Richter Gerhard Amend war dieser nächtliche Termin wichtig: Er wollte sich möglichst genau ein Bild von den Rahmen- und vor allem Lichtbedingungen machen, die vorherrschten, als Wolfgang R. im Dezember 2013 in seinem Haus im Coburger Stadtteil Beiersdorf starb.

Die vier Angeklagten wurden nach und nach vorgefahren. Kurz nach Mitternacht eröffnete Gerhard Amend die Sitzung. Doch als gemeinsam das Haus betreten werden sollte, kam es zu einem Zwischenfall: Maria S., die angeklagte Freundin des Opfers, erlitt einen Weinkrampf. Sie hyperventilierte schließlich und war nicht in der Lage, das Haus zu betreten - das Haus, das seit der blutigen Tat vor fast auf den Tag genau einem Jahr praktisch unverändert geblieben ist.

Auf dem Teppich im Wohnzimmer klebt noch Blut
Deshalb wurde es für diejenigen, die dann mit ins Haus kamen, gruselig: Auf dem Wohnzimmerteppich klebt noch das Blut von Wolfgang R. Entsprechend gedrückt ist die Atmosphäre. Es ist ruhig. Das oft einzige Nebengeräusch ist das Rasseln der Fußfesseln der drei männlichen Angeklagten. Der 23-jährige Paul K. und der 45-jährige Peter G. wirken bislang fast ein wenig teilnahmslos. Die beiden hatten Wolfgang R. mit Schlägen und Tritten so schwer verletzt, das er schließlich an seinem eigenen Blut erstickte.

Helmut S., der Ex-Mann von Maria S., ist seit dem letzten Verhandlungstag plötzlich im Fokus des Prozesses: Paul K. und Peter G. haben ihn schwer belastet. Denn er soll es gewesen sein, der Wolfgang R. eine "Abreibung" verpassen lassen wollte und deshalb die beiden Rocker anheuerte. Auch er verhält sich beim Ortstermin sehr unauffällig. Allerdings ist er auch schwer krank: Er leidet an Leberzirrhose. Gerhard Amend möchte deshalb, dass noch ein Sachverständigengutachten zum Gesundheitszustand von Helmut S. erstellt wird.

Urteil erst im Februar?
Durch dieses Gutachten wird sich der weitere Prozessverlauf verzögern. Der zuletzt für die Urteilsverkündung anvisierte 9. Januar ist nicht mehr zu halten. Denn das Gutachten kann frühestens am 23. Januar präsentiert werden - selbst wenn Amend gar keine schriftliche Ausfertigung will, sondern sich mit einer mündlichen zufrieden gibt. Denkbar also, dass Plädoyers und Urteil erst im Februar 2015 gesprochen werden.

Zurück zum Ortstermin: Jeder Raum im Erdgeschoss wird inspiziert. Im Wohnzimmer wird mehrmals das Licht ausgeschaltet, um ein Gefühl dafür zu bekommen, welche Lichtverhältnisse auch in der Tatnacht vorherrschten. Auch der Keller samt Partyraum wird besichtigt. An der Wand hängen Urkunden. Unter anderem eine der Stadt Coburg, die Wolfgang R. für dessen treue Musiker-Dienste am Landestheater dankt.

Um 1.11 Uhr, also nach etwas mehr als einer Stunde, ist der Ortstermin beendet.

Nächster Verhandlungstag ist der 18. Dezember.