Trauer und Trost in der Musik fanden viele Zuhörer am Totensonntag in der Morizkirche, wo der Coburger Bachchor unter der Leitung von Peter Stenglein mit dem Philharmonischen Orchester Landestheater Coburg sowie den Solisten Nadja Merzyn (Sopran) und Martin Trepl (Bariton) zwei gegensätzliche, aber doch inhaltlich verbundene Werke zu nachdrücklicher Aufführung brachte, wobei das erste Werk eine Coburger Erstaufführung darstellte.


Bildhafte Szenen

"Dem Andenken der im Krieg gefallenen deutschen Helden" widmete Max Reger sein letztes vollendetes Chorwerk, das Hebbel-Requiem op. 144b nach dem Gedicht "Requiem" des Dramatikers Friedrich Hebbel. Nach düsterer Einleitung der tiefen Instrumente, die sich nur zögernd etwas aufhellt, beginnt der Bariton eindrucksvoll mit den dreimal wiederkehrenden Worten "Seele, vergiss sie nicht, Seele, vergiss nicht die Toten!" Dem Chor sind sehr bildhafte und bisweilen auch hochdramatische Szenen zugedacht, die harmonisch und dynamisch recht anspruchsvoll sind.


Am Ende verbinden sich Solo und Chor mit den Anfangsworten zu expressivem Musizieren, das in die Choralmelodie "O Haupt voll Blut und Wunden" eingebettet ist. Man hörte eine gediegene, eindrucksvolle Wiedergabe des selten zu hörenden, nur etwa zehn Minuten dauernden Werks, an welcher der raumfüllende Bariton von Martin Trepl, der bestens vorbereitete Bachchor, das klangvoll spielende Orchester und der mit klarer Zeichengebung wie sorgsamer dynamischer Gestaltung das Ganze präzise leitende Peter Stenglein gleichen Anteil hatten.


Hauptwerk des Nachmittags war das dem Bachchor bestens vertraute "Ein deutsches Requiem" von Johannes Brahms. Von ihm hat Reger wohl den Beginn mit tiefen Orchesterinstrumenten übernommen, was sich allerdings auch anbietet. Im ganzen ersten Teil schweigen die Violinen.


Mächtige Fuge zum Abschluss

Der Bachchor bot einen schönen lyrischen Einstieg mit "Selig, die da Leid tragen" und zeigte im unter die Haut gehenden "Denn alles Fleisch, es ist wie Gras" große dynamische Bandbreite. Auch in den übrigen Teilen überzeugte der Chor mit stets sauberer Intonation, klanglicher Homogenität, Beweglichkeit und zuverlässigem Eingehen auf die Intentionen des Dirigenten. Schlagkräftig geriet "Der Tod ist verschlungen in den Sieg", der Höhepunkt des Requiems; kraftvoll die mächtige Fuge "Herr, du bist würdig" und wiederum innerlich bewegend der lyrische Ausklang "Selig sind die Toten".


Souveräner Dirigent

Als Solistin hörte man vorteilhaft Nadja Merzyn mit weicher, müheloser Höhe ihres lyrischen Soprans und als Bariton abermals Martin Trepl, der seine beiden dankbaren Soli ausdrucksvoll gestaltete.
Mit abgerundetem, romantischem Klang wartete das Philharmonische Orchester auf. Peter Stenglein dirigierte sicher auswendig, nutzte in überlegener Weise alle Gestaltungsmöglichkeiten des tiefsinnigen Werks aus und brachte so eine nachdrückliche Wiedergabe zustande, die am Ende mit dankbarem, anhaltendem Beifall bedacht wurde.



Die nächsten Termine der "Musica Mauritiana"



Sonntag, 27. November Adventssingen - 16 Uhr

Samstag, 3. und 10. Dezember "Musik bei Kerzenschein" - 18 Uhr

Sonntag, 26. Dezember Gottesdienst mit dem ersten Teil des Weihnachts-Oratoriums von Bach - 10 Uhr

Donnerstag, 31. Dezember Orgelkonzert in der Silvesternacht - 22 Uhr