Die Stadt Coburg hat die Möglichkeit, sich mit der Veste Coburg für den Titel "Unesco-Welterbe Lutherstätten in Mitteldeutschland" zu bewerben. Der Antrag muss bis spätestens 1. Februar 2016 bei der Unesco in Paris eingereicht werden. Gestern sprach sich der Coburger Stadtrat einstimmig für die Bewerbung aus. Oberbürgermeister Norbert Tessmer (SPD) freute sich, dass damit ein "vorläufiger Schlussstrich unter die jahrelangen Bemühungen" gezogen werden könne.
Wie die Leiterin des städtischen Kulturamtes, Michaela Hofmann, dem Stadtrat erläuterte, haben sich die vier Bundesländer Bayern, Sachsen-Anhalt, Sachsen und Thüringen zusammengetan, um insgesamt zwölf zusätzliche Luther-Gedenkstätten anerkennen zu lassen, darunter die Veste Coburg. Die Federführung hat das Land Sachsen-Anhalt übernommen. Bis August 2015 soll der Antrag fertig sein.

Fördergelder in Aussicht gestellt

Alles in allem werde die Bewerbung der vier Bundesländer 323 000 Euro kosten, so Hofmann. Für Coburg ergebe sich für die Jahre 2014 bis 2016 ein Eigenanteil von insgesamt 27 500 Euro. Außerdem müssten die Stätten außerhalb Sachsen-Anhalts die Zuarbeiten für den Antrag selbstständig erledigen - inhaltlich und auch finanziell. Das heißt, auf Coburg kommen weitere 25 000 Euro zu. Unterm Strich kostet die Bewerbung Coburg also voraussichtlich 52 500 Euro.
Das bayerische Kultusministerium, so informierte Michaela Hofmann, habe bereits erklärt, dass es sich nicht finanziell beteiligen werde. Es werde die Antragstellung aber fachlich unterstützen. Ihr Know-How wollen auch die Bayerische Schlösserverwaltung, das Landesamt für Denkmalpflege und die Coburger Landesstiftung zur Verfügung stellen.
Coburg werde sich selbstverständlich um Fördergelder bemühen, kündigte Hofmann an. Finanzielle Hilfen hätten bereits die Niederfüllbacher Stiftung, die Oberfrankenstiftung sowie die Kunstsammlungen der Veste Coburg in Aussicht gestellt.
Um Weltkulturerbestätten baulich und optisch zu schützen, müssen sogenannte Kern- und Pufferzonen ausgewiesen werden, erläuterte Hofmann. Kernzone wäre in diesem Fall die Veste bis zum Wall, die Pufferzone umfasst Festungsberg und Hofgarten bis zu den Arkaden und im Norden Teile des Bausenbergs und die Brandensteinsebene. In diesen Zonen darf beispielsweise nichts gebaut werden, was den Blick auf die Veste optisch beeinträchtigen könnte.
CSU-Stadtrat Hans Michelbach wies auf das wirtschaftliche Potenzial einer Ernennung zum Weltkulturerbe hin. Statistisch besuchten 34 Prozent aller ausländischen Deutschland-Touristen Unesco-Stätten, von denen jeder einzelne dort wiederum im Durchschnitt 60 Euro pro Tag ausgebe. In diesem Zusammenhang bot Michelbach an, auszuloten, Kontakte zu den staatlichen Stellen der Wirtschafts- und Kulturförderung herzustellen, die sich ebenfalls hier einbringen könnten.