Ein "ICE-Systemhalt wenigstens alle zwei Stunden in Richtung Nürnberg und Richtung Erfurt" sowie die Optimierung der Infrastruktur am Coburger Bahnhof: Diese Forderungen - gerichtet an die Deutsche Bahn AG und deren Eigentümerin, die Bundesrepublik Deutschland - finden sich in der Resolution, die am Freitag in Berlin an Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt übergeben wurde. Verfasser dieser Resolution sind die Industrie- und Handelskammer (IHK) zu Coburg, die Stadt und der Landkreis Coburg sowie Bundestagsabgeordneter Hans Michelbach (CSU). Er hatte die Resolution am Freitag gemeinsam mit IHK-Präsident Friedrich Herdan, Coburgs Oberbürgermeister Norbert Tessmer (SPD) und Landrat Michael Busch (SPD) an den Bundesverkehrsminister übergeben.
Mit der Resolution erhielt Dobrindt auch das Gutachten zur Ermittlung des Fahrgastpotenzials für einen zweistündlichen ICE-Systemhalt am Bahnhof Coburg, das die IHK in Auftrag gegeben hatte. "Wir sind bei ihm mit unserem Gutachten auf großes Interesse gestoßen", erklärte Friedrich Herdan im Anschluss an das Treffen. Der Zeitpunkt für die Übergabe sei "genau richtig" gewesen, weil der Minister für März eine neue Gesprächsrunde mit Vertretern des Bahnkonzerns geplant habe: die "Initiative ICE". "Zur Vorbereitung auf dieses Gespräch kann unser Gutachten beste Dienste leisten", so Herdan.
Wie der IHK-Präsident berichtet, sei Bundesverkehrsminister Dobrindt "überrascht" gewesen, dass das Gutachten ein Vielfaches des Fahrgastpotenzials erwarten lasse, als die Bahn AG bisher angegeben und damit ICE-Halte lediglich in Tagesrandlagen begründet hatte. Der Minister habe zugesagt, er werde sich für die Region einsetzen. Es könne schließlich nicht sein, dass Milliarden Euro an Steuergeldern für die ICE-Strecke verbaut würden - und am Ende die Bahn an Coburg vorbeifahre. Herdan: "Das ist genau die Argumentation, die unser Bundestagsabgeordneter Hans Michelbach schon immer vorträgt."
Der Termin beim Bundesverkehrsminister war auf Vermittlung des Coburg-Kronacher Bundestagsabgeordneten zustande gekommen. Er bot nun die Möglichkeit, durch das gemeinsame Auftreten der Coburger Delegation die Wichtigkeit des ICE-Systemhalts in Coburg zu unterstreichen und andererseits deutlich zu machen, dass die Region dieses Ziel im Schulterschluss erreichen wolle.
Dieser wichtige Schulterschluss dokumentiert sich nicht zuletzt auch in der gemeinsamen Finanzierung des Gutachtens. Daran beteiligt sind der Freistaat Bayern, Stadt und Landkreis Coburg, die IHK Südthüringen, die IHK für Oberfranken Bayreuth, die Handwerkskammer für Oberfranken, die Landkreise Kronach, Kulmbach, Sonneberg und Hildburghausen, der Landesverband des Verkehrsclub Deutschland sowie Friedrich Herdan, der einen Teil der Kosten aus eigener Tasche zahlte. Bundesverkehrsminister Dobrindt verfüge nun über profunde Informationen aus erster Hand, um die Notwendigkeit des ICE-Systemhalts einzuschätzen und diese auch gegenüber der DB AG zu vertreten, heißt es in der Pressemitteilung der IHK.
Laut dem Gutachten generiert ein ICE-Systemhalt am Bahnhof Coburg rund 1140 Fahrgäste täglich. Mit einem Schienenlückenschluss nach Südthüringen steigt die Zahl der möglichen Fahrgäste sogar auf über 1240. Damit sei die Wirtschaftlichkeit für den ICE-Systemhalt am Bahnhof Coburg überzeugend belegt.

Die Resolution im Original-Wortlaut:

Resolution

der IHK zu Coburg, der Stadt Coburg, des Landkreises Coburg sowie des Bundestagsabgeordneten Dr. h.c. Hans Michelbach zur

Einrichtung eines ICE-Systemhalts am Bahnhof Coburg und der dazu erforderlichen Schieneninfrastruktur

Ausgangslage:
Der Wirtschaftsraum Coburg zeichnet sich durch seine mittelständisch geprägte Wirtschaftsstruktur mit hohem Industriebesatz und hoher Dienstleistungsdichte aus. Viele der in Stadt und Landkreis Coburg ansässigen Firmen unterhalten internationale Wirtschaftsbeziehungen und besitzen in ihrer Branche Weltgeltung als Marktführer. Schwerpunktbranchen sind die Automobilzulieferindustrie, der Maschinenbau mit einer der deutschlandweit höchsten Beschäftigungsdichten, die kunststoffverarbeitende Industrie, die Polstermöbel-, Spielwaren- und Keramikherstellung. Im Versicherungsgewerbe ist Coburg führender Standort in Nordbayern.
Automotive- und Versicherungsbranche verzeichnen dabei in den letzten Jahren eine stets positive Beschäftigungsbilanz. 32 930 Aus- und über 41 150 Einpendler in den Agenturbezirk unterstreichen Coburgs Bedeutung als Oberzentrum unseres mit Südthüringen länderübergreifend vernetzten Wirtschaftsraums.

Die Zukunft der Region als attraktiver Wirtschafts- und Lebensraum wird noch stärker als bisher von der Wettbewerbsfähigkeit und dem ökonomischen Erfolg der ansässigen Unternehmen abhängen. Zukunftsorientierte Entwicklungsstrategien müssen daher auf Schaffung optimaler wirtschaftlicher Rahmenbedingungen zur Stärkung der Unternehmen basieren. Leistungsfähigkeit der Verkehrsinfrastruktur und effizient vernetzte Verkehrswege für Personen und Güter sowie optimale Anschlüsse an die zentralen Verkehrsachsen sind dabei Grundvoraussetzung. Schienenverkehr wird für Mitarbeiter, Kunden und Geschäftspartner immer wichtiger.
Für die im Verkehrsprojekt Deutsche Einheit VDE 8 auf der Neubaustrecke Ebensfeld-Erfurt realisierte bauliche Anbindung des Coburger Bahnhofs ist nach Betriebsaufnahme auf der VDE 8-Strecke lediglich die Bedienung mit zwei ICE-Zugpaaren in Tagesrandlagen geplant. Durch die vorgesehene Aufgabe der ICE und IC Bedienung zwischen Nürnberg und Jena durch den Frankenwald und das Saaletal, mit Halt in Lichtenfels und Saalfeld, wird die Bedienung der Räume Nordwest-Oberfranken und Südthüringen im Schienenpersonenfernverkehr nach 2017 deutlich verschlechtert.

Dennoch lehnt die Deutsche Bahn AG bisher die Einrichtung des dringend erforderlichen ICE-Systemhalts am Bahnhof Coburg mit Verweis auf ein voraussichtlich zu geringes Fahrgastpotenzial ab.
Die IHK zu Coburg hat deshalb ein Gutachten zur Ermittlung des Fahrgastpotenzials für einen zweistündlichen ICE-Systemhalt am Bahnhof Coburg zum Prognosejahr 2017 mit finanzieller Unterstützung des Freistaates Bayern, Stadt und Landkreis Coburg, IHK Südthüringen, IHK für Ober-franken Bayreuth, HWK für Oberfranken, den Landkreisen Kronach, Kulmbach, Sonneberg und Hildburghausen, des Verkehrsclub Deutschland - Landesverband Bayern sowie Friedrich Herdan, bei der Gesellschaft für Verkehrsberatung und Systemplanung mbH Hannover in Auftrag gegeben.
Laut Gutachten generiert ein ICE-Systemhalt am Bahnhof Coburg rund 1.140 Fahrgäste täglich. Mit Schienenlückenschluss nach Südthüringen steigt das Potenzial auf über 1.240 Fahrgäste. Damit ist die Wirtschaftlichkeit für den ICE-Systemhalt am Bahnhof Coburg überzeugend belegt.

Forderungen:

Die Unterzeichner fordern mit Nachdruck von der Deutsche Bahn AG und deren Eigentümer Bundesrepublik Deutschland mit Inbetriebnahme der VDE 8 zum Fahrplanwechsel 2017 am Bahnhof Coburg einen ICE-Systemhalt wenigstens alle zwei Stunden in Richtung Nürnberg und Richtung Erfurt einzurichten und alle hierfür erforderlichen Maßnahmen zu ergreifen. Außerdem ist die Infrastruktur am Bahnhof Coburg soweit zu optimieren, dass eine gesicherte Bedienung langfristig gewährleistet werden kann. Hierzu zählen insbesondere:


• Ausbau des Bahnhofs Coburg zu einem ICE-Bahnhof durch Einrichtung von zwei ICE-Bahnsteigkanten und der Herstellung der Barrierefreiheit.
• Zweigleisigen Ausbau der Bestandsstrecke zwischen Niederfüllbach und dem real-Markt Dörfles-Esbach, damit Begegnungsverkehrs ermöglicht wird.
• Bereitstellung der notwendigen Bahngrundstücke zur Schaffung des notwendigen Parkraums am Bahnhof Coburg.
• Aufnahme des Schienenlückenschlusses Coburg - Südthüringen in den vordringlichen Bedarf des Bundesverkehrswegeplans 2015, um den Raum Südwestthüringen an den zu entwickeln-den nordbayerischen Schienenverkehrsknoten anzubinden. Bis zur Fertigstellung muss der Lückenschluss von Eisfeld bis zum ICE-Bahnhof Coburg provisorisch durch eine Schnellbuslinie als Vorlaufbetrieb sichergestellt werden.

Coburg, im Januar 2015