Coburger Amtsgericht verantworten. Richterin Melanie Krapf verurteilte einen 42-jährigen Handwerker zu einer Freiheitsstrafe von vier Monaten, die zu drei Jahren auf Bewährung ausgesetzt wird. Seine 28-jährige Freundin muss eine Geldstrafe in Höhe von 900 Euro zahlen.


Am Geschlechtsteil manipuliert

Es ereignete sich im Mai des vergangenen Jahres, als das Eberner Pärchen mit dem Audi A 3 durch die Callenberger Straße in Coburg fuhr. Am Steuer saß die Hausfrau, auf dem Beifahrersitz ihr Partner. Augenscheinlich kam das Paar auf die Idee, Passantinnen durch exhibitionistische Handlungen zu belästigen. Während die Hausfrau das Fahrzeug lenkte, entblößte ihr Partner seinen erigierten Penis. Er ließ die Scheibe der Beifahrerseite herunter und manipulierte an seinem steifen Geschlechtsteil, um sich sexuell vor den unbekannten Frauen zu erregen. Seine Freundin leistete ihm Hilfe, indem sie das Fahrzeug so an den Gehweg lenkte, dass die Frauen sein nacktes, erigiertes Glied bemerken mussten.

"Die Frauen waren geschockt und in ihrem Schamgefühl verletzt", so Staatsanwältin Huber in ihrer Anklageschrift. Auf der Anklagebank sitzend gab sich das Paar, mit den peinlichen Vorwürfen konfrontiert, äußerst kleinlaut und wortkarg. Dafür gab Rechtsanwalt Thomas Drehsen im Namen seines Mandanten ein umfangreiches Geständnis ab. Auf weitere Erklärungen, sagte der Anwalt, wolle sein Mandant verzichten. Die mitangeklagte Hausfrau schloss sich dem an und gestand im vollem Umfang. Dies ersparte den Zeugen die Aussagen vor Gericht.


Die ewigen Verlobten

Richterin Krapf und Staatsanwältin Jana Huber bemühten sich, etwas über die persönlichen Verhältnisse des Paares zu erfahren. "Das ist wenig Konkretes, was die Zukunftspläne betrifft", stellte Huber fest. Beide wollen sich seit dem Jahr 2008 kennen, sie gaben an, seitdem verlobt zu sein, wollten aber von Heiratsplänen nichts wissen. Staatsanwältin Huber wunderte sich: "Sie haben sich kennengelernt, sofort verlobt - und in acht Jahren gab es keine Gelegenheit zum Heiraten?"

Der 42-jährige ist kein unbeschriebenes Blatt, insgesamt sechs Einträge las Huber aus den Strafregister vor, unter anderem Beleidigung und Körperverletzung. Und: Es war nicht das erste Mal, dass das Paar in exhibitionistischer Weise in Erscheinung getreten ist. Bereits im Jahr 2012 belästigte das Duo in Haßfurt zwei junge Mädchen mit der exakt gleichen Handlung; auch damals geschah die Tat vom Auto aus. "Mit onanierenden Bewegungen am Penis wurden die Mädchen erheblich erschreckt", verlas Huber den Strafbefehl von damals. Die hohe Geldstrafe von 5000 Euro habe den Selbstständigen offenbar wenig beeindruckt. "Die Geldstrafe hat keinerlei Wirkung gezeigt. Beide praktizieren ihre Sexualität ohne Rücksicht auf andere", lautete die Schlussfolgerung der Staatsanwältin.


Bewährungshelfer zur Auflage

Richterin Krapf folgte weitestgehend dem Plädoyer der Staatsanwältin. Der Mann wurde zu einer Freiheitsstrafe von vier Monaten, die zu drei Jahren auf Bewährung ausgesetzt wird, verurteilt. Er muss zudem eine Geldstrafe in Höhe von 1600 Euro an die Fachambulanz für Sexualtherapie in Würzburg zahlen und bekommt einen Bewährungshelfer zur Auflage.

Die Freundin kommt diesmal nicht ungeschoren davon. Wegen Beihilfe zu exhibitionistischen Handlungen muss sie 900 Euro Strafe zahlen. Das Urteil ist rechtskräftig.