Die Feuerwehren im Landkreis Coburg stehen vor einem technischen Wandel. Dies ist eine der Botschaften, die Kreisbrandrat Manfred Lorenz in diesem Jahr für die Kommandanten der Feuerwehren im Landkreis hat. Diese treffen sich am Samstag, 12. März, zu ihrer jährlichen Tagung in Unterlauter. Dabei werden sie sich auch über die Ersatzbeschaffungen für zwei alte Drehleitern (Rödental, Bad Rodach) und eine zusätzliche Drehleiter für den Landkreis Coburg unterhalten.
Warum es eine neue Drehleiter braucht und wo sie stationiert werden könnte, verrät Manfred Lorenz in einem Gespräch im Vorfeld der großen Frühjahrs-Kommandantentagung.

Warum ist bei Drehleitern nach genau 30 Dienstjahren eigentlich immer Schluss?
Manfred Lorenz: Drehleitern werden alle zehn Jahre einer sehr aufwändigen und sehr teuren Sicherheitsüberprüfung unterzogen. Da lohnt es sich meist nicht mehr, groß in den Erhalt der Fahrzeuge zu investieren.

Neustadt ist nah, Coburg auch - beim Blick auf die Landkarte könnte man über Rödental als Standort einer Drehleiter schon diskutieren... Oder täuscht dieser Eindruck?
Aus feuerwehr-strategischer Sicht könnte man wirklich über Rödental diskutieren. Allerdings haben wir in Rödental die Situation, dass die Drehleiter dort bei einigen hohen Gebäuden den zweiten Rettungsweg abdeckt. Das heißt: Sie muss in zehn Minuten vor Ort sein, damit Menschen über sie ein Gebäude verlassen können. Deshalb müssen wir die Rödentaler Drehleiter dort lassen, wo sie ist.

Was sind die Argumente, warum es in Seßlach noch eine zusätzliche, fünfte, Drehleiter im Landkreis Coburg braucht?
In Seßlach ist es eher nicht die Höhe der Gebäude. Dafür haben wir in der Altstadt viele Gebäude, die Bestandsschutz haben, aber beim Brandschutz ihre Unzulänglichkeiten aufweisen. Wir haben es doch beim Pfingst-Feuer 2012 in Coburg gesehen: Da waren vier Drehleitern im Einsatz, dennoch hatten wir Schwierigkeiten. Wenn es in einem historischen Umfeld brennt, dann braucht die Feuerwehr schnell eine Drehleiter.

War es schwer, die Landkreis-Politik von der Notwendigkeit für einen finanzielle Beteiligung zu überzeugen?
Wir von der Feuerwehrführung haben von den Bürgermeistern des Landkreises schon im vergangenen Jahr das Signal bekommen, dass man gewillt ist, die vier Kommunen mit Drehleitern nicht im Regen stehen zu lassen. Das ist wichtig, denn so eine Drehleiter ist eine Anschaffung, die eine Kommune kaum alleine schaffen kann.

Was kostet heute ein modernes Drehleiter-Fahrzeug?
Ein gutes Modell ist nicht unter 600 000 Euro zu haben, weil jede Menge Elektronik im Fahrzeug steckt. Nach oben ist die Preisskala dann quasi komplett offen.

Braucht der Landkreis überhaupt eine fünfte Drehleiter?
So eine Anschaffung ist ohne Zuschuss der Regierung nicht möglich. Und glauben Sie mir: Die prüft ganz genau die Notwendigkeit. Eine Drehleiter für den Raum Seßlach wäre ein wichtiger Schritt für die Sicherheit der Bevölkerung im Coburger Land. Das steht außer Frage.

Ist die Seßlacher Feuerwehr organisatorisch überhaupt auf ein so aufwändiges Fahrzeug vorbereitet?
Aus baulicher Sicht sind die Möglichkeiten im bestehenden Gerätehaus vorhanden. Wenn das nicht der Fall wäre, hätten wir mit solchen Gedankenspielen gar nicht anfangen brauchen.

Und wie ist die personelle Situation in Seßlach?
Die Basis dafür ist vorhanden - wobei eine gute Ausbildung bei einem derart wertvollen Fahrzeug natürlich Pflicht ist. Für die Ausbildung zum Drehleiter-Maschinisten muss ein Feuerwehrmann zum Beispiel eine Woche auf die Feuerwehrschule. Aber wir müssen und werden auch Lösungen finden, wie wir die Seßlacher Feuerwehr bei Bedarf von den Aufgaben her ein bisschen entlasten.
Wann wäre denn der Zeitpunkt, an dem ein Drehleiterfahrzeug nach Seßlach kommt?
Im Vordergrund stehen jetzt erst einmal die Ersatzbeschaffungen für Rödental und Bad Rodach. Bei zwei Fahrzeugen in einem Jahr gibt es schon genug Fragezeichen... Letztlich ist es auch eine Frage für die politischen Entscheidungsträger, wann eine Drehleiter für die Stadt Seßlach finanzierbar ist. Es wäre utopisch zu glauben, dass die Seßlacher diese Anschaffung alleine stemmen könnten.

Wenn wir schon mal beim Thema Feuerwehrtechnik sind: Auch für Einsätze auf der ICE-Neubaustrecke werden Anschaffungen von Nöten sein. Wer soll denn diese bezahlen?
Es gab schon Gespräche mit allen Kommunen. Ich bin sehr zuversichtlich, dass auch hier Solidarität herrscht. Letztlich kann ja niemand was dafür, wenn auf seinem Gemeindegebiet die ICE-Strecke verläuft. Ideal wäre es, wenn die Mehrkosten auf Landkreisebene umgelegt werden. Natürlich beteiligt sich auch die Bahn - da hatten wir harte, aber faire Verhandlungen.

Was muss zusätzlich angeschafft werden?
Es geht in erster Linie um Langzeit-Atemschutzgeräte, Wärmebildkameras und Fernmeldemittel. Ein Teil davon wird noch in diesem Jahr ausgeliefert. Zudem brauchen wir auf Landkreisebene ein neues Fahrzeug, einen Gerätewagen für Logistik. Der kommt nach Rödental, also direkt an die ICE-Strecke.

Stimmt es, dass schon bald eine Großübungen mit allen Hilfsorganisationen in einem ICE-Tunnel stattfinden wird?
Diese Übung wird kommen, sie muss auch kommen. Sie wird übrigens keine Einmal-Angelegenheit: Laut Vorschrift müssen wir alle drei Jahre eine solche Übung abhalten.

Die Fragen stellte
Berthold Köhler