Heuer hat's das "Albert" aber wieder richtig krachen lassen. Es ist ja ohnehin schon verblüffend, was alljährlich künstlerisch, sozial, projektös in der weiten Coburger Schullandschaft hervorgebracht wird. Musikalisch aber zeigte das musische Gymnasium Albertinum am Mittwoch im Kongresshaus allen, was eine Harke ist.
Die allerdings, wenn es noch ein kleines bisschen so weiter gegangen wäre, durchaus auch den einen oder anderen eigenen Besucher hätte treffen können. Denn fast vier Stunden Programm unter der Gesamtleitung von Martin Bram, vom feinen Gitarren- (geführt von Matthias Rother) und Dietmar Engels Tango-Ensemble bis zur alles davon blasenden Wucht sinfonischer Sternenkrieger - das muss man aushalten. Gab es in den vergangenen Jahren wenigstens ansatzweise Versuche zur Selbstbeschränkung, so ließ Direktor Stefan Adler diesmal all seinen (zum Teil) wilden Rossen freien Lauf.
Die ließen sich auch nicht weiter beeindrucken von der komplett ausgefallenen Übertragungstechnik im Kongresshaus. (Vielleicht guckt allmählich mal jemand nach dem Zustand des in die Jahre gekommenen Baus, nachdem es dort zunehmend technische Probleme gibt. Der Saal, für den auch Veranstalter mit sozialer Ausrichtung durchaus ordentlich zahlen müssen, wird ja allmählich zum Risikofaktor.)
Und so stürmten die zum Teil riesigen Ensembles lustvoll durch alte und neue Musik. Selbst wenn nicht an jeder Stelle jeder Ton perfekt sitzt, diese Schülerensembles bewegen sich auf einem klanglichen Niveau, das immer wieder auch Nichtangehörige in die Albertinums-Konzerte lockt. Immer wieder auch Solisten, die für die Zukunft hoffen lassen.
Schon beim Unterstufenchor unter Leitung von Annerose Röder war in den Liedern aus dem Film "Die Kinder des Monsieur Mathieu" elegischer, zu Herzen gehender Wohlklang zu genießen. Martin Brahms mitreißende Drimindoo Celtic Music war an dieser Stelle letztmals zu erleben, ewiges Leid in der sprühenden Schulmusikszene: Wenn eine Formation richtig, richtig gut geworden ist, löst sie sich auf, weil die Hauptprotagonisten gehen, in diesem Fall die sehr gereifte Sängerin Clara-Sophie Freitag, das Multitalent Erik Konietzko und der Akkordeonvirtuose Henrik Letzer. Abitur.


Gepfiffen und getrommelt

Martin Brahm war es auch, der zur Pause das beeindruckende klassische Orchester machtvoll und verführerisch "Aus der Neuen Welt" grüßen ließ. Dvorak mit voller Wucht, aber durchaus auch mit Prägnanz und melodiöser Delikatesse.
Und dann erst all die Jazzer und Souler nach der Pause, jetzt im interstellaren Herrschaftsbereich von Uwe Friedrich und Marco Plitzner. Der riesige Mittel- und Oberstufenchor hatte ein rhythmisch anspruchsvolles Programm von "King Of The Road" bis zum Aladdin-Musical zu bewältigen. Friedrichs Albert's Brass Show Band ist zwar wie beschrieben eben wieder im Aufbau begriffen, riss aber zum Abschluss unter anderem mit "Copacabana" und "King Of The Timbales" nochmals über jegliche Zuhörererschöpfung hinweg.
Dazwischen und nach Ninette Soyez-Plitzners Saxophon-Einlage, Angriff des Sinfonischen Blasorchesters mit John Williams Star Wars Saga. Die Macht war hörbar mit ihnen.
Die reichte dann auch noch für den ultimativen Kick des gewitzten Bandleaders an diesem Abend, den Colonel-Bogey-March. Wie dieses vielseitige prächtige Schülerorchester das unauslöschliche River-Kwai-Motiv spielte, pfiff, vorantrieb - das ging unter die Haut.
Gekonnt durchs Programm geführt hatten übrigens Vivian Büschel, Christina Mees und Erik Konietzko.