Die Haare sind sichtbar grauer geworden und einige Falten haben sich in ihre Gesichter eingegraben, aber ihre Musik klingt so frisch wie vor 25 Jahren: Die Spider Murphy Gang mit den beiden Urgesteinen Günther Sigl und Gerhard Gmell, besser bekannt als "Barny Murphy", lieferte in Rödental eine rauschende Rock-´n´-Roll-Party ab, die zwei Stunden lang mehr als 1400 Gästen unterhielt. Obwohl sie mit dem provokanten Lied über die Prostituierte Rosi nur einen einzigen Nummer-1-Hit landen konnten, ist ihre Liste mit bekannten Ohrwürmern lang.

Pünktlich um 20 Uhr erklommen sie die Bühne, nachdem sie von Bürgermeister Gerhard Preß als "Wiederholungstäter" zum 25-jährigen Jubiläum der Stadterhebung von Rödental begrüßt worden waren. Mit "Mir san a bayrische Band" legten Günther Sigl und seine Mitstreiter los.

Die Band aus München schaffte ihren Durchbruch Anfang der 80-er Jahre im Zuge der aufkommenden Neuen Deutschen Welle, die mit deutschen Song-Texten die Hitparaden eroberte. In einem wesentlichen Punkt unterscheidet sich die Spider Murphy Gang jedoch von allen anderen Musikern aus dieser Zeit. Ihr eigentlicher Entdecker und Förderer war der Radiomoderator Georg Kostya vom Bayerischen Rundfunk vor mehr als 30 Jahren. Er wünschte sich für seine Radiosendung einen auf bayerisch gesungenen Rocksong, den Günther Sigl ablieferte. Das war die Geburtsstunde des "Bayern-Rock-´n´-Roll" und zugleich hatte die Band ihre absolut eigenständige Linie gefunden.

Die Rock-'n'-Roll-Vorbilder

Seine musikalischen Wurzeln bei Vorbildern wie Chuck Berry oder Chubby Checker hält der Frontmann der Band immer noch hoch in Ehren und beweist dies auch auf der Bühne. Von den englisch gesungenen Cover-Versionen der Hits von Elvis Presley und anderen Rock-Größen, die er am Anfang seiner Musiker-Karriere spielte, entwickelte sich der gelernte Bankkaufmann Günther Sigl zum Komponisten von unverwech selbaren Mundart-Evergreens. Das Besondere an ihnen ist die ebenso humorvolle wie kritisch überspitzte Auseinandersetzung mit dem Zeitgeist und dem Un-Geist der Zeit. Ein Lieblingsthema zieht sich als roter Faden durch die Songs, und das ist die Münchner Schickeria, die Günther Sigl gern aufs Korn nimmt.

Dem furiosen Beginn folgte ein gegenseitiges "Abtasten" zwischen den nicht gerade als überschwänglich geltenden Oberfranken und der Band aus Oberbayern. Günther Sigl gelang es rasch, die erwartungsvolle Haltung beim Publikum zu durchbrechen und nach wenigen Minuten gab es unter den Gästen von sieben bis über siebzig Jahren kein Halten mehr.

Schlagartig einen ersten Höhepunkt erreichte die Stimmung bei dem Titel "Autostopp (ich muss nach Schwabing)". Alle Hände gingen in die Höhe und nach dieser Initialzündung folgte Hit auf Hit, zu denen auch begeistert getanzt wurde.

Zum Schluss der Skandal

Obwohl der Frontmann zwischendurch beteuerte, die Spider Murphy Gang könne nichts anderes als den Rock-'n'-Roll spielen, zeigte sie bei Balladen wie "Herzklopfen" und "Sommer in der Stadt" ihr gefühlsbetontes zweites Blues-Gesicht. Getragen wurden diese Stücke v on den kraftvoll gespielten Blasinstrumenten. Dabei ersetzte Otto Staniloi als Solist mit Saxofon, Querflöte, Tuba und Trompete eine komplette Horn-Sektion.
Mehr als eineinhalb Stunden lang spannte Günther Sigl das Publikum auf die Folter, ehe das stakkatoartige Hämmern auf dem Keyboard den Beginn des lange erwarteten "Skandal im Sperrbezirk" signalisierte. Und dann wurde bis in die hinterste Ecke mitgesungen.