"Wir schaffen das", sagte Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) zur Flüchtlingsproblematik. "Die Bundesregierung hat in der Flüchtlingspolitik versagt", meint eine Mehrheit der Bundesbürger nach aktuellen Umfragen. Dennoch kann Angela Merkel bei ihrem Satz bleiben.

Warum, das wurde am Donnerstagabend beim Regionentalk "Auf den Punkt" deutlich, zu dem die Sparkasse Coburg-Lichtenfels zusammen mit Coburger Tageblatt, Radio Eins und i-tv eingeladen hatte. Titel: "Coburg hilft - und wer hilft uns dabei?" Antwort: Zahllose Ehrenamtliche - die schaffen das.

Allerdings sind sie an der Basis nicht allein. "Am Landratsamt sind praktisch alle Abteilungen durch die Arbeit mit Flüchtlingen betroffen. Die Mitarbeiter arbeiten an der Grenze der Belastbarkeit", betonte Landrat Michael Busch (SPD). Durch planerische Unzulänglichkeiten wird die Arbeit zudem erschwert. "Da wird ein neuer Bus mit Flüchtlingen für 19 Uhr angekündigt, kommt aber erst um 23 Uhr, und um 3 Uhr kommt der nächste", beschreibt der Landrat die Zusammenarbeit mit den Erstaufnahmestellen.


Ehrenamtliche Helfer

In der Frankenhalle in Neustadt müssen die Flüchtlinge erfasst werden. Oberbürgermeister Frank Rebhan (SPD) und Neustadts Dritter Bürgermeister Martin Stingl (SPD) sind oft selbst dabei, übernehmen dringend nötige Fahrten, wenn etwa Kinder ins Krankenhaus gebracht werden müssen. Unterstützt werden sie von ehrenamtlichen Helfern, die keinerlei Entschädigung erhalten. Daneben sind junge Flüchtlinge, die im Bahnhofshotel leben, inzwischen unersetzlich geworden als Dolmetscher und Betreuer der Neuankömmlinge.

Ähnlich schildert Coburgs Dritter Bürgermeister Thomas Nowak (SPD) die Situation in der Halle auf dem BGS-Gelände. In beiden Hallen bleiben die Flüchtlinge nur wenige Tage, dann werden sie zu Aufnahmestellen irgendwo in Deutschland weiter auf den Weg gebracht.

"Es ist Arbeit, wenn ein Bus ankommt und es ist wieder Arbeit, wenn die Leute weiter geschickt werden", erklärt Busch. Besser wäre es seiner Meinung nach, eine Gruppe aufzunehmen, die dann im Landkreis oder der Stadt untergebracht wird. Dezentral, denn das ist das Coburger Modell, und es hat sich bewährt. "Wir haben bisher keine Unterkunft mit mehr als 50 Menschen - wenn man von der schon länger bestehenden in Ebersdorf absieht", erklärte Busch. Ärger gebe es vor allem da, wo zu viele Flüchtlinge zusammengepfercht werden. An Integration ist dort nicht zu denken. Von Anfang an wird daher in Stadt und Landkreis Coburg versucht, die Flüchtlinge und Asylsuchenden rasch auf Wohnungen oder kleinere Wohngemeinschaften zu verteilen. Bisher lässt sich dieses Konzept aufrecht erhalten.


Arbeit und Menschenwürde

Integration ist ein wichtiges Stichwort. "Die Sprache ist der wichtigste Schritt", ist der CSU-Landtagsabgeordnete Jürgen W. Heike überzeugt. Wer Deutsch gelernt hat, könne eine Ausbildung beginnen und leichter integriert werden. Integriert auch in die Arbeitswelt: "Menschenwürde hat für mich auch etwas mit Arbeit zu tun - Lohndumping hat da aber keinen Platz", betont der CSU-Politiker. Und dass die Zuwanderung ein Problem auf dem Arbeitsmarkt lindern kann, davon ist Heike überzeugt: "Früher hätte man fürchten können, dass sie jemandem die Arbeit wegnehmen, aber heute ist es doch umgekehrt. Uns fehlen Fachkräfte."

In den kommenden Jahren sollen daher möglichst zig-Tausende von jungen Zuwanderern ausgebildet und beschäftigt werden. Dass es bei allem Engagement auch noch eine Menge von Problemen gibt, darüber waren sich alle Teilnehmer der Runde einig.

Da ist die Überlastung der Hauptamtlichen, die zu geringe Koordination und Würdigung des Engagements der Ehrenamtlichen und da ist eine breite Skepsis in der Bevölkerung, was die Folgen dieser Zuwanderungswelle angeht. Zu langsam werden Gesetze und bürokratische Hemmnisse abgebaut, die eine vernünftige Arbeit an der Basis erschweren.


Schnell Deutsch lernen

Hier muss viel geschehen, damit eine Forderung umgesetzt werden kann, die der Autor Rafik Schami per Video-Einspieler zur Runde beisteuerte: "Flüchtlinge sollen schnell Deutsch lernen, schnell muss jeder lernen, den Anderen zu verstehen. Deutsche und Flüchtlinge können beide voneinander lernen. Aber Hilfe verpflichtet auch, nach den Regeln zu leben, die hier gelten."