Das Amtsgericht Coburg unter dem Vorsitz von Richterin Susanne Hinz hat einen 34-jährigen Rödentaler wegen vorsätzlicher Körperverletzung zu einer Geldstrafe von 21 Tagessätzen zu 45 Euro verurteilt.

Das Gericht sah es als erwiesen an, dass der Angeklagte den 14-jährigen Sohn seiner Ehefrau in 21 Fällen mit der flachen Hand über den Kopf "gewischt" hat. Die Anklage wegen Misshandlung von Schutzbefohlenen in Tateinheit mit gefährlicher Körperverletzung wurde fallen gelassen. Zum einen entlasteten die Zeugenaussagen den Mann, außerdem wertete die Richterin die Aussagen der Mutter als unglaubwürdig, ebenso habe sich das Opfer in ständige Widersprüche verstrickt. "Ich bin schockiert vom Auftreten der Mutter. Sie benutzt ihre Kinder, um sich an dem Ehemann zu rächen", sagte die Richterin.

Rangeleien mehr aus Spaß

Der Kfz- Mechaniker war angeklagt, den Sohn seiner Ehefrau in der Zeit von August 2009 bis zum Juni 2014 immer wieder gewaltsam angegriffen zu haben. Es soll in diesem Zeitraum in der gemeinsamen Wohnung der Familie zu mehrmaligen Schlägen auf den Kopf, Bisswunden und einen Würgeangriff auf den Jungen gekommen sein. Angeblich habe der Junge unter Todesangst gelitten. Die erste Zeugin, die zehnjährige Schwester des Opfers, erzählte lediglich von Rangeleien zwischen dem Angeklagten und ihrem Bruder. Allerdings seien diese meist aus Spaß gewesen, von Schlägen habe sie nichts mitbekommen. Sie habe aber Schreie aus einem anderen Zimmer gehört, als der Angeklagte den Jungen gewürgt haben soll.

Die 67-jährige Großmutter des Opfers konnte keine Auffälligkeiten am Körper oder am Verhalten ihres Enkels feststellen. Dies bestätigte ein befreundetes Ehepaar, das ungefähr zwei Monate bei der Familie lebte. Sie betonten, dass der Junge sehr lebhaft sei, konnten sich aber zu keiner Zeit an Misshandlungen von Seiten des Rödentalers erinnern. Der Ehemann betonte sogar das gute Verhältnis zwischen dem Angeklagten und dem Opfer. Die beiden hätten gemeinsam Fußball gespielt und viel zusammen unternommen.

Nach Abschluss der Beweisaufnahme forderte Staatsanwältin Daniela Möhrlein eine Freiheitsstrafe wegen vorsätzlicher Körperverletzung von elf Monaten und eine Geldstrafe von 1000 Euro. Sie hielt in ihrem Plädoyer dem Angeklagten zugute, dass er sich teil geständig gezeigt habe und die "Wischer" über den Kopf zugeben habe. Allerdings stand der Rödentaler in der Vergangenheit wegen Körperverletzung vor Gericht, was wiederum als belastend gewertet wurde.

Beziehung war zuende

Für Rechtsanwalt Claus Stephan war die Anzeige der Mutter schlicht und einfach der Versuch, den Angeklagten nach dem Ende der Beziehung zu strafen. Der Junge habe im Gericht weder eingeschüchtert, noch ängstlich gewirkt. Richterin Susanne Hinz schloss sich dieser Aussage des Rechtsanwalts weitestgehend an. Die Vorfälle seien durch die Ehefrau, die sich in der Trennung befand, offensichtlich völlig dramatisiert worden. Trotzdem blieb es bei der vorsätzlichen Körperverletzung in 21 Fällen, die der 34-jährige zugeben hatte.
Der Angeklagte und sein Verteidiger nahmen das Urteil an.